Stendal l Mit Folien und Grafiken präsentiert Denis Gruber (SPD) anschaulich, wie es um die Schulentwicklung im Landkreis Stendal bestellt ist. Dabei schönt der erste Beigeordnete der Landkreisverwaltung nichts, wie er gegenüber den Mitgliedern des Kreisschulausschusses betont.

Gruber habe anhand des Entwurfs für die landesweite Schulentwicklungsplanung ab 2022, die in der kommenden Woche im Kabinett in Magdeburg erstmals diskutiert werden soll, die Zukunftsaussichten der staatlichen Schulen im Landkreis Stendal heruntergebrochen. Dabei gab er neben der mittelfristigen Entwicklung auch einen Ausblick zur langfristigen Entwicklung ab 2027.

Kritik vom Lokalpolitikern

Und wieder einmal zeige sich, dass „die Planung nicht für den ländlichen Raum zugeschnitten ist“, so die Ausschussvorsitzende Edith Braun (Pro Altmark). Probleme, die Mindestschülerzahlen zu erreichen, gebe es in allen Bereichen, was zur Folge hätte, dass erneut Schulstandorte im Landkreis zusammengelegt oder aufgegeben werden müssten.

Die Schulentwicklungsplanung 2014 hatte zur Folge, dass im Landkreis Stendal sechs Grundschulen geschlossen werden mussten. „Und nur mit Kampf und großen Überredungskünsten ist es gelungen, zum Beispiel Flessau und Klietz vor dem Aus zu retten“, erinnert Edith Braun.

Die Aussichten werden jedoch nicht besser. Im Grundschulbereich wird die Situation laut Gruber bereits ab dem Schuljahr 2022/23 für Iden und erneut für Klietz akut, ab 2027/28 könnten die Grundschulen Groß Garz, Sandau und Grieben hinzukommen. Vom Land sei vorgesehen, dass bei Grundschulen die Mindestschülerzahl 60 beträgt, sie einzügig geführt wird und mindestens 15 Abc-Schützen eingeschult werden müssen.

Hinzu kommt aber, so Gruber weiter, dass Grundschulen Verbünde bilden können. In diesem Fall müssen am Hauptstandort 80 Grundschüler lernen, am Teilstandort 40. Die Stärke der Anfangsklassen sei mit 20 Schülern am Hauptstandort und mit 10 Schülern am Teilstandort festgelegt. Dem Grundschulverbund vorausgesetzt sei ein Beschluss der betroffenen Gemeinden. Die des Teilstandortes müsse vorher zustimmen, dass sie ihre selbstständige Schule aufgibt.

Vorteil für Sekundarschulen

Für die elf staatlichen Sekundarschulen im Landkreis, davon drei in Stendal, sollte es mittelfristig keine Probleme geben, sagt Gruber. Die Schulen sind mindestens zweizügig mit 240 Schülern und Anfangsklassen von 40 Schülern zu führen. Was für den Landkreis Stendal jedoch von Vorteil sei: Es können die Mindestzahlen, bis auf die Zügigkeit, auf Antrag des Schulträgers, in dem Fall die Kreisverwaltung, herunter korrigiert werden: auf mindestens 180 Schüler und 30 neu aufzunehmende Fünftklässler.

„Langfristig, also ab dem Schuljahr 2027/28, bekommen aber die Sekundarschulen in Goldbeck und Bismark Probleme“, sagt Gruber. Für Jürgen Emanuel (Linke) war diese Nachricht ein Schock. „Wir investieren gerade in Goldbeck viel Geld in unsere Schullandschaft. Wie wollen wir dem Bürger vermitteln, dass in gut sieben Jahren die Schule auf der Kippe steht?“ In Goldbeck wird gegenwärtig für 1,9 Millionen Euro eine neue Grundschule gebaut, auf dem Komplex der Sekundarschule mit Turnhalle.

Große Aufregung, so schien es, erzeugten die Informationen zur Aussicht für die beiden Gemeinschaftsschulen an den Standorten in Tangerhütte und Seehausen. Für diese Schulform habe das Land die Messlatte so hoch geschraubt, dass sie bereits ab 2022 als solche nicht weiter geführt werden könnten, sagt Gruber.

Messlatte hoch geschraubt

Für Gemeinschaftsschulen werde eine Mindestschülerzahl von 300 in der Sekundarstufe I (5. bis 10. Klasse) verlangt. Die Anfangsklassenstärke sei auf 50 Schüler und die Zügigkeit auf zwei festgelegt. „Ausnahmen von der Mindestgröße sind nicht zulässig“, zitiert Gruber aus dem Entwurf des Landes. Eine Alternative wäre: Wenn die Gemeinschaftsschule die Zahlen unterschreitet, kann sie in eine Sekundarschule umgewandelt werden.

Zu hoch, wie die Ausschussmitglieder kritisierten, seien auch die Vorgaben für die Sekundarstufe II (Oberstufe) an Gemeinschaftsschulen. Hier beträgt die Mindestschülerzahl 75, in Ausnahmen 50. Wird die Vorgabe nicht erreicht, muss der Jahrgang an einer „kooperierenden Schule“ unterrichtet werden.

Solch eine Aussicht brachte die Ausschussvorsitzende Edith Braun regelrecht auf die Palme. „Das Konzept der Gemeinschaftsschulen in Seehausen und Tangerhütte hat sich bewährt“, sagt sie. Dort würden die Schüler „wunderbare Ergebnisse und Abschlüsse“ erreichen. Sie versicherte, „schon bei der Anhörung dafür zu kämpfen, dass Seehausen und Tangerhütte bleiben“. Es könne nicht angehen, dass sich alle fünf bis sechs Jahre Konzepte ändern. Edith Braun: „Es muss endlich Ruhe in die Schullandschaft kommen.“

Diese Ruhe und Kontinuität in der Bildungsarbeit täte auch den Gymnasien und Förderschulen gut. Wie Gruber informierte, sei es laut Landesvorgaben zukünftig schwer, alle Standorte zu halten. Bei den Gymnasium bekämen Osterburg und das Hildebrandt-Gymnasium in Stendal Probleme. Hier sei die Mindestgröße mit 450 Schülern festgelegt und eine Ausnahme mit 300 Schülern erlaubt.