Stendal l Die Empfehlung des Schulausschusses vom Dienstagabend an die nächste Sitzung des Kreistages (17. November) hat Gewicht. Sie lautet, die Umwandlung der Sekundarschule „Karl Marx“ Osterburg in eine Gemeinschafts- schule abzulehnen. Fünf der sieben anwesenden Schul- ausschussmitglieder votierten gegen den Umwandlungsantrag.

Dem vorausgegangen war eine kontroverse Diskussion, aufbauend auf umfangreichen Darlegungen von Denis Gruber (SPD), dem für das Ressort Schulen zuständigen stellvertretenden Landrat. Von ihm erfuhren die Ausschussmitglieder unter anderem, dass für Gemeinschaftsschulen die Zweizügigkeit gesetzlich vorgegeben ist. Heißt: In jeder Klassenstufe muss es je zwei Klassen geben, bei sechs Klassenstufen (5. bis 10. Klasse) demnach zwölf Klassen. Die wird es aber in der Osterburger Sekundarschule ab dem Schuljahr 2017/2018 laut derzeitiger Prognose nicht mehr geben. Es könne dann nur noch eine 5. Klasse gebildet werden. Die Forderung nach durchgängiger Zweizügigkeit wäre damit nicht erfüllt.

"Abdriften" befürchtet

Zu bedenken gab Gruber auch, dass die Umwandlung der Osterburger Sekundarschule in eine Gemeinschaftsschule nachhaltige Auswirkungen auf den Sekundarschulstandort Goldbeck haben könnte, ein „Abdriften“ von Schülern nach Osterburg möglich wäre.

Bilder

Weitere Probleme sieht der stellvertretende Landrat in einer nicht zu gewährleistenden optimalen Ausstattung mit Lehrkräften. In den seit dreieinhalb Jahren bestehenden Gemeinschaftsschulen Tangerhütte und Seehausen sei die bis heute nicht gegeben.

Schulstandort gut bestückt

Auf der anderen Seite verfüge Osterburg über eine gute schulische Infrastruktur. Es gebe sowohl Grund-, als auch Sekundarschule, Förderschule und Gymnasium. Das mache den Schulstandort Osterburg nachhaltig.

Für Ausschussmitglied Peter Zimmermann (Linke) waren Grubers Darlegungen eine Aufzählung ausschließlich gegen eine Gemeinschaftsschule sprechender Argumente: „Die Tendenz im Land geht zu Gemeinschaftsschulen. Sie sind vom Land gewollt. Die Osterburger haben die Umwandlung einstimmig beschlossen, die Schule hat ein Konzept vorgelegt, dem das Land zustimmt. Ich bin der Meinung, wenn sich eine Schule auf den Weg zur Gemeinschaftsschule macht, dann sollte sie ihn auch gehen dürfen.“

Sargnagel für Seehausen

Ganz anders der Seehausener Bürgermeister Robert Reck (SPD), der ebenfalls Mitglied des kreislichen Schulausschusses ist: „Die Zustimmung zu einer Gemeinschaftsschule in Osterburg würde den Sargnagel für die Gemeinschaftsschule in Seehausen setzen, wenn nicht gar für den Schulstandort Seehausen gefährden.“

Ein anderes Argument gegen die Osterburger Gemeinschaftsschule hatte Annegret Schwarz (CDU), die selbst mehrere Jahre ehrenamtlich als Vorsitzende des Kreiselternrates fungierte: „Ich habe das Konzept der Osterburger für eine künftige Gemeinschaftsschule sehr intensiv gelesen und kann meine Zustimmung dazu nicht geben.“

Anja Harwarth, Elternsprecherin der Osterburger Karl-Marx-Schule, verfolgte die Sitzung als Gast und machte gestern keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung. Ihr Eindruck: „Es wurde überhaupt nicht das Konzept bewertet oder beurteilt, einzig danach dürften die Kreispolitiker aber befinden. Vielmehr ging es ausschließlich um den Erhalt der Sekundarschule Goldbeck und hauptsächlich um eine Stärkung der Gemeinschaftsschule Seehausen.“

Eltern und Lehrer beziehen Stellung

Letztere müsse 2017/18 zweizügig laufen, dafür kalkuliere der Landkreis offenbar ganz bewusst Schüler aus dem Einzugsgebiet der Osterburger Karl-Marx-Schule mit ein. „Schon jetzt hat der Osterburger Lernort vier Kinder verloren, weil der Schule Anfang des Jahres die Umwandlung zur Gemeinschaftsschule versagt worden war.“ Auf der Gesamtkonferenz der Osterburger Sekundarschule sollen heute Abend die Umwandlung und die Positionierung des Kreis-Schulausschusses thematisiert und weitere Schritte besprochen werden.