Stendal l Als die neunjährige Alexandra im Schulunterricht ihre fünf Traumberufe nach Platzierung aufschreiben musste, stand auf Platz eins Schauspielerin. Seither ist sie diesen Weg gegangen, mit einem ganz kleinen Umweg. „Ich habe schon relativ früh in der Schule bei Projekten auf der Bühne gestanden“, erzählt die gebürtige Bonnerin, die in Dresden aufgewachsen ist und dort die Schule besucht hat.

Als Zehnjährige zum Beispiel schaffte sie es nach einem Casting in die Schulaufführung eines Neuseeland-Musicals, das ein aus Neuseeland stammender Lehrer eigens für die Schule geschrieben und komponiert hatte. Auch wenn die heute 28-Jährige schon sehr früh ihre Liebe und die Leidenschaft für die Bühne entdeckt hatte, ließ sie die Jugendtheater-Klubs in Dresden auf ihrem Weg aus. Ab der zehnten Klasse nahm sie aber am Theaterunterricht in der Schule teil.

Zwischenstopp in Wien

Nach dem Abitur ging es für ein Au-Pair-Jahr nach Spanien. „Ich wollte eine andere Sprache und eine andere Kultur kennen lernen“, erzählt Alexandra Sagurna. Auch wenn es eine tolle Erfahrung gewesen sei, für den Schauspielberuf wäre eine andere Sprache vielleicht besser gewesen, Französisch zum Beispiel. Zurück aus dem Süden, begann sie mit dem Vorsprechen an Schauspielschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Anfangs mit wenig Erfolg – und an dieser Stelle musste sie dann einen kleinen biografischen Umweg einschlagen. Vor allem wegen der Mutter, die ihre Tochter doch ganz gern in einer Ausbildung oder einem Studium sehen wollte.

Darum begann Alexandra Sagurna 2011 in Wien ein Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften. Dass sie die in Österreich übliche Prüfung für Erstsemester vor einem Weiterstudium nicht geschafft hat und damit das Studium beendet war, kam ihr sogar ganz recht. „Ich war ohnehin nie mit dem Herzen dabei“, sagt sie, das Studium sei viel zu theoretisch gewesen.

Während der Wiener Zeit hatte sie weiter vorgesprochen, und so kam dann genau zum richtigen Zeitpunkt die Zusage vom Schauspielhaus Salzburg. Dort gehörte sie zum Elevenprogramm. Heißt: Nach dem einjährigen Grundstudium bekam sie ihren Platz im Ensemble, stand in den Inszernierungen auf der Bühne, anfangs in Kinder- und Jugendstücken, dann mehr und mehr in den großen Werken. Ihre älteren Schauspielkollegen waren teilweise ihre Lehrer an der Schule. Nach dreieinhalb Jahren bestand sie im Dezember 2015 erfolgreich ihre Abschlussprüfung – und hatte wieder Glück. „Mir wurde gleich ein Vertrag angeboten.“ Sie blieb bis 2017 in Salzburg und wechselte dann ans Theater Altenburg, das mit Gera ein gemeinsames Haus bildet. Mit dem Ende der Spielzeit 2018/19 verabschiedete sie sich in Altenburg und zog nach Stendal – zu ihrem Lebensgefährten Matthias Hinz, den sie seit Salzburg kennt und der seit 2018 zum Schauspielensemble des TdA gehört.

Sicherheit in der Corona-Zeit

„Mich haben immer die verschiedenen Bereiche des Berufes gereizt. Ich hatte richtig Lust auf Synchronsprechen, auf Film und Fernsehen“, sagt Alexandra Sagurna. Darum habe sie sich vor gut einem Jahr für die Freiberuflichkeit entschieden, „denn wenn man in einem festen Ensemble ist, hat man dafür selten die Gelegenheit, weil man nicht so flexibel ist“. Auch wenn sie sagt: „Es war ein spannendes Jahr“, ist die 28-Jährige heute „wirklich froh, dass es mit dem TdA noch geklappt hat“ – vor allem wegen der Sicherheit einer Anstellung in Corona-Zeiten. Und dass sie mit ihrem Partner an einem Haus engagiert ist, „ist ein echter Glücksfall“.

Das TdA hat sie in den vergangenen Monaten schon kennen gelernt, auch viele der Kollegen. Darum ist es für die Schauspielerin ein beruflicher Neustart in einer bekannten Umgebung. Aktuell probt sie für das Liederprogramm „Ich war noch niemals in New York“, zudem wird sie in der szenischen Lesung „Die Känguru-Chroniken“ auf der Bühne stehen. Ins Klassenzimmerstück „Freie Wahl“ steigt sie für Alice Katharina Schmidt ein, die das TdA verlässt, und steht dann in Stendal erstmals gemeinsam mit Matthias Hinz auf der Bühne. Kein Problem in Corona-Zeiten, denn sie wohnen ja in einem Haushalt.