Stendal l „Schwangerschaft und Geburt im Jahr 2016“ hieß der Vortrag an der Hochschule Magdeburg-Stendal, der im Rahmen der dort angebotenen Ringvorlesung zum Thema „Zur gesundheitlichen und sozialen Lage von Kindern in Deutschland“ von Dr. Andreas Neumann vom Stendaler Johanniter-Klinikum gehalten wurde. Im Vortrag wurde beleuchtet, was sich über die Jahre bei der Schwangerschaft alles verändert hat. Genau hier liegt ein Aufklärungsbedarf, da es auch ein Thema ist, mit dem sich viele Frauen auseinandersetzen.

„Es geht vor allem darum, was und wie es sich auf die gesunde Entwicklung des Kindes auswirkt. Zum Beispiel, welche Rolle die soziale Lage der Mutter dabei spielt“, erläutert Susanne Borkowski, Lehrbeauftragte der Hochschule Stendal und Mitorganisatorin der Ringvorlesung. Thematisiert werden auch Kaiserschnittgeburten, natürliche Geburten oder wie die Einteilung von Risiko-Schwangeren erfolgt.

Warnung vor Risikofaktoren

„Schwangere müssen unbedingt für einen gesunden Lebensstil sensibilisiert werden. So ein Baby ist für den Körper wie eine Transplantation. Der reagiert auch so darauf und fährt das Immunsystem herunter. Nikotin ist dann kreuzgefährlich und kann zu Frühgeburten führen.“ Lieber eine gesunde Ernährung und leichter Sport statt Zigaretten und Alkohol.

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Der Vortrag mischte altbekannte Informationen, wie Rauchen oder rohes Fleisch zu vermeiden, mit neuen Erkenntnissen. Beispielsweise liefert der Nicht-Invasive-Pränataltest eine Diagnose, ob das Kind Trisomie 21 haben wird. Dafür werden Chromosen aus der DNA des Babys, welches im Blut der Mutter zu finden ist, untersucht. So können viel genauere Informationen geliefert werden als mit herkömmlichen Methoden. Eine Test kostet jedoch ab 600 Euro und wird nicht von der Kasse übernommen. Ob er unbedingt notwendig ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Denn das Risiko, ein behindertes Kind zu bekommen, ist von vielen Faktoren abhängig – und auch wenn ein Risiko da ist, kann das Kind ganz gesund zur Welt kommen.

Ein immer größeres Risiko stellt aber die Schwangerschaftsdiabetis dar. „Daran ist oft der Lebenstil mitbeteiligt. Wer viel sitzt und sich schlecht ernährt, muss da aufpassen“, warnt der Experte. Eine frühe Diagnose ist wichtig, damit mit Insulinspritzen dagegengesteuert werden kann. „Sonst gewöhnt sich das Kind an die hohe Zuckerzufuhr. Wird diese mit der Nabelschnur gekappt, produziert es zu viel Insulin und der Blutzucker fällt dramatisch ab.“ Man merkt: Die Medizin macht Fortschritte – und auch Schwangere und deren Babys können heutzutage ganz anders behandelt werden.

Angehender Opa informiert sich

„Mein Sohn wird um Weihnachten herum Vater“, berichtet Erik Haack stolz. Er ist eigentlich Büromaschinenmechaniker und aus dem typischen Studentenalter heraus. Die Neugier hat ihn zwischen die rund 70 Studenten getrieben. „Mein Sohn ist ständig in Kursen und auf Terminen rund ums Baby. Das gab es früher nicht. Ich wollte mich hier auf den neuesten Stand bringen.“

Haack ist ein gern gesehener Gast. Denn neben Studierenden aus der Rehabilitationspsychologie oder Angewandte Kindheitswissenschaften sind auch Nicht-Studenten gern gesehen. Je nach Interessensgebiet, sei es privat oder beruflich, können diese ohne Voranmeldung einfach zu den Veranstaltungen erscheinen.

Noch neun Termine im Zeitraum vom 29. November bis 7. Februar werden von Lehrenden der Hochschule wie auch externen Rednern angeboten.

„Ziel ist es, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, was Kindheit ausmacht, was Kinder beeinflusst und was ein gesundes Heranwachsen gewährleistet – angefangen von der Geburt“, sagt Susanne Bokorwski.