Stendal l Ein gerichtsbekanntes Pärchen aus dem Elb-Havel-Winkel kämpft ab dem heutigen Donnerstag vor der Berufungskammer am Landgericht Stendal gegen ein Urteil des Amtsgerichts der Rolandstadt an. Sie sollen in ihrem Heimatdorf im Keller ihres Wohnhauses eine Cannabis-Indoor-Anlage betrieben und mit den Drogen gehandelt haben.

Dafür waren der 40-Jährige und seine 31 Jahre alte Lebensgefährtin am 18. März dieses Jahres vom Schöffengericht zu Freiheitsstrafen ohne Bewährung verurteilt worden.

Der mehrfach, zweimal davon einschlägig, vorbestrafte gebürtige Stendaler sollte demnach für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Für die wegen eines ähnlichen Tatvorwurfs bereits einmal vorbestrafte gebürtige Havelbergerin hatten die Richter zwei Jahre Haft ausgeurteilt (Volksstimme berichtete). Nach einem Zufallsfund im Auto des 40-Jährigen hatte die Stendaler Polizei im Dezember vorigen Jahres einen Durchsuchungsbeschluss beim Amtsgericht Stendal erwirkt.

Für erste Drogen-Anlage noch Bewährung

Beim Eintreffen der Beamten hatten die Angeklagten noch versucht, Cannabis in einem Ofen zu verbrennen. Im Keller fanden die Ermittler eine funktionstüchtige Cannabis-Indoor-Anlage mit sieben Mutterpflanzen, 571 Stecklingen und 132 Cannabispflanzen in unterschiedlichen Wuchshöhen. Die Beamten entdeckten zudem Equipment für die Drogenaufzucht und das Handeltreiben und dazu gut 600 Gramm Marihuana sowie portioniertes Tabak-Cannabis-Gemisch und Amphetamine. Außerdem in einem Safe knapp drei Gramm Kokain und 1930 Euro Bargeld bei dem einkommenslosen Pärchen.

Am Amtsgericht hatte die 31-Jährige jegliche Beteiligung an der Drogenaufzucht bestritten, zugleich aber eingeräumt, davon gewusst zu haben. Bereits im April 2018 hatte die Volksstimme über das Pärchen berichtet. Im August 2017 war die Polizei nach der Anzeige eines Nachbarn fündig geworden. Neben 50 Setzlingen entdeckten die Fahnder in Indoor-Anlagen im Gewächshaus und in der Garage über 300 Cannabis-Pflanzen in verschiedenen Wuchshöhen.

Seinerzeit hatten die zu Bewährungsstrafen verurteilten Angeklagten den Drogenanbau damit begründet, dass der Vater des 41-Jährigen Cannabis als Schmerzmittel benötige. Dazu hätten sie einen Antrag bei der Krankenkasse gestellt. Das Eingangsschreiben der Krankenkasse datierte indes erst mehrere Monate nach dem Drogenfund durch die Polizei. Bekanntlich kann in bestimmten Fällen Cannabis legal auf Rezept erworben werden. Allerdings sind die gesetzlichen Hürden für eine Verschreibung recht hoch. Das Landgericht hat im aktuellen Prozess drei Verhandlungstermine angesetzt. Das Urteil wird Mitte September erwartet.