Stendal l Sie haben Geschichte geschrieben, sogar eine besondere. „Und wir hoffen, wir sind der erste und letzte Jahrgang, der in der Corona-Krise seinen Schulabschluss meistern muss“, sagt Sisse Tamo. Zustimmung bekommt die Zehntklässlerin aus den Zuschauerreihen im Musikforum der Katharinenkirche, wo die Komarow-Sekundarschule Stendal ihre feierliche Zeugnisübergabe ausrichten konnte.

Würdiger Rahmen

Die Kulturkirche bot den würdigen Rahmen in einer Zeit, in der nichts ist wie sonst. Corona hat vieles verändert und tut es noch. So wie die Organisation der Heimarbeit während der fast sechswöchigen Schulschließung musste auch die Entlassungsfeier den besonderen und mitnichten schwierigen Bedingungen angepasst werden. Die Teilnehmerzahl war wegen der Hygienevorschriften und Abstandsregeln begrenzt, Wege waren vorgeschrieben, die Daten der Gäste wurden auf Listen erfasst. Maskenpflicht galt beim Ein- und Auslass. Alles war bestens durchorganisiert. Zwar wurde auf herzliche Umarmungen verzichtet, doch festlich und herzerfrischend waren die Feierstunden der beiden 10. Klassen allemal.

Corona hat einmal mehr unterstrichen, „dass mit Kreativität und Flexibilität jede Herausforderung zu meistern ist“, betont Komarow-Schulleiter Roland Herms gegenüber der Volksstimme. Er und seine Kollegen hätten sich große Mühe gegeben, die Zehntklässler pünktlich zum Abschluss zu führen. Bei einem Ausländeranteil von rund 60 Prozent an der Schule und dem Umstand, dass die meisten Eltern aus finanzieller Hinsicht nicht in der Lage sind, Technik für das Lernen im Internet vorzuhalten, mussten auch die Lehrer neue Wege finden. „Es ist dem Kollegium gelungen“, sagt Herms und lobt ebenso das Engagement der Schüler.

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Zukunft vorgezeichnet

„Sie haben uns positiv überrascht. In der Prüfungszeit haben sie noch einmal richtig Gas gegeben“, ergänzt Christiane Bloch, Klassenlehrerin der 10a. Auch hätten die Eltern mit an einem Strang gezogen, sodass sich das Ergebnis des Corona-Jahrgangs sehen lassen kann. Von den 26 Zehntklässlern haben 14 den erweiterten Realschulabschluss geschafft. „Was mich besonders glücklich macht: Sie gehen alle weiter ihren Weg, ob in der Lehrausbildung oder in einer weiterführenden Schule“, sagt die Klassenleiterin.

So will Noel nach einem Jahr Berufsschule zum Zoll, Sisse das Abitur ablegen und dann Sozialversicherungs- fachangestellte werden. Moussa träumt von einer Karriere als Profifußballer und erwägt als Plan B, Bauingenieur zu werden. Die Zukunftspläne von Anastasia hat, wie sie sagt, Corona beeinflusst. Sie möchte nach dem Fachabitur studieren und später einmal in einem Labor arbeiten.

50 Prozent erreichen 2,0 und besser

Ebenso vorgezeichnet ist auch schon von den meisten Absolventen des Stendaler Winckelmann-Gymnasiums der weitere Weg. Beispielsweise will Maximilian Informatik studieren, während sich Anna auf ihr duales Studium für Öffentliche Verwaltung an der Hochschule Harz in Halberstadt freut. Für ein Studium der Humanbiologie will sich Anna bewerben. „Wenn ich mein Zeugnis in der Hand habe, geht‘s sofort los“, sagte sie.

Wenig später hält die Zwölft-klässlerin ihr Reifezeugnis in der Hand. Die Feierstunde für den Abi-Jahrgang 2020 fand in der Aula des Gymnasiums statt. Schulleiterin Anke Bollmann ermutigte die Absolventen, sich auch künftig von Steinen auf dem Weg – seien es Kieselsteine oder Felsbrocken - nicht aufhalten zu lassen. Als erfolgreich bewertete sie, dass von den 37 Abiturienten 18 einen Durchschnitt von 2,0 und besser erreichten. Besonders geehrt wurden die Besten: Cheyenne Radloff (1,0), Leonie Ladewig (1,2), Tizian Breitkreutz (1,3), Anna Zimdahl (1,4) und Anna Marie Noeske (1,5).