Stendal l Die Unterrichtsversorgung im Landkreis Stendal ist „gut“, sagt Jürgen Krampe. Der Mitarbeiter im Landesschulamt ist der Einladung des Kreisschulausschusses gefolgt und hat in einer anschaulichen Präsentation die neueste Statistik vorgestellt.

Vom Ziel deutlich entfernt

Alle Zahlen und Fakten beziehen sich auf den Stichtag 25. September dieses Jahres. Demnach liegt die Absicherung aller Unterrichtsstunden für die insgesamt 45 Schulen im Landkreis Stendal bei 98,34 Prozent und „ist somit um zwei Prozent besser als landesweit“, sagt Jürgen Krampe. Der Durchschnitt in Sachsen-Anhalt ist mit 96,23 Prozent beziffert. Dennoch, so Krampe weiter, „sind wir vom politisch gewollten Ziel – 103 Prozent – immer noch deutlich und sehr weit entfernt“.

Die Zahlen unter die Lupe genommen, zeigen, dass die volle Unterrichtsversorgung mangels Lehrer nicht gewährleistet werden kann. Ein Problem sind die Langzeiterkrankten, die sechs Wochen und länger fehlen, und die Lehrer, die im Mutterschutz oder im Erziehungsschutz sind. „Für Krankheit kann niemand etwas. Und auch gegen Nachwuchs lässt sich nichts sagen, wir brauchen Kinder.“

Laut Krampe würden jedoch so landesweit 900 Lehrer und im Landkreis Stendal 52 Pädagogen für die Unterrichtsversorgung ausfallen. „Das Verrückte, aber gesetzlich vorgeschrieben, ist, diese Stellen dürfen nicht besetzt werden.“ Und diese Ausfälle sind in der Statistik nicht erfasst, „wir mogeln sie auch nicht rein“, versichert Krampe.

Genügend Geld vorhanden

Ein zweites und das entscheidende Problem sei, „dass nicht genügend geeignete Lehrer gefunden werden“. Finanziell stellt das Land ausreichend Geld zur Verfügung, damit das sogenannte Arbeitsvolumen von 103 Prozent Unterrichtsversorgung erreicht werden kann.

Von den insgesamt 18.200 Vollzeit-Lehrerstellen im Land für die Allgemeinbildenden Schulen, Berufsschulen und Pädagogische Mitarbeiter sind laut Krampe derzeit 1.100 Stellen nicht besetzt. Plus der 900 Lehrer, die durch Mutterschutz, Elternzeit und Lang-zeiterkrankung fehlen, „wird die Misere der Unterversorgung eben sehr deutlich“.

Zwar hat genau dort die Ausschreibung für Neueinstellungen angesetzt, davon sind 27 auf den Landkreis gefallen, doch kann in der Regel die Lücke nicht sofort geschlossen werden. „Das Kommen und Gehen im Schuljahresverlauf wird anhalten“, macht Krampe anhand der Altersstruktur der Lehrerschaft deutlich.

Gemeint sind Pädagogen, die mit 63 Jahren ihre Berufslaufbahn beenden und das erst ein halbes Jahr vorher anzeigen müssen. Die Zahl derer steigt. Sie durch Neueinstellungen zu ersetzen, „wird uns in den nächsten zehn Jahren sehr beschäftigen“.

Statistik zusammengefasst

Die Unterrichtsversorgung im Landkreis Stendal zum Stichtag 25. September 2019 zusammengefasst: Die Versorgung in den Grundschulen (23 an der Zahl) beträgt 101,69 Prozent, sie liegt in Sekundarschulen (8) bei 94,77 Prozent, in Gemeinschaftsschulen (2) bei 96,76 Prozent, in Gymnasien (4) bei 98,03 Prozent, in Förderschulen (7) bei 101,09 Prozent und im Berufsschulzentrum (1) bei 95,57 Prozent. Damit erreicht der Landkreis Stendal einen Durchschnitt von 98,34 Prozent, der landesweite Durchschnitt liegt bei 96,23 Prozent.

Zum Stichtag haben im Landkreis Stendal 917 Lehrer gearbeitet. Ausfälle von Lehrern durch Mutterschutz/Elternzeit sowie Landzeiterkrankung/Kur wurden 52 registriert.

Bei der letzten Ausschreibung für Lehrer ist der Landkreis Stendal mit 27 Stellen dabei gewesen. Davon sind 13 Stellen für den Sekundarschulbereich, fünf für Gymnasien, drei für Gemeinschaftsschulen, je zwei für Grund, Berufs- und Förderschulen vorgesehen.