Stendal l Drei Jahre ist es her, dass Deutschland mit seiner Bewerbung Erfolg hatte und die internationale Rallye der Segelflug-Oldtimer nach Stendal vergeben wurde. Seither bereiten sich der Stendaler Aero-Club und die Flugplatzgesellschaft Stendal-Borstel mbH auf diese Veranstaltung vor. Flugplatz-Geschäftsführer Matthias Jahn war im vergangenen Jahr in Ungarn, um sich die 45. Auflage der Rallye anzuschauen. Jetzt freut er sich auf das Wiedersehen mit den dort gemachten Bekanntschaften.

Dieses Wiedersehen beginnt offiziell am 30. Juli 2018 mit der Eröffnungsveranstaltung, aber viele Teilnehmer reisen schon in den Tagen davor an. Denn sie haben lange Anfahrtswege vor sich. Angemeldet haben sich bisher Piloten unter anderem aus England, Frankreich, Spanien, Finnland, Italien, Slowenien, Dänemark und natürlich Deutschland, auch aus den USA und Japan könnten Piloten kommen. „Etwa die Hälfte der Teilnehmer kommt aus Deutschland, für sie ist es ein Heimspiel“, sagt Matthias Jahn. Und das nutzen sie gern, denn zuletzt fand diese internationale Rallye 2008 in Deutschland statt. Die nächstgrößere Gruppe im Teilnehmerfeld sind die Engländer.

Aufschwung kam nach dem Ersten Weltkrieg

Bis zum 9. August sind sie alle zu Gast in Stendal. Im Mittelpunkt steht natürlich die Fliegerei. Wenn es das Wetter erlaubt, wird zwischen 12 und 19 Uhr geflogen. „Das lautlose Kreisen dieser eleganten Schmuckstücke ist allemal einen Blick nach oben wert“, lädt Matthias Jahn ein. Die „ganz großen Schätze“ seien die Segelflugzeuge, die vor 1945 gebaut worden sind. „Die Segelfliegerei ist ein Produkt des Ersten Weltkrieges“, erklärt der Flugplatz-Geschäftsführer. Denn der Versailler Vertrag verbot den Deutschen den Motorflug. „Das war die Initialzündung, sich mit dem Segelfliegen, also dem Fliegen ohne Motor zu beschäftigen“, sagt Matthias Jahn. Der Aufschwung in diesem Fliegerbereich kam sehr schnell. Bereits 1920 fand auf der Wasserkuppe in Hessen, dem höchsten Berg der Rhön, die erste Segelflugmeisterschaft statt. Damals wurde am Hang gestartet, heute übernehmen das Winden oder Motorflugzeuge. Im Jahr 1920 reichte für den Sieg eine Strecke von 400 Metern, geflogen in 30 Sekunden. Zum Vergleich: Heute schaffen die modernen Segelflieger bis zu 2500 Kilometer mit einem Flug, und das bei zirka 200 Stundenkilometern.

Bilder

Ebenfalls zu den Oldtimern zählen die Segelflugzeuge, deren Rumpf aus Holz gebaut wurde. Zugelassen sind zudem originalgetreue Nachbauten. Ob die ersten Glasfasermodelle, die auch schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben, zu den Oldtimern gehören, dazu gibt es geteilte Meinungen. Für Matthias Jahn ist aber eines wichtig: „Hinter jedem Typ steckt eine Geschichte.“

Segelflugmeisterschaften in Stendal

Stendal (ta) l Auf dem Flugplatz in Stendal-Borstel hat die Deutsche Segelflug-Meisterschaft 2017 begonnen. Daran haben 110 Segelflieger teilgenommen.

  • Warten vor dem Start und gutes Flugwetter. Foto: Donald Lyko

    Warten vor dem Start und gutes Flugwetter. Foto: Donald Lyko

  • Immer drei Segelflugzeuge stehen in der Startformation nebeneinander. Foto: Donald Lyko

    Immer drei Segelflugzeuge stehen in der Startformation nebeneinander. Foto: Donald Lyko

  • Markus Schweizer bereitet sein Segelflugzeug vor und setzt das Höhenruder auf. Foto: Donald Lyko

    Markus Schweizer bereitet sein Segelflugzeug vor und setzt das Höhenruder auf. Foto: Donald ...

