Stendal l Nachdem der Stendaler Stadtrat Anfang April mehrheitlich den Neubau einer Grundschule am Standort Haferbreiter Weg beschlossen hatte, sollte es so richtig losgehen. Denn das gesteckte Ziel ist ein ehrgeiziges: Zum Schuljahr 2019/20 soll das Gebäude bezugsfertig sein, um die aktuell angespannte Platz-Situation in einigen Grundschulen zu entspannen.

Die Planungen waren schon angelaufen, da meldete sich die Kommunalaufsicht des Landkreises Stendal und forderte die Stadt auf, die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens genau zu belegen und aufzuzeigen, dass der Neubau tatsächlich die wirtschaftlichere Variante ist. In der Diskussion waren unter anderem auch die Komplettsanierung der Petrikirchhof-Grundschule und der Ausbau der bisher nicht genutzten dritten Etage der Ganztagsgrundschule an der Goethestraße. Ob es trotz der Neubau-Entscheidung nun doch noch einmal zur Varianten-Diskussion kommt? Ganz ausgeschlossen sein dürfte dies nicht.

Schülerzahl wurde auf 150 reduziert

Die Stadt Stendal hat die gewünschten Unterlagen eingereicht – die Prüfung seitens der Kommunalaufsicht läuft noch, einet Entscheidung steht aus. „Der Prüfungsabschluss steht noch aus, weil noch Detailfragen geklärt werden müssen“, sagte Stadtsprecher Klaus Ortmann auf Nachfrage. Das heißt: Im Moment wird nicht am Vorhaben Grundschul-Neubau gearbeitet, die Planungen und andere Vorarbeiten ruhen.

Aus Sicht der Stadtverwaltung sei die Wirtschaftlichkeit des Schulneubaus untersetzt worden, sagte Klaus Ortmann. In den Daten, die eingereicht wurden, habe es unter anderem eine Aktualisierung der Schülerzahlen gegeben. Im Stadtratsbeschluss war von einer Maximalkapazität von 200 Schülern für den Neubau ausgegangen worden. Diese Zahl wurde nun auf 150 Schüler aktualisiert. Ein Grund für die überarbeitete Kalkulation sei, so Klaus Ortmann, dass zum Schuljahr 2017/18 die Schülerzahl „real niedriger“ war. Heißt: Es wurden weniger Mädchen und Jungen eingeschult als erwartet. Eingeschult wurden vor rund zwei Monaten knapp 390 Schüler. Ein Jahr zuvor waren es insgesamt 424 Kinder.

Eröffnung 2019 ist in Gefahr

Die Stadt werde bei den Planungen für den Grundschul-Neubau „selbstverständlich nach dem prognostizierten Bedarf“ planen, sagte der Stadtsprecher. Darum werde bei Bedarf nachjustiert, zum Beispiel bei der erforderlichen Gebäudegröße.

Mit der Zahl von 150 Schülern nähert sich die Grundschul-Neubau-Planung den Zahlen für die Petrikirchhof-Grundschule mit derzeit rund 130 Schülern an. Für das kommende Schuljahr ist in der voraussichtlichen Entwicklung sogar von einem weiteren Anstieg auf geschätzt 146 Schüler für diese Grundschule die Rede. Nach Volksstimme-Informationen könnte dies eine der zu klärenden Auflagen sein: Die, dass der Neubau in seiner Art ein Ersatzneubau für die Petrikirchhof-Grundschule wird und darüber hinaus nicht überdimensioniert geplant werden soll – was es unter dem Strich preiswerter machen würde. Auf solche konkreten Aspekte angesprochen, antwortete der Stadtsprecher nur allgemein: „Nach jüngster Rückäußerung der Kommunalaufsicht besteht zu einigen Aspekten noch ein weiterer Erläuterungs- beziehungsweise Klärungsbedarf.“

Eindeutiger ist aber die Antwort auf die Frage, ob jetzt schon eine Verzögerung im Ablauf zu erkennen ist, die den Eröffnungstermin zum Schuljahr 2019/20 in Gefahr bringt? Klaus Ortmann: „Ja.“ Denn der Bau soll nach der Ursprungsplanung Anfang kommenden Jahres beginnen. Da aber derzeit nicht geplant wird und auch keine Leistungen vergeben werden können, ist der ohnehin sehr ambitionierte Zeitplan vermutlich kaum zu halten.

Auch Architektenwettbewerb gestoppt

Nachdem sich der Stendaler Stadtrat für einen Neubau am Haferbreiter Weg – gebaut werden soll auf dem leeren Grundstück zwischen Sporthalle und Landesamt für Verbraucherschutz – entschieden hatte, folgte später ein Beschluss für einen Architektenwettbewerb. Auch dieser liegt derzeit wegen des laufenden Verfahrens der Kommunalaufsicht ebenfalls auf Eis. Erst nach „positiven Abschluss“ des Verfahrens könne an dem Wettbewerb weitergearbeitet werden, erklärte der Stadtsprecher.

Bei den Kosten für den Schulneubau hat die Stadt Stendal rund fünf Millionen Euro angesetzt. Die Verwaltung bemühe sich weiter um eine Förderung. „Ziel ist, die Maßnahme möglichst weitgehend mit Fördermitteln zu finanzieren“, erklärte der Stadtsprecher Klaus Ortmann. Bei einer Anpassung des Bauvorhabens an die neue Schülerzahl muss auch neu berechnet werden.