Uenglingen l Ein Hauch von DDR zog am Sonnabend durch Uenglingen. Trabis tuckerten durch das Dorf, Mopeds der Marke „Star“, MZ-Motorräder folgten, dahinter Uenglinger, die als Pioniere und FDJ-ler Fähnchen schwenkten. Der ABV – der Abschnittsbevollmächtige – hatte ein Auge drauf.

Mit einem Umzug feierte die „Ossi-Kultur-Scheune“ ihren zehnten Geburtstag. „Wir sind in der DDR groß geworden, möchten an die Zeit erinnern und auch Alltagsgegenstände und Technik von damals erhalten“, sagte Scheunen-Chef Michael Philipp.

Eine Scheune der Begegnung

In erster Linie sehen Philipp und seine Mitstreiter die „Ossi-Kultur-Scheune“ als „Begegnungsstätte für jedermann“. Deshalb organisiert das Scheunenteam, das seit knapp einem Jahr als Verein firmiert, auch Veranstaltungen wie Buchlesungen und plant für 2019 Puppentheater.

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Zur Party zum Zehnjährigen hatten sich Philipp und Co. nicht nur die Uenglinger eingeladen. Und im Umzug und der anschließenden Fahrzeugpräsentation war längst nicht nur der DDR-Alltag präsent. So war unter anderem ein Kugelporsche zu bewundern.

Ralf Sonderhüsken, gewandet in der Uniform eines Sergeants der US-Armee, kam mit einem Jeep „Willys“, Baujahr 1944. „Das ist ein Stück Militärgeschichte und schon faszinierend“, sagte er. Das dürfte erklären, warum der Schlosser aus Stendal, der den Jeep seit 2010 besitzt, in dessen Komplettrestaurierung drei Jahre Freizeit investierte. Der Jeep wurde schon mehrfach für Filmproduktionen geordert. Zuletzt für den Streifen „Verloren in Klessin“, der unter anderem in Tangermünde und Neuredekin gedreht wurde und laut Sonderhüsken am 27. Oktober im Genthiner Kino läuft.

250er mit Mohrrüben

Einen Traum hat sich Mike Hinze aus Uenglingen vor fünf Jahren erfüllt. Er fährt eine 250er MZ mit Seitenwagen, die „zu DDR-Zeiten kaum zu bekommen war“. Mit der Maschine fuhr er im Umzug mit. „Ich bin im Förderverein der Feuerwehr. Wir arbeiten recht gut mit der Ossi-Scheune zusammen“, begründete er seine Teilnahme. Hin und wieder nimmt er mit dem Motorrad an Oldtimer-Treffen teil und startete erst jüngst bei einem Stoppel-Cross in Dessau (bei Arendsee). Der Spaß steht aber an erster Stelle. Das war Hinze auch am Sonnabend anzusehen. Er hatte sich mit gelben Gummistiefeln und Schürze herausgeputzt, seine 250er mit Strohballen, Mohrrüben, Äpfeln sowie Forke und Rechen – „passend zu Erntedank“, erklärte er schmunzelnd.

„Super“, kommentierte er kurz das große Teilnehmerfeld und teilte damit die Einschätzung von Michael Philipp.

Kontakt zur Kulturscheune unter www.ossi-kultur-scheune.com.