  • Jeder Wettkampftag beginnt mit dem Wiegen der Segelflugzeuge. Foto: Donald Lyko

    Jeder Wettkampftag beginnt mit dem Wiegen der Segelflugzeuge. Foto: Donald Lyko

  • Beim Start helfen einige Stendaler Schüler (in den Sicherheitswesten). Foto: Donald Lyko

    Beim Start helfen einige Stendaler Schüler (in den Sicherheitswesten). Foto: Donald Lyko

  • Dieter Gädke (von links), Rudolf Bauke und Marie-Luise Müller haben eine der Waagen betreut. Foto: Donald Lyko

    Dieter Gädke (von links), Rudolf Bauke und Marie-Luise Müller haben eine der Waagen bet...

  • Ein Segelflugzeug beim Betanken mit Wasser. Foto: Donald Lyko

    Ein Segelflugzeug beim Betanken mit Wasser. Foto: Donald Lyko

  • Katrin Senne aus Aidlingen bei Sindelfingen ist die amtierende Weltmeisterin der Frauen in der 18-Meter-Klasse im Segelflug. Auch sie war bei den Deutschen Meisterschaften im Segelflug in Stendal mit dabei. Foto: Tanja Andrys

    Katrin Senne aus Aidlingen bei Sindelfingen ist die amtierende Weltmeisterin der Frauen in der 18...

  • Letzte Absprachen vor dem Start - das geht auch gut mal unter den Flügeln des Segelflugs. Foto: Tanja Andrys

    Letzte Absprachen vor dem Start - das geht auch gut mal unter den Flügeln des Segelflugs. Fo...

  • Christoph Oelgemöller (9) und seine Mutter Sandra Malzacher aus Wiesbaden bereiten sich auf den Start vor. Foto: Tanja Andrys

    Christoph Oelgemöller (9) und seine Mutter Sandra Malzacher aus Wiesbaden bereiten sich auf ...

  • Der Aero-Club hat einen der Hangars für die Zusammenkünfte der Piloten hergerichtet. Foto: Donald Lyko

    Der Aero-Club hat einen der Hangars für die Zusammenkünfte der Piloten hergerichtet. Fo...

  • Aufgestellt in der Startformation. Foto: Donald Lyko

    Aufgestellt in der Startformation. Foto: Donald Lyko

  • Mit dem Auto werden die Segelflugzeuge zum Startplatz gezogen. Foto: Donald Lyko

    Mit dem Auto werden die Segelflugzeuge zum Startplatz gezogen. Foto: Donald Lyko

  • Verkehrsminister Thomas Webel hatte als Schirmherr auch einen Schirm mitgebracht. Foto: Donald Lyko

    Verkehrsminister Thomas Webel hatte als Schirmherr auch einen Schirm mitgebracht. Foto: Donald Lyko

Viele dieser Geschichten werden sicher auch auf dem Borsteler Flugplatz erzählt, denn neben den Wettbewerben – dabei geht es meist darum, wer zeitlich den längsten Flug schafft – zählt das Miteinander. Dafür gibt es neben den abendlichen Runden beim Bierchen oder beim Fachsimpeln an den Flugzeugen noch einige „organisierte“ Gelegenheiten. Denn zum offiziellen Programm jeder „Vintage Glider International Rally“ gehören neben der Vereins-Jahreshauptversammlung und der Sitzung des Vorstandes ein internationaler und ein nationaler Abend.

Nationaler Abend

Für den internationalen Abend bringen alle Teilnehmer Speisen oder Getränke aus ihrer Heimat mit. Beim nationalen Abend stellen sich die Stendaler Gastgeber vor: mit Hochzeitssuppe, Bratwurst und Sauerkraut, und auch Tangermünder Nährstangen sollen angeboten werden. Für das Rahmenprogramm haben die Stendaler zusammen mit der Nordwall Classic Garage außerdem eine Oldtimer-Ausfahrt nach Stölln inklusive Lilienthal-Ehrung organisiert.

Die verbindende Sprache, auch während der sogenannten morgendlichen Briefings zur Flugvorbereitung, wird Englisch sein. Für die Stendaler schon mal ein guter Testlauf für die beiden kommenden Jahre: Denn 2020 – und damit 100 Jahre nach dem ersten Segelflug-Wettkampf in Deutschland – wird auf dem Borsteler Platz die Segelflug-Weltmeisterschaft ausgetragen. Im kommenden Jahr 2019 findet nach 2015 und 2017 zum dritten Mal eine Deutsche Meisterschaft im Segelfliegen in Stendal statt, an der nehmen als Training dann schon einige der ausländischen WM-Starter teil.