Stendal l Die jüngste Sitzung der Stadtentwicklungsausschusses war bereits auf der Zielgeraden, als Katrin Kunert (Fraktion Linke-Bündnis 90/Die Grünen) noch einen Antrag zur – eigentlich bereits beendeten – Diskussion stellte, der für die künftige Stendaler Verkehrspolitik nicht unwesentlich ist.

Die Fahrtrichtung um die Marienkirche herum möge geändert werden, so das Ansinnen von Stadträtin Kunert.

Derzeit dreht sich der Verkehr im Uhrzeigersinn einbahnstraßengeregelt um das Ensemble Marienkirche-Rathaus-Marktplatz. Wer aus der südlichen Breiten Straße kommt, fährt über die Marienkirchstraße in Richtung Brüderstraße, kann nach rechts in die Straße am Markt abbiegen und von dort noch mal rechts in den Kornmarkt, von wo er dann wieder in Richtung Winckelmannplatz fährt. Die Fahrtrichtung zu ändern, hieße sie umzukehren. Von der nördlichen Breiten Straße ginge es dann vor der Kirche rechts in den Kornmarkt und nach zweimaligem Linksabbiegen parallel dazu in der Marienkirchstraße wieder in Richtung Winckelmannplatz.

Aus Sicht von Bauamts- leiter Georg-Wilhelm Westrum eine durchaus denkbare Variante. Mehr noch: „Ich bin da völlig bei Ihnen, allerdings erst, nachdem die Bauarbeiten in der Brüderstraße abgeschlossen sind“, reagierte er auf den Antrag, der die mehrheitliche Zustimmung der Ausschussmitglieder fand.

Planungsamtschef rät zum Abwarten

Die Brüderstraße, derzeit wegen des Straßenbaus voll gesperrt, soll bis zum Herbst wieder zu einem befahrbaren Teil der Altstadt geworden sein, dem Teil des Straßennetzes, für das zeitgleich an einem Verkehrskonzept gearbeitet wird. Ein Ingenieurbüro ist mit der dazugehörigen Verkehrsuntersuchung beauftragt, deren Ergebnisse nach der politischen Sommerpause auf den Tisch gelegt werden sollen und, so der Vorschlag von Bauamtsleiter Westrum, in die der Vorschlag Kunerts einbezogen werden sollte, denn: „Es verändern sich Verkehrsströme und die müssen analysiert werden“, antwortete er gestern auf Nachfrage der Redaktion.

Das sieht der Stendaler Planungsamtsleiter Axel Achilles ähnlich. „Das Ingenieurbüro wird einen Vorschlag für die Verkehrsführung erarbeiten. Es geht um die Verkehrsführung in der gesamten Altstadt.“ Er halte es für sinnvoll, diese Expertise abzuwarten. „Es sei denn, die Politik entscheidet vorher anders“, sagt Achilles mit Blick auf die Sitzung des Stadtrates, der sich bereits am 9. Juli mit dem vom Stadtentwicklungsausschuss positiv beschiedenen Antrag der links-grünen Fraktion zur Verkehrsführung um die Marienkirche herum beschäftigen wird.

Eine Zustimmung zu diesem Vorschlag würde auch auf große Gegenliebe beim Auto Club Europa (ACE) stoßen. „Das würde die Entschärfung bringen, die wir uns gerade für die Einmündung Kornmarkt/Breite Straße erhoffen“, sagte Lothar Karcz, Vorsitzender des Kreisverbandes Sachsen-Anhalt/Nord. Derzeit müssen man sich von der Breiten Straße noch an den Kornmarkt herantasten, „und hoffen und beten, dass der von rechts kommende Autofahrer einem nicht die Kurve schneidet“.

Umsetzung scheint unkompliziert zu sein

Das Umdrehen der Verkehrsführung wäre absolut im Sinne vieler, mit denen er sich über die Verkehrssituation unterhalten hatte. Das könne doch auch nicht so schwierig in der Umsetzung sein. Bauliche Veränderungen müssten nicht vorgenommen werden, nur ein paar Schilder umgedreht oder anders postiert werden.

Karcz geht sogar noch einen Schritt weiter. „Ich denke auch in den Straßen, die zum Markt führen und davon weg, sollte die Fahrtrichtung geändert werden, sonst ist man zu sehr im Zickzack unterwegs. Die Brüderstraße soll dann in Richtung Marktplatz befahren werden, der Birkenhagen in Richtung Stadtsee. Die Idee sei ihm gekommen, nachdem er sich mit Werner Hartig vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) unterhalten hatte.

Der Kreisvorsitzende des ADFC hatte auch bereits im Sommer vergangenen Jahres auf neuralgische Punkte in der Stadt aufmerksam gemacht, die Radfahrern das Leben erschweren. Dazu gehörten auch die Ramelow-Kreuzung und die weitere Verkehrsführung zum Marktplatz.

Am 2. Juni vergangenen Jahres wurde in der Tempo-20-Zone eine 81-jährige Frau beim Überqueren der Bruchstraße von einem Paketdienst-Transporter erfasst. Sie starb noch an der Unfallstelle. Juristisch ist der Fall immer noch nicht aufgearbeitet. Ein neues Gutachten soll erneut beleuchten, aus welcher Richtung die Frau über die Straße ging. Dies kann entscheidend für die Klärung der Frage sein, welche Schuld den Fahrer des Transporters trifft.