Jarchau l Das Dorfgemeinschaftshaus in Jarchau ist Dreh- und Angelpunkt in dem Stendaler Ortsteil. Schließt es, „bedeutet es das Aus für die Arbeit unserer Vereine und das gesellige Leben im Dorf“, sagt Ortsbürgermeister Heinz-Jürgen Twartz (CDU). In der Sitzung des Finanzausschusses machte sich der 69-Jährige Luft, denn der „Schock sitzt noch tief“.

Seit 2017 wird eine dringend notwendige Sanierung des noch zu DDR-Zeiten errichteten Gebäudes mit dem Saalanbau geplant. Diese sollte ursprünglich im Vorjahr erfolgen, per Ratsbeschluss waren 450.000 Euro im Haushalt für 2019 eingeplant gewesen. Gebunden sei das Bauvorhaben an die Bewilligung von Fördergeld, „das wir leider nicht bekommen haben“, sagt Twartz und kommt auf den „Schock“ zu sprechen.

Da gegen die Fördergeldablehnung im September 2019 gleich Widerspruch eingelegt wurde und eine Antwort vom Land noch aussteht, sei er davon ausgegangen, dass das Geld für die Sanierung im Haushalt 2020 übernommen wird. „Doch ohne mit uns zu sprechen, ist das Dorfgemeinschaftshaus Jarchau einfach auf null gesetzt worden und soll nun bis 2022 warten“, moniert der Ortsbürgermeister. Er kritisierte die Eigenmächtigkeit des städtischen Bauamtes, zumal dort ein Fehler gemacht worden sei, der die Chance, in den Genuss von Fördergeld aus dem Dorferneuerungsprogramm zu kommen, verhindert hätte.

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Sperrung angedroht

Es sei versäumt worden, so Twartz gegenüber der Volksstimme, im Fördergeldantrag darauf hinzuweisen, dass ein Leerstand droht, wenn das Dorfgemeinschaftshaus nicht saniert werde. Denn die Bauaufsichtsbehörde im Kreis habe den Brandschutz (fehlender zweiter Fluchtweg und Extra-Raum für die Heizungsanlage) sowie die Statik beanstandet und auf eine Sperrung hingewiesen, wenn die Mängel nicht ausgeräumt werden.

Durch das Versäumnis im Antrag habe das Jarchauer Projekt nur 23 von möglichen 27 Punkten bei der Bewertung bekommen und musste deshalb mit 40 punktgleichen Antragstellern auf einen Förderbescheid hoffen. „Für 30 reichte das Geld, wir waren Nummer 31“, sagt der Ortsbürgermeister. Er wies im Finanzausschuss darauf hin, dass sich der Ortschaftsrat die Streichung des Sanierungsprojekts im Etat 2020 nicht gefallen lassen will. „Wenn der Widerspruch zu unseren Gunsten ausfällt, was dann?“ Twartz antwortete selbst: „Dann gibt es kein Fördergeld, weil die Stadt gar kein Geld für uns eingeplant hat.“

Die von Twartz vorgetragenen Beschwerden und die Bitte an die Stadt, die 450.000 Euro für Jarchaus Dorfgemeinschaftshaus in den Haushaltsplan für 2020 aufzunehmen, zeigten schon 24 Stunden später Wirkung. Im Stadtentwicklungsausschuss tags darauf verkündete die Kämmerin Beate Pietrzak, dass nach Rücksprache mit Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU), dem das Anliegen der Jarchauer schriftlich zugegangen war, das Dorfgemeinschaftshaus Jarchau im 2020er Finanzplan aufgenommen sei. Gleichzeitig äußerte Bauamtsleiter Georg-Wilhelm Westrum, dass seitens des Amtes „keine Fehler“ gemacht wurden.

Jugendclub zieht mit ein

Ob richtig oder falsch, Heinz-Jürgen Twartz sei auf Streit nicht aus. Er selbst habe in Verwaltungen gearbeitet, nach der Wende im Kreis Guben, dann von 2002 bis 2008 als 2. Beigeordneter des Landrats in der Stendaler Kreisverwaltung. Er sei erleichtert, dass man im Rathaus zurückgerudert ist. „Froh bin ich erst, wenn die Bagger anrollen.“

Für den 480-Seelen-Ort sei der Erhalt wichtig. Im Haupthaus haben Sport- und Skatverein ihre Heimstätte, der Ortschaftsrat tagt dort. Im Saal treiben Kinder der Tagesstätte und Senioren regelmäßig Sport, dort proben die Line-Dancer. „Er wird auch gern für öffentliche und private Feiern genutzt“, sagt Heinz-Jürgen Twartz und weist noch darauf hin: „Wenn die Sanierung abgeschlossen ist, zieht der Jugendclub ins Dorfgemeinschaftshaus mit ein.“