Stendal l Es mutet reichlich kurios an: In unregelmäßigen Abständen schicken die Milchwerke Mittelelbe Mitarbeiter zu den benachbarten Autohäusern an der Heerener Straße zum Putzdienst. Autos müssen dann gereinigt werden. Es handelt sich dabei keineswegs um Gefälligkeitsdienste oder Nachbarschaftshilfe. Vielmehr sammeln sich auf den Fahrzeugen Rückstände aus der Produktion des Nahrungsmittelherstellers. In Stendal produziert das Unternehmen unter anderem Babynahrung und Milchpulver. Auf Nachfrage der Volksstimme bestätigen die Vorgänge sowohl zwei betroffene Autohäuser als auch das Unternehmen selbst. Beobachter sprechen von klebrigen Rückständen. Doch was geht dort nieder, und woran liegt das?

Julia Schneiderheinze, Mitarbeiterin in der Unternehmenskommunikation der Krüger Group, zu der die Milchwerke Mittelelbe gehören, berichtet auf Volksstimme-Anfrage, dass es sich bei den Rückständen um feine Partikel handele, die bei der Herstellung der Nahrungsmittel entstehen. Wenn die Abluft aus den Produktionsanlagen entweicht, würden diese mit ausgestoßen werden. Ändern könne man daran leider wenig: „Bedauerlicherweise lässt sich der Ausstoß selbst mit besten Filteranlagen nicht vollständig vermeiden.“

Phänomen hängt vom Wetter ab

Ob die Partikel austreten, hänge nicht unwesentlich vom Wetter ab. Lange Phasen der Trockenheit begünstigten dabei das Phänomen. „Diese Spuren sind nur bei bestimmten Wetterverhältnissen erkennbar. Je nachdem, wie der Wind steht, und abhängig davon, wie lange es nicht regnet“, so Schneiderheinze.

Sorgen müsse man sich angesichts dieser Begleiterscheinung der Produktion allerdings nicht machen. Schneiderheinze legt in diesem Zusammenhang darauf Wert, dass von den Pulverpartikeln keinerlei Gefahr für die Gesundheit ausgehe. Es seien keine schädlichen Stoffe, die in der unmittelbaren Umgebung der Milchwerke niedergehen. „Der Ausstoß bewegt sich absolut im gesetzlichen Bereich und wird regelmäßig von den zuständigen Behörden kontrolliert“, versichert sie.

Milchwerke putzt Autos

Mit den Autohäusern befinden sich die Milchwerke in der Sache offenbar in einem guten Austausch. Zumindest kümmern sie sich darum, die Ablagerungen zu entfernen, so sie denn auftreten. „Wir bieten den Betroffenen jederzeit an, ihre Fahrzeuge durch uns reinigen zu lassen“, so Schneiderheinze. Allerdings ist die Bereitschaft der Betroffenen, über das Problem zu reden, nicht besonders ausgeprägt. Mehr als die Bestätigung der Vorfälle lässt sich von ihnen kaum entlocken.

Eine Anfrage beim zuständigen Referat für Immissionsschutz des Landesverwaltungsamtes Sachsen-Anhalt, ob Kenntnisse über die Vorgänge bestehen, wird noch im Verlaufe der Woche beantwortet.