Tangermünde l Rudolf Opitz, Bürgermeister der ersten Stunde in Tangermünde nach der Wende und 28 Jahre lang Mitglied der CDU, trat nun aus dieser Partei aus. Als Grund nannte er in einem öffentlichen Schreiben „Zerwürfnisse mit den ehemaligen Parteifreunden des Ortsverbandes“. Diese hätten durch ihre Enthaltung auf der jüngsten Stadtratssitzung einen Antrag auf Ehrung des Altbürgermeisters abgeschmettert.

Nach Informationen der Volksstimme sollte auf der Stadtratssitzung am 27. Juni im nichtöffentlichen Teil darüber entschieden werden, ob Opitz die Ehrenbürgerschaft der Stadt Tangermünde verliehen bekommt. Der Antrag sei von der Fraktion „Die Mitte“ eingebracht worden. 13 Räte hätten dafür votiert, 20 Stimmen wären aber notwendig gewesen, um ihn durch zu bekommen. Die Stimmen seiner neun „Parteifreunde“ fehlten Opitz also, der selbstverständlich, weil ein nichtöffentliches Votum, nicht anwesend sein durfte.

Politischer Gegner stimmte zu

Allerdings weiß er: „Pikanterweise stimmte der ,politische Gegner‘ dem Antrag zu.“ Er habe auch keine politischen Gegner, denn dies sei das Ergebnis seiner „Rathauskultur“ gewesen. Diese bewährten Prinzipien partnerschaftlicher Zusammenarbeit im Rat und der soliden Finanzpolitik seien von den neuen „Visionären“ der Fraktion und den „Verfechtern westdeutscher Parteipolitik längst über Bord geworfen“ worden, schimpft Opitz.

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Das Ex-Stadtoberhaupt spricht von einer Retourkutsche der CDU-Fraktion. Es kriselte nämlich schon länger zwischen Opitz, der von sich selbst sagt, kein Parteisoldat zu sein, und der Masse der übrigen Christdemokraten aus dem Ortsverband der Kaiserstadt. Zum ersten Bruch kam es, als Opitz 2015 öffentlich den parteilosen Jürgen Pyrdok als seinen Nachfolger im Bürgermeisteramt favorisierte. Die CDU ihrerseits schickte mit mehr als 80 Prozent der Stimmen ihren Fraktionsvorsitzenden Thomas Staudt in das Rennen, der schließlich unterlag.

Das Verhalten des damaligen Noch-Bürgermeisters habe ihn damals schon entrüstet, so Staudt heute. Als CDU-Mitglied hätte er sich der Mehrheit anschließen müssen. Persönlich habe der CDU-Fraktionsvorsitzende aber nichts gegen Opitz.

Kein Wort zum Sachverhalt

Aufgrund der Tatsache, dass über die Ehrenbürgerschaft von Opitz auf der jüngsten Sitzung nichtöffentlich abgestimmt wurde und das Ergebnis eigentlich noch nicht vor der Stadtratssitzung nach der Sommerpause in der Öffentlichkeit bekannt sein dürfte, wollte sich Thomas Staudt in seiner Funktion als Fraktionsvorsitzender auch nicht weiter zum Sachverhalt äußern. Mit seiner persönlichen Meinung hielt es aber nicht hinter dem Berg.

„Personenkult lehne ich ab“, wurde er gegenüber Volksstimme deutlich. Auch sei in der Hauptsatzung nicht geregelt, was einen Tangermünder Ehrenbürger auszeichne. Für Staudt müsse sich eine solche Person überdurchschnittlich ehrenamtlich für die Kommune einsetzen. Als Beispiel nannte er die Stendaler Ehrenbürger Hans und Eugenia Jütting, die sich mit ihrer Stiftung um das kulturelle Leben dieser Stadt verdient gemacht haben.

Opitz, dessen Verdienste um Tangermünde er zweifellos achte und schätze, sei aber hauptamtlicher Bürgermeister gewesen, so Staudt. Er habe per Amtseid geschworen sich für die Stadt einzusetzen und sei dafür bezahlt worden. „Und diesen Job hat er gut gemacht“, fügt der CDU-Mann hinzu.

Es gäbe Alternativen

Opitz bemängelte in seinem öffentlichen Schreiben außerdem, dass es vor dem Votum über seine Ehrenbürgerschaft keine Rücksprache zu einer eventuellen Alternative gegeben habe. Warum solle die CDU über den Inhalt einer Beschlussvorlage sprechen, die von ihr nicht zur Diskussion gestellt wurde, kontert dagegen Staudt. Außerdem gebe es Alternativen zur Ehrenbürgerschaft. So habe Hildegard Wynands (CDU) vorgeschlagen, Opitz die Ehrenspange der Stadt Tangermünde zu verleihen.

Den Austritt von Rudolf Opitz aus seiner Partei bedauert Thomas Staudt. Auf das Schreiben des Ex-Bürgermeisters werde die CDU antworten. Über den Inhalt soll während einer Fraktionssitzung am Montag gesprochen werden.