Prozess

Opfer der Brandserie in Arneburg sagen aus

Zehn weitere Zeugen zur Brandserie in Arneburg sind vor dem Landgericht in Stendal befragt worden. Der Schaden der Brandstiftungen sollte ermittelt werden.

Von Günther Tyllack
Das Landgericht Stendal versucht herauszufinden, wie hoch der Schaden der Brandstifter von Arneburg ist.
Das Landgericht Stendal versucht herauszufinden, wie hoch der Schaden der Brandstifter von Arneburg ist. Johannes Vetter

Stendal/Arneburg - Im Prozess um die Arneburger Brandserie 2018 bis 2020 sind am Landgericht Stendal weitere zehn Zeugen befragt worden. Fall für Fall arbeitet die Große Strafkammer die einzelnen Vorkommnisse auf. Ein Ziel dabei ist es, zu erfahren, welchen Schaden die Brandstiftungen angerichtet haben, was insbesondere für das Strafmaß eine Rolle spielen dürfte.

Auch an diesem Verhandlungstag wurde deutlich, dass vielen Eigentümern durchaus materieller Schaden entstanden ist, der nicht immer durch Versicherungen gedeckt war. Da ist zum Beispiel der Besitzer des Dalchauer Gutshauses, das jahrelang leer stand und nicht versichert war. Eine komplette Entsorgung der Brandruine hätte seinen Angaben zufolge mehr als 30.000 Euro gekostet, so wurden es „5800 Euro für das Zusammenschieben“. In diesem Haus soll in früheren Zeiten einmal die Familie eines der beiden Angeklagten gewohnt haben.

Pech hatte der Besitzer von rund 250 Strohballen, die bei Eichstedt Raub der Flammen wurde. Weil ein Abstand nicht eingehalten worden sei, habe die Versicherung nicht gezahlt. Auch der Brand einer großen Scheune, in der rund 1000 Strohballen lagerten, wurde eine teure Angelegenheit. Sie war nur zum Zeitwert versichert. Da Asbestplatten im Feuer zerplatzten und Asbestsplitter nicht nur das Nachbarhaus trafen, sondern auch ins gelagerte Stroh gerieten, musste der Abfall aufwendig getrennt werden. Nach Angaben des Zeugen zahlte die Versicherung allein dafür einen erheblichen sechsstelligen Betrag.

Brandserie Arneburg: Angeklagter zeigt sich geständig

Glück im Unglück hatte dagegen eine Erbengemeinschaft, deren nicht mehr genutzter Kuhstall in Flammen aufging. Wenige Wochen zuvor hatte der Versicherungsmakler angesichts der Brandserie geraten, eine Versicherung abzuschließen. Diese übernahm jetzt die Entsorgungskosten. Bereitwillig gab der geständige Angeklagte zu diesen Taten Auskunft. In einigen Fällen will er allein gehandelt haben, andere seien zu zweit begangen worden, andere wiederum gingen auf das Konto des anderen, einschlägig vorbestraften Angeklagten. Dieser habe beispielsweise, um Spuren zu beseitigen, allein einen Bootsschuppen in Brand gesetzt, aus dem sie zuvor Werkzeuge entwendet hatten.

Die Frage nach dem Warum, blieb weiterhin unbeantwortet. Der Angeklagte murmelte etwas von „unüberlegt“, mittlerweile „sehe ich das anders“. Seinen Angaben zufolge sei man teils gezielt mit dem Vorsatz, einen Brand zu legen, losgefahren. Der Mitangeklagte verfolgte diese Äußerungen ohne sichtliche Regungen. Er schweigt nach wie vor.