Stendal l Um gewerbsmäßiges Handeln mit Schmuggel-Zigaretten im großen Stil geht es seit vergangener Woche in einem Prozess vor dem Stendaler Amtsgericht. Ein in der Altmark lebender 36-jähriger Kroate ist angeklagt, insgesamt 595.600 unverzollte Zigaretten verschiedener Marken erworben beziehungsweise damit gehandelt zu haben. Dem Fiskus soll dadurch laut Anklage der Staatsanwaltschaft Stendal, die auf den Ermittlungen des Hauptzollamtes Braunschweig basiert, ein Schaden von 98.443,37 Euro entstanden sein. Damit habe er seinen Lebensunterhalt finanziert.

Die Zigaretten sollen demnach von Kurieren in Fahrzeugen mit polnischen Kennzeichen angeliefert und in der Garage des Angeklagten gelagert worden sein. In den Zigarettenhandel sollen weitere, gesondert verfolgte Täter verwickelt sein. Übergeben haben soll der Angeklagte die Zigaretten an Abnehmer unter anderem in Magdeburg, Barleben und Salzwedel.

105.600 Zigaretten

Offenbar hatten die Zollfahnder den Angeklagten schon länger im Visier. Am 5. September vorigen Jahres schnappte die Falle zu. Bei einer Razzia stellten die Ermittler 105.600 Zigaretten in der Garage des Angeklagten sicher, dazu 12.705 Euro Bargeld und eine kleine Menge Kokain. Außerdem beschlagnahmten die Zollfahnder unter anderem Datenträger und Handy-SIM-Karten.

Am Tag der Garagendurchsuchung wurde der Angeklagte festgenommen. Seit dem 5. September befindet er sich nach Erlass des Haftbefehls in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Burg.

Prozessauftakt mit Verzögerungen

Der Prozessauftakt stand unter keinem guten Stern. Ein Schöffe hatte sich am Vortag krankgemeldet. Dafür sprang eine sogenannte Hilfsschöffin ein.

Überraschend fehlte dann auch noch die zweite Schöffin zum Prozessbeginn, allerdings unentschuldigt. Bis die zweite Hilfsschöffin eintraf, verging geraume Zeit. Doch dann konnte der Prozess, der unter ungewöhnlich hohen Sicherheitsvorkehrungen stattfand, noch immer nicht beginnen.

Der Verteidiger monierte die ihm nicht bekannt gewesene Neubesetzung des Gerichts und forderte diesbezüglich eine Besprechung mit dem Angeklagten. Erst danach konnte der Prozess endlich beginnen und der Staatsanwalt die Anklage verlesen.

Zollbeamte als Zeugen

Doch bevor der erste von acht vom Gericht als Zeugen geladenen Zollbeamten aussagen konnte, stellte der Verteidiger weitere Anträge, einen möglichen Mittäter und die Vollständigkeit der Gerichtsakte betreffend.

Die Bescheidung der Anträge stellte Richterin Petra Ludwig, Vorsitzende des Schöffengerichts, zunächst zurück, damit die aus Niedersachsen angereisten Zöllner nicht noch länger warten mussten.

Nach vier Prozesstagen wird im März das Urteil gegen den Angeklagten erwartet.