Stendal l „Getarnt“ hinter dem Tagesordnungspunkt „Bericht der Verwaltung“ gab es am Dienstag in der Sitzung des Kultur-, Schul- und Sportausschusses einen Bericht zum Schulneubau im Haferbreiter Weg. Noch ist da freilich nichts Konkretes zu sehen, aber seit Juni 2019 wird der Planungsprozess von der Sachsen-Anhaltinischen Landesentwicklungsgesellschaft mbH (Saleg) begleitet. Die ist zumindest für die zweite von insgesamt fünf Planungsstufen zuständig, konkret die Kosten-, Termin- und Qualitätssteuerung. Marco Krüger von der Saleg: „Wir befinden uns derzeit am Übergang von der Vor- zur Entwurfsplanung.“

Technische Ausstattung

Fest steht demnach, dass die Schule einen „mittleren technischen Ausstattungsstandard“ bekommt, wie Georg-Wilhelm Westrum, Amtsleiter für Stadtumbau und Sanierung, informierte. Außerdem soll es eine gemeinsame Heizungsanlage mit der benachbarten Sporthalle geben. Vorgesehen ist zudem die Installation von Sonnenkollektoren auf der Dachfläche. Und man möchte über den Digitalpakt Schulen eine Förderung für die IT-Ausstattung beantragen.

Grundstückskollision

Derweil hat sich ein bis dahin ungeahntes Nachbarschaftsproblem aufgetan, wie Westrum schilderte: „Das Landesamt für Verbraucherschutz hat genau an der Grundstücksgrenze eine Ausfahrt, die es für Lkw und Traktoren benötigt, sich aber auf dem städtischen Grundstück befindet. Das war für uns neu und hat keine rechtliche Grundlage.“

Dem LAV sei es aus Sicherheitsgründen nicht möglich, diese Ausfahrt zu verlegen. Hingegen sei es möglich, den dort entlangführenden Plattenweg leicht wegzuschwenken. „Das LAV wird sich an den Kosten dafür beteiligen müssen“, sagte Westrum. Das Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt als Eigentümer habe hier seine „Bereitschaft signalisiert“.

Vom Ausschussvorsitzenden Rico Goroncy (Die Linke) nach dem Verkehrsaufkommen gefragt, gab Westrum zur Antwort, dass es sich um „vielleicht einen Lkw pro Tag“ handele, „wenn überhaupt“. Zudem werde eine „entsprechende Einfriedung“ zum Amtsnachbarn hin vorgenommen.

Baukosten

Die zunächst nach gängigen Kostenkennwerten avisierten 5,3 Millionen Euro wurden durch einen sogenannten Regionalfaktor (Krüger: „Sachsen-Anhalt hat nicht die Preise von München“) auf 3,8 Millionen Euro heruntergestuft, um sodann durch einkalkulierte Kostensteigerung auf 4,2 Millionen berechnet zu werden. Aber auch damit ist es wohl noch nicht getan, denn, so Krüger: „Man braucht kein Prophet zu sein, da wird es noch eine Kostensteigerung geben.“

Zumal in der Ursprungsplanung von 2400 Quadratmetern ausgegangen worden war, letztlich jedoch ein „architektonisch und qualitativ überzeugender Entwurf mit 2850 Quadratmetern ausgewählt“ wurde. Und: „Der Regionalfaktor wird nicht zu halten sein angesichts der Baukonjunktur und Auftragslage.“ Man müsse zudem „zusehen, dass man zügig durch den Bauprozess durchkommt“, da der Baupreisindex eine Kostensteigerung um rund 5 Prozent pro Jahr vorhersagt.

Dieses Hinundhergerechne sorgte im Ausschuss für vernehmbare Reaktionen von leisem Kopfschütteln bis hin zu Unmutsraunen.

„Eine Kostensteigerung ist nicht gänzlich auszuschließen, aber wir bemühen uns, sie zu reduzieren, im Moment ist das alles in der Prüfung und wir wollen ja mit verlässlichen und realitätsbezogenen Zahlen operieren“, beantwortete Westrum die Frage von Stadtrat Jürgen Teubner (AfD), was denn die Stadt tue, um die Kostenrechnung „im Auge zu behalten“.

Zeitplan

Bis Ende 2019 sollen Bauantrag und Fördermittelantrag eingereicht werden. Mitte 2020 sollen erste Auftragserteilungen an Baufirmen erfolgen, so dass ab Mitte 2020 losgelegt werden könnte. „Ende 2021 wäre der Bau dann fertig“, so die planerische Vision laut Krüger, der noch hinterherschob: „Eine Verschiebung der Bauzeit kostet am Ende wieder Geld.“

Schuleinzugsbereich

Einen weiteren Aspekt, den der Schulneubau mit sich bringt, sprach Torsten Mehlkopf, Amtsleiter für Jugend, Sport und Soziales, an. „Weil hier eine Schule aus der Innenstadt verlegt wird, müssen wir die Schuleinzugsbereiche neu gestalten.“ Der vorherige Stadtrat habe sich damit in einer eigenen Arbeitsgruppe bereits beschäftigt, die es nun gelte wieder einzurichten. Das sollte „möglichst umgehend“ geschehen, denn „die Zeit drängt“.