Stendal/Osterburg l Ein Osterburger soll eine Frau zu Boden gebracht und auf die am Boden Liegende eingetreten haben. Er gibt sich aber völlig unschuldig. Geht es um „ein typisches Himmelfahrtsgeschehen mit sehr viel Alkohol im Spiel“, das vorrangig einer zivilrechtlichen Klärung bedürfe, wie der Verteidiger des Endvierzigers beim Prozessauftakt vor dem Amtsgericht anführte.

Oder geht es, wie es die Staatsanwaltschaft Stendal angeklagt hat, um eine Körperverletzung, die nach dem Strafgesetzbuch vors Strafgericht gehört, weil es am 25. Mai 2017 mindestens eine nicht unerheblich verletzte Frau auf der Promenade in Osterburg gab.

Das kristallisierte sich als Knackpunkt beim Beginn des kompliziert anmutenden Verfahrens heraus. Wobei die Sitzungsvertreterin der Staatsanwaltschaft am Ende eines langen Prozesstages mit Anhörung von sechs Zeugen nahe beim Verteidiger war und sich für eine Einstellung aussprach, weil es sich um eine „typische Privatklagesache“ handele.

Doch da wollte Richter Thomas Schulz nicht mitgehen. Schließlich gebe es da eine Frau, die einen Schulterbruch erlitt. Das müsse man aufklären. Wenn sich am Ende keine Schuld beim Angeklagten finden lasse, könne es für ihn auch einen Freispruch geben. Wenn zum jetzigen Zeitpunkt eine Verfahrenseinstellung erfolgen könne, dann nur gegen Geldauflage für den Angeklagten. Doch damit haderte dessen Verteidiger. Und so wird es eine Fortsetzung mit weiteren Zeugen geben.

Zeugen gehören zwei Lagern an

Die beim Auftakt gehörten Zeugen sind nach Auffassung der Prozessbeteiligten zwei Lagern zuzuordnen, dem des Angeklagten oder dem des angeblichen Opfers, einer Mittdreißigerin. Diese steht allerdings selbst im Fokus eines anderen Strafverfahrens, wie Richter Schulz erklärte, weil sie mit der körperlichen Attacke gegen die Frau des Angeklagten angefangen haben soll.

Alles sehr kompliziert, zumal es sich bei den Frauen und Männern allesamt um ehrenwerte Bürger der Biesestadt handelt, die in einer Vorgeschichte verbandelt scheinen. Rache könnte laut Verteidiger dabei eine Rolle spielen. Das Geschehen schildern die Vertreter beider Lager völlig anders. Und auch in den Lagern selbst gibt es unterschiedliche Aussagen, die zum Teil den vor der Polizei getätigten Angaben widersprechen.

Völlig objektive Zeugen gab es bislang keine. Das spätere Opfer soll mit ihrem Fahrrad dem Auto, in dem sich der Angeklagte als Beifahrer, seiner Frau als Fahrerin und seine Kinder befanden, den Weg versperrt haben. Daraus entwickelte sich wohl erst ein Disput zwischen den Frauen, aus dem Handgreiflichkeiten wurden. Dann soll der Angeklagte als Beifahrer brutal in das Geschehen eingegriffen haben.