Stendal l Als freiberuflicher Schauspieler kommt man rum, lernt viele Theater kennen und noch mehr Kollegen – und kommt ganz selbstverständlich ins Gespräch. „Von sehr vielen habe ich gehört, dass sie schon am Theater der Altmark in Stendal gearbeitet haben, festangestellt oder als Gast“, erzählt Sebastian Hammer. Dass es gefühlt „jeden Kollegen schon einmal dorthin gezogen hat“, hat den 34-Jährigen nicht nur neugierig auf das Haus in Sachsen-Anhalts Landesnorden gemacht, sondern ihn zur Bewerbung angespornt.

Start an der Hamburger Musical-Schule

Nach Jahren der Freiberuflichkeit wollte er gern wieder in ein festes Ensemble einsteigen. „Ich mag das Gefühl, wenn man die Menschen über einen gewissen Zeitraum kennen lernen kann.“ Diese „Menschen“, das sind die Kollegen, „mit denen ein Team aufgebaut werden kann“, und sind die Zuschauer, von denen er gern als „Stammkundschaft“ spricht, wenn er an die Theater in kleineren Städten denkt.

An einem solchen wird er nun arbeiten. Seine erste persönliche Begegnung mit dem Theater der Altmark hatte er beim Vorsprechen im Januar. Mit drei vorbereiten Rollen war er angereist, eine davon hat für Sebastian Hammer eine ganz besondere Bedeutung: Er hat ihr als Autor das Leben geschenkt. Sein Solo­stück mit Musik „Für C.“ hatte 2017 Premiere in Saarbrücken. Den Stoff hat er während einer Auszeit gesammelt, während einer sechsmonatigen Rucksack-Tour durch die einsamen Weiten Kanadas. Dabei habe er viel nachgedacht, „an Seen und abends am Feuer geschrieben“. Nach der Rückkehr hat er mit der befreundeten Regisseurin Stephanie Rolser aus dem Material ein Stück gemacht.

Theater ist mehr als Schauspiel

Es gehe um die ungestellten Familienfragen, denen man nach dem Tod eines nahe Angehörigen auf den Grund gehen möchte, fasst Sebastian Hammer den Inhalt kurz zusammen. Bei der Produktion hat er, der sonst „nur“ auf der Bühne steht, „erst einmal gemerkt, was alles dahinter steckt. Im Theater nimmt man uns die Arbeit ja ab.“ Es musste ein Veranstaltungsort für die Uraufführung gefunden werden, Bühnenbild, Kostüme, Werbung waren zu organisieren – und hinzu kamen die Proben, denn Sebastian Hammer stand selbst im ersten eigenen Stück auf der Bühne.

Ist das eher leichter oder schwerer? Schwer sei schon der erste Schritt gewesen: den Text aus den Händen zu geben, damit auch andere damit arbeiten können, damit er später anderen Theatern zur Verfügung steht. Hinzu kam eine „doppelte Aufregung“. Denn in dem Fall hätte er sich bei Kritik am Text nicht damit entschuldigen können, dass er von einem anderen Autoren stammt und er ja „nur“ der Schauspieler sei.

Ein solcher zu werden, war schon sehr früh ein Wunsch des gebürtigen Heidelbergers, der in Mannheim aufgewachsen ist und dort bis heute seine familiären Wurzeln hat. Im Nationaltheater Mannheim sang er im Kinderchor, übernahm kleine Rollen in Opern-Inszenierungen. Bei Sängern des dortigen Ensembles nahm er als Kind und Jugendlicher Gesangsunterricht, im Schulchor und in der Theater-Arbeitsgemeinschaft sammelte er zusätzlich Erfahrungen.

Reise ins Musiktheater

Denn Sebastian Hammer hatte sich schon früh entschieden, wohin seine berufliche Reise gehen soll – ins Musiktheater. „Mein Herz hat dafür gebrannt.“ Seiner Familie, vor allem den Eltern war schnell klar, „dass man ihn machen lassen muss“.

Als 18-Jähriger ging er von Mannhein nach Hamburg, absolvierte von 2003 bis 2006 an der Stage School eine Ausbildung mit dem Schwerpunkt Schauspiel und Gesang. Es folgten Engagements an verschiedenen Theatern, vor allem in musikalischen Stücken, zudem ging er als festes Show-Ensemblemitglied auf Kreuzfahrtschiffen auf große Fahrt.

Zurück zum Jugendtheater

Schon während der Ausbildung, vor allem aber in den Jahren danach, setzte sich ein Gedanke mehr und mehr fest: „Ich muss mehr Theater spielen.“ Darum richtete er seinen Berufsweg auf Schauspiel aus, „vor allem das Kinder- und Jugendtheater hat mir sehr viel Freude gemacht“. Es war ein Schwerpunkt während seines Festengagements von 2012 bis 2015 am „überzwerg – Theater am Kästnerplatz“ in Saarbrücken. Dort hat er viel mit den Theaterjugendklubs gearbeitet. „Es hat sehr viel Spaß gemacht, mit ihnen Stücke zu erarbeiten.“ Von Saarbrücken aus ging es wieder nach Mannheim, zurück auch in die Freiberuflichkeit. „Seither habe ich nur Sprechtheater gemacht.“ Zudem übernahm er für den Saarländischen Rundfunk Sprecher-Aufträge.

In Stendal wird der 34-Jährige aber auch singend zu erleben sein. Denn er gehört zur Besetzung des Programmes „Ich war noch niemals in New York“, in dem ab Oktober Lieder vom Gehen und Bleiben zu hören sein werden. Ins Jugendtheater kehrt er mit dem Klassenzimmerstück „Der Junge mit dem längsten Schatten“ zurück, ab Januar gehört er zum „Blues Brothers“-Ensemble.