Stendal l Der am 15. Januar begonnene Prozess vor der Berufungskammer am Landgericht um eine brutale Attacke gegen einen Syrer in der Nähe der Stendaler Moschee, dessen zwei Magdeburger angeklagt sind, ist wegen Erkrankung des Vorsitzenden Richters geplatzt und muss neu aufgerollt werden. Das bestätigte Gerichtssprecher Michael Steenbuck auf Anfrage der Volksstimme.

Angeklagte fechten Urteil an

Wie berichtet fechten die bislang nicht vorbestraften Angeklagten ein Urteil des Amtsgerichts Stendal vom 24. Mai 2018 an, mit dem sie wegen gefährlicher Körperverletzung zu jeweils 15 Monaten Gefängnis ohne Bewährung und zur Zahlung von 1000 Euro Schmerzensgeld verurteilt worden waren.

 Das Amtsgericht hatte es als erwiesen angesehen, dass der 46-jährige Deutsche mit libanesischen Wurzeln, zugleich 2. Vorsitzender der Islamischen Gemeinde Magdeburg, und der mitangeklagte in Syrien geborene 41-jährige Palästinenser zusammen mit einem unbekannt gebliebenen Mittäter am 1. Juni 2017 „rollkommandoartig“ einen in Stendal lebenden Syrer in der Nähe der Stendaler Moschee abwechselnd geschlagen, getreten, mit einem Messer bedroht haben. Wobei sie den 32-Jährigen „relativ schwer verletzt haben“.

Das Urteil stützte sich auf die Aussage des Opfers, hieß es in der Urteilsbegründung. Demnach ging das Amtsgericht von einer Auftragstat aus, hinten denen die Islamischen Gemeinden Stendal und Magdeburg stecken könnten. Details zur etwaigen Motivation der Angeklagten konnten in dem zweitägigen Prozess vor dem Amtsgericht nicht geklärt werden. So blieb offen, ob ein unbequemer Kritiker an der Verwaltung sowie der Handhabung von Gebetsritualen und Beschulung in ihren Gemeinden abgestraft werden sollte. Oder ob es sich beim Opfer um einen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Nahestehenden handelte, wie es die Vorsitzenden der Gemeinden Stendal und Magdeburg – ein am Krankenhaus in Stendal tätiger Arzt und ein Dozent an der Uni-Magdeburg – als Zeugen behauptet hatten.

Dritter Tatverdächtiger ist ermittelt

Bis Anfang April hatte das Landgericht schon Termine angesetzt, die jetzt allesamt hinfällig sind. Einen Termin für eine Neuansetzung des Prozesses könne er noch nicht nennen, sagte Gerichtssprecher Steenbuck.

Nach Volksstimme-Informationen hat die Staatsanwaltschaft inzwischen den dritten Tatverdächtigen ermittelt und Anklage gegen ihn erhoben. Ob es sich dabei um einen Mann ägyptischer Nationalität handelt, der als Zeuge im Mai 2018 vor dem Amtsgericht ausgesagt hatte, dass er zur Tatzeit mit einem der Angeklagten in Berlin war, ist nicht bekannt. Ein Termin zum Prozessbeginn gegen den angeblichen dritten Täter ist ebenfalls noch nicht bekannt.