Stendal l Als Akram El Hamdaoui vor zwölf Jahren nach Deutschland kam, wollte er Wirtschaftsingenieur werden. Sein Studium hatte er bereits in der Heimat Marokko begonnen, war nun an der Köthener Universität eingeschrieben. Doch dann kam alles ganz anders. Nach dem Tod seines Vaters entschied er sich, das Studium abzubrechen und eine Ausbildung zu beginnen.

Er wurde Schweißer, bildete sich stetig fort und übernahm schließlich den Posten als Schweißer-Aufsichtsperson. Sechs Jahre lang war er für ein Brückenbauunternehmen tätig, doch dann war wieder die Zeit für einen Wechsel. „Meine Frau war schwanger, und die Montagearbeit war nicht das, was ich mir für ein Familienleben vorgestellt habe“, erzählt er.

Vor zwei Jahren eröffnete er einen arabischen Supermarkt an der Friedrich-Ebert-Straße in Stadtsee und kam auf den Geschmack. „Ich wollte dann noch etwas Neues nach Stendal bringen“, sagte er. Im Februar hat er das Restaurant Marrakesch gleich neben seinem Supermarkt eröffnet. Er schätzt die ruhige Lage der Ebertstraße, sieht einen großen Vorteil darin, dass zahlreiche Parkplätze zur Verfügung stehen.

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Speisen aus vielen verschiedenen Ländern

Viele Stendaler hätten auch schon vorbeigeschaut, die selbst einmal in Marokko in den Ferien waren und nun etwas Urlaubsstimmung aufkommen lassen wollten. Im Marrakesch soll sich jeder wohlfühlen, der Einheimische genauso wieder Zugereiste, ganz egal aus welchem Land er kommt.

Die marokkanische Küche ist auch eine Mischung aus vielen Einflüssen, Nomaden, Einwanderer und Eroberer haben ihre kulinarischen Spuren hinterlassen. Ebenso kommen in Marokko beliebte Gerichte auch in anderen Ländern auf den Tisch. Das Land ist bekannt für seine Couscous-Zubereitungen, die auch in Tunesien und Algerien beliebt sind. Umgekehrt können bei El Hamdaoui syrische, libanesische oder arabische Speisen bestellt werden.

Beim Blick auf die Speisekarte fällt eines auf, das wohl einmalig in der Stendaler Restaurantszene ist: Es gibt keinen Alkohol. „Das möchte ich auch nicht, wenn Alkohol getrunken wird, kommt es oftmals zum Streit, das muss nicht sein“, meint der Chef. Alternativ gibt es eine Reihe von Säften und alkoholfreien Cocktails. Die seien in Marokko sehr beliebt, entweder gemischt aus Säften oder aus Milch und Früchten. Natürlich kann auch der berühmte marokkanische Pfefferminztee geordert werden. Wer sich überraschen lassen will, bestellt den Marrakesch-Cocktail, dessen Zutaten nicht verraten werden.

Außengastronomie im Sommer

Bekannt hingegen ist, dass in die traditionelle Suppe Harira Linsen und Kichererbsen gehören. „Die Suppe kennt bestimmt jeder Marokko-Tourist“, ist er überzeugt. Genauso wie wohl auch die bekannte Tajine. Der Tajinetopf hat einen kegelförmigen Deckel, wurde ursprünglich von den Berbern aus Lehmerde hergestellt. Sie gibt es in unzähligen Variationen: Fleisch, Fisch und Gemüse, einige davon werden auch in der offenen Küche des Marrakesch vom syrischen Koch Geryos Rabih zubereitet. Und das mit Gewürzen, die in der deutschen Küche gänzlich unbekannt sind. Alle Sinne sollen in dem Restaurant angesprochen werden. Serviert wird von Lydia Lösche.

Für den Sommer überlegt El Hamadoui, auch draußen Plätze anzubieten und die Cocktailkarte zu erweitern – in vielen Geschmacksrichtungen, aber immer ohne Alkohol.