Stendal l Die Ermittlungen der Polizei gegen einen 32-jährigen Stendaler laufen zwar noch – aber die Beamten sind sich inzwischen sicher: Ein Extremist, der mit einer selbstgebauten Bombe ein Blutbad anrichten will, ist der Mann nicht.

„Nach derzeitigem Ermittlungsstand wird davon ausgegangen, dass eine Ernsthaftigkeit der vom Beschuldigten getätigten Aussagen nicht gegeben war“, berichtete Inspektionssprecherin Beatrix Mertens auf Volksstimme-Nachfrage.

„Großzahl an Zivilisten töten“

Am Freitagabend (29. Mai) hatte ein Spezialeinsatzkommando der Polizei die Wohnung des 32-Jährigen in der Lucas-Cranach-Straße gestürmt, nachdem die Beamten von britischen Kollegen einen Tipp bekommen hatten: Gegenüber einem in Wales lebenden Internet-Bekannten soll der Stendaler damit geprahlt haben, „Sprengmittel herstellen und eine Großzahl an Zivilisten in einer deutschen Stadt töten“ zu wollen.

Tatsächlich fanden die Ermittler in seiner Wohnung Schwarzpulver – es habe sich aber um Kleinstmengen gehandelt, betonte die Polizeisprecherin. Auch Amphetamine in geringen Mengen seien bei der Durchsuchung festgestellt worden.

Drogen waren auch dafür verantwortlich, dass der 32-Jährige erst mit einiger Verzögerung vernommen werden konnte: Zum Zeitpunkt des SEK-Zugriffs stand er unter Drogeneinfluss.

Nicht als Extremist in Erscheinung

Mittlerweile aber hat er seine Aussage gemacht – und dabei offenbar die schon vor Ort aufgekommenen Zweifel der Ermittler an der Ernsthaftigkeit der Anschlagspläne bestätigt. Auch im Vorfeld sei der Stendaler nicht als Extremist und Gewalttäter in Erscheinung getreten, berichtete Beatrix Mertens.

Abgeschlossen ist die Angelegenheit für den schon kurz nach dem SEK-Einsatz wieder auf freien Fuß gesetzten Mann trotzdem noch lange nicht: Gegen ihn laufen nun Ermittlungen wegen des Androhens von Straftaten sowie wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Laut Strafgesetzbuch droht ihm allein schon für seine Anschlagsdrohung ein bis zu dreijähriger Gefängnisaufenthalt.

Und noch etwas könnte auf den Mann zukommen: eine saftige Rechnung. Wie Beatrix Mertens bestätigte, prüft die Polizeiinspektion, ob und in welcher Höhe sie den 32-Jährigen für den Einsatz des Sondereinsatzkommandos zur Kasse bitten kann.