Stendal l Auch wenn der Klietzer Gemeinderat im vergangenen Jahr die Verwaltungsvereinbarung mit dem Landkreis Stendal für das Klietzer Schullandheim einseitig gekündigt hatte, heißt das eines nicht: Dass die Kommune künftig auf finanzielle Unterstützung vom Kreis verzichten will. Sie wünscht sich nur eine andere, eine institutionelle Förderung, also einen jährlichen Festbetrag oder einen Personalzuschuss. Darum bekräftigte der Klietzer Schullandheim-Leiter Stefan Kertz in der vorigen Woche im Schul-, Sport- und Kulturausschuss des Kreises, dass die Gemeinde Klietz als Träger weiter an einer Verwaltungsvereinbarung interessiert sei.

Verwaltung bereitet Varianten-Papier vor

Dass es ohne die auch gar nicht geht, machte die Ausschussvorsitzende Edith Braun (Pro Altmark) während der Debatte klar: „So lange es keine Verwaltungsvereinbarung gibt, kann der Kreis nicht aktiv werden.“ Auch wenn es während der Sitzung nur um die Situation in Klietz ging, will das Schulverwaltungsamt nun eine Vorlage für den Kreistag erarbeiten, in der verschiedene Varianten vorgeschlagen werden, und die dann für beide Schullandheime angewandt werden soll. Das Schullandheim in Buch wird vom Naturschutzbund Deutschland betrieben, das in Klietz als letztes in Sachsen-Anhalt in kommunaler Trägerschaft. Bis vor einigen Jahren hatte es ein drittes in Bismark gegeben.

Die Verwaltung will die Beschlussvorlage während der März-Sitzung dem Fachausschuss vorlegen. „Letztendlich ist es eine rein politische Entscheidung, wie der Landkreis die Schullandheime unterstützen will“, sagte Ulrike Bergmann, Leiterin des Kultur- und Schulverwaltungsamtes.

Das Thema hatten Ende vergangenen Jahres drei Fraktionen zum Inhalt von Anträgen gemacht. Die Fraktionen von SPD und Linke sprechen sich in ihrem gemeinsamen Antrag dafür aus, dass die für jedes Schullandheim im Haushalt fest eingeplanten 5000 Euro wegen der besseren Planbarkeit und einer Reduzierung des Verwaltungsaufwandes jährlich pauschal überwiesen werden. Die schon jetzt bei mehrtägigen Aufenthalten gezahlten sieben Euro pro Tag für Kinder, die ihren Wohnsitz im Landkreis Stendal haben, sollten beibehalten werden.

Die AfD-Fraktion spricht sich in ihrem Antrag eher allgemein dafür aus, die finanzielle Unterstützung für das Schullandheim Klietz langfristig zu sichern und „einfachere Zuweisungsmöglichkeiten“ zu prüfen.

Die Gemeinde Klietz hatte die Verwaltungsvereinbarung gekündigt, um damit die Notbremse zu ziehen. Denn der kreisliche Zuschuss hatte sich seit 2012, als die Vereinbarung abgeschlossen worden war, nicht verändert, die Gemeinde hatte aber die Preise im Heim erhöhen müssen. In den vergangenen 20 Jahren sei es nur in einem Jahr gelungen, „über das Jahr kein Minus zu erwirtschaften“, berichtete Stefan Kertz im Schulausschuss. Heißt: In 19 Jahren musste die Gemeinde Klietz das Defizit übernehmen. „Die Gemeinde kann das Schullandheim auf Dauer nicht wie bisher betreiben“, machte der Leiter der Einrichtung die Dramatik der Situation deutlich. Denn die Fehlbeträge würden weiter wachsen. Darum hatte der Gemeinderat 2019 eine neue Gebührensatzung beschlossen, seit 1. Januar dieses Jahres beträgt der reguläre Tagessatz für Kinder/Schüler bis 14 Jahren 23,80 Euro.

Schulschließungen und größere Klassen

Dass auch das Schullandheim Klietz seit Jahren mit rückläufigen Besucherzahlen zu kämpfen hat, hänge zum Beispiel mit der Schließung von Schulen im Landkreis Stendal in den vergangenen Jahren zusammen, erklärte Stefan Kertz. Damit seien nicht nur verlässliche Partner und regelmäßige Nutzer weggefallen, auf der anderen Seite wurden an den bestehenden Standorten die Klassen größer. In der Praxis bedeute das bei den 50 Betten, dass bei größeren Klassen meist kein Platz mehr für eine zweite Klasse sei. Zudem möchte er den Klassen separate Bereiche auf den vier Etagen zugestehen und nicht die Besuchergruppen im Haus mischen, sagte der Schulheim-Leiter.