Stendal (wo) l Landrat Patrick Puhlmann (SPD) hat in einem Interview mit „Zeit online“ zugegeben, dass er nicht über die Impfung der 330 Bediensteten der Polizeiinspektion Stendal informiert war. Eine entsprechende Anfrage der Volksstimme am vergangenen Freitag hatte er nicht beantwortet. Die Immunisierung der Polizisten stellt einen Verstoß gegen die Impfverordnung des Bundes dar, weil sie nicht der Gruppe mit der höchsten Priorität angehören.

Der Hamburger Wochenzeitung sagte Puhlmann, dass er erst kurz nach der Aktion darüber in Kenntnis gesetzt worden sei. Damit ist klar, dass Sebastian Stoll (CDU), 1. Beigeordneter und Verantwortlicher des Impfzentrums, seinen Vorgesetzten bei der Entscheidung übergangen hat. Über mögliche Konsequenzen könnte Puhlmann in einer für Dienstag anberaumten Pressekonferenz informieren.

Verhältnis gilt als beschädigt

Der Vorgang untermauert, dass es im Verhältnis zwischen Landrat und seinem Stellvertreter nicht zum Besten gestellt ist. Stoll gilt als Ziehsohn von Puhlmanns im Dezember des vergangenen Jahres verstorbenen Vorgängers Carsten Wulfänger (CDU), unter dem er als 2. Beigeordneter amtierte. Vor der Neuwahl der Beigeordneten im April 2020 durch den Kreistag hatte Puhlmann sich in einem Brief ausdrücklich gegen eine Wahl Stolls ausgesprochen. Er begründete dies damit, dass er sich nur schwer eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihm vorstellen könne.

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Vorausgegangen waren Querelen bei der Amtsübergabe von Wulfänger an Puhlmann im März 2020. Die Mehrheit der Kreistagsmitglieder ließ sich davon nicht beeindrucken und wählte Stoll im ersten Wahlgang zum 1. Beigeordneten.