Stendal l Das Kriminalitätsgeschehen im Landkreis Stendal war auch 2018 rückläufig. „Wir können gute Zahlen vorweisen“, sagte Carsten Töpfer als Leiter des Polizeireviers in Stendal am Freitag bei einem Pressegespräch. 2018 wurden 6389 Straftaten registriert und damit 644 weniger als im Vorjahr. Die Gesamtzahlen sind seit Jahren rückläufig und es sind sogar 1381 Fälle weniger als noch vor fünf Jahren. Was nahezu konstant bleibt, ist die Aufklärungsquote von nahezu 60 Prozent aller Fälle. „Da liegen wir über dem Landesschnitt“, freut sich Töpfer. Die Quote liegt landesweit bei 55,1 Prozent.

Versuchter Totschlag im Obdachlosenheim

Man sei froh, dass der Landkreis Stendal im vergangenen Jahr von spektakulären Vorfällen verschont blieb. So habe es keinen einzigen Mordfall gegeben. Landesweit waren es immerhin 16 Morde und 75 Fälle von Totschlag. Im Landkreis Stendal gab es lediglich zwei Fälle von fahrlässiger Tötung, in denen noch ermittelt wird. Beides Mal ging es um einen Verkehrsunfall, einmal auf der Stadtseeallee, ein anderes Mal auf der B 107 bei Schönhausen. Außerdem hatte es im März einen Fall eines versuchten Totschlags gegeben, als im Obdachlosenheim ein Mann wegen ein paar Euro von einem anderen Bewohner durch Fußtritte fast umgebracht worden wäre.

Die Polizei hatte es bei den Straftaten mit insgesamt 2775 Tatverdächtigen zu tun, wovon 261 davon – also 9,4 Prozent – Nichtdeutsche sind. Die Quote ausländischer Tatverdächtiger sei sehr gering, betonte Bernd Jonschkowski, der Leiter des Revierkriminaldienstes. „Das liegt ganz heinfach auch daran, weil hier weniger Ausländer leben als in größeren Städten.“

Wenig auländische Tatverdächtige

Der Anteil ausländischer Täter ist im Landkreis Stendal allein auch deswegen stark gesunken, dass es in den Vorjahren zahlreiche Anzeigen wegen „illegaler Einreise“ und sonstiger ausländerrechtliche Verstöße gab. So bekamen 2016 im Landesaufnahmelager in Klietz viele Asylbewerber, die im Herbst 2015 über Ungarn nach Bayern gelangten, eine Anzeige.

Den größten Anteil bei den Straftaten machen mit 2211 Fällen die Diebstähle aus (34,6 Prozent), davon 272 Ladendiebstähle. 28 Autos wurden im Landkreis gestohlen und 385 Fahrräder. 36 Wohnungseinbrüche gab es.

Danach folgen sogenannte Rohheitsdelikte wie Nötigung und Körperverletzung mit 1133 Fällen. Allerdings liegt die Aufklärungsquote in dem Bereich bei mehr als 90 Prozent.

Immerhin gab es vier Vergewaltigungen und fünf Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern. „Die Vergewaltigungen wurden alle aufgeklärt“, so Jonschkowski. Bei den Sexualdelikten gibt es laut dem Leiter des Revierkriminaldienstes allein deshalb einen Anstieg, weil es mehr Anzeigen von sexueller Belästigung gegeben habe. Der neue Paragraf 184i im Strafgesetzbuch mache eine Verfolgung besser möglich. 15 Fälle dieser Art gab es im vergangenen Jahr, 2017 waren es neun Fälle gewesen.

Nur einmal war der Enkeltrick erfolgreich

Ein Bereich, der den Polizisten etwas Sorgen bereitet, sind die Betrugsfälle und die Fälschungen. Hier gibt es einen Anstieg um rund zehn Prozent auf nunmehr 903 Fälle. „Gerade der Betrug im Internet nimmt zu“, sagt Jonschkowski. Es gibt im Stendaler Revier drei Kollegen, die sich ausschließlich mit Betrugsfällen beschäftigen. Zum Glück habe es 2018 nur einen Fall eines sogenannten „Enkeltricks“ gegeben, bei dem auch tatsächlich Geld erbeutet wurde. „Unsere Präventitionsarbeit wirkt in dem Bereich offensichtlich“, sagt er. So seien zahlreiche Trick-Versuche angezeigt worden.

Größere und kompliziertere Betrugsfälle gehen allerdings an den zentralen Kriminaldienst oder gleich das Landeskriminalamt, wie im Fall von jeglicher Kinderpornografie.