Gericht

Schwarzfahrer muss ins Gefängnis

Von Wolfgang Biermann

Stendal l Es bleibt dabei: Ein 47-jähriger Bismarker muss wegen siebenfachen Bahnfahrens ohne Ticket - Erschleichen von Leistungen, wie es im Gesetz heißt - für sieben Monate ins Gefängnis.

Weil er bei dem von ihm selbst angestrebten Berufungsprozess gegen ein am 18. März am Amtsgericht gefälltes Urteil fernblieb, verwarf das Landgericht am Donnerstag der Vorwoche sein Rechtsmittel. Richter Gundolf Rüge erklärte, dass er am Mittwoch vom Angeklagten aus Hannover angerufen worden sei. Grund: Er hätte kein Geld für eine Fahrkarte nach Stendal. Er habe ihm geraten, sich ein kostenloses Ticket beim Amtsgericht Hannover zu holen. Außerdem solle er sich an seinen Verteidiger wenden. Er könne sich nicht an dessen Namen erinnern, lautete die Antwort. Den bekam er von Richter Rüge genannt.

Neue Ermittlungen gegen 47-jährigen Bismarker

Sein Verteidiger sagte, dass sein Mandant ihn am Verhandlungstag angerufen und um Geld für eine Fahrkarte angegangen sei. Er habe ihm ebenfalls geraten, vom Amtsgericht Hannover ein Ticket zu holen. Um dorthin zu gelangen mangele es ihm ebenfalls an Geld, lautete die Antwort. Daraufhin habe sich ein Disput entsponnen und wäre der Angeklagte ihm gegenüber unflätig geworden, so der Anwalt.

Wie Richter Rüge aus dem Amtsgerichtsurteil zitierte, waren insgesamt 26 Schwarzfahrten angeklagt, bei denen der 47-Jährige im Vorjahr von Zugbegleitern der Deutschen Bahn erwischt worden war. Davon waren 19 Fälle mit Hinblick auf die schwerwiegenderen sieben eingestellt worden.

Der Bismarker stand zur Zeit der letzten sieben Schwarzfahrten unter Bewährung, weil er zuvor schon 94 Mal erwischt und dafür verurteilt worden war. Zudem stand er unter Führungsaufsicht einer Bewährungshelferin. Neben der aktuellen Haftstrafe droht ihm jetzt der Widerruf einer einjährigen Bewährungsstrafe.

Laut Strafregisterauszug ist der notorische Schwarzfahrer erstmals 1991 vom damaligen Kreisgericht Osterburg zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Bis dato kamen 33 zumeist einschlägige Einträge hinzu. Ohne Fahrkarte fährt er seit Jahren mit der Bahn quer durchs Bundesgebiet, meist mit ICE. Oft hatte er nach Aussage von Zugbegleitern bei den Fahrten wohl kein Ticket dabei, aber Alkohol intus.

Als Motivation für die Schwarzfahrten hatte der ehemalige Kellner vor dem Amtsgericht angegeben, auf Jobsuche gewesen zu sein, weil das hiesige Jobcenter ihm hätte keine Arbeit vermitteln können. Die fand er allerdings bei seinen Schwarzfahrten auch nicht, wie er auf Nachfrage des Strafrichters eingestand (Volksstimme berichtete). Die Staatsanwaltschaft Stendal hat inzwischen schon wieder ein Ermittlungsverfahren wegen einer erneuten Schwarzfahrt eingeleitet.