Volksstimme-Redakteurin Nora Knappe möchte in dieser Serie von Menschen, die auf Konsum verzichten, wissen, wie es sich „ohne“ lebt und wie es dazu kam. Heute zum Auftakt Aud Merkel (50), Dramaturgin aus Tangermünde.

Volksstimme: Sie leben ohne...?

Aud Merkel: Ich lebe ohne Auto, Kühlschrank, Fernseher, Fleisch, Alkohol, Kosmetika und versuche, Kunststoffverpackungen, tierische Produkte, Kleidermüll und Fernreisen zu vermeiden. Fliegen will ich nur noch einmal in meinem Leben, nach Indien. Ansonsten bleibe ich auf dem Boden. Kreuzschifffahrten sind für mich absolut tabu. Außerdem verzichte ich inzwischen auf Karriere und besseren Verdienst.

Alles vorstellbar, aber ohne Kühlschrank?

Ein Kühlschrank muss aufwendig aus verschiedensten Materialien hergestellt werden und verbraucht permanent Strom. Ich kaufe nur wenige Lebensmittel, die im Keller kühl gehalten oder rasch verzehrt werden. Eigene frische Verarbeitung von unbehandelten Lebensmitteln ist umweltschonend, preisgünstig und gesund.

Wie kam es dazu, warum haben Sie sich für dieses Ohne entschieden?

Ganz „ohne“ lebe ich nicht, es ist einfach weniger. Tierwohl und weniger CO2 sind derzeit kaum anders als durch Verzicht zu erreichen. Ich wollte weniger Fleisch essen, und es ist mir leichtergefallen als gedacht. Ich habe mich eine Zeit lang intensiv mit Ernährung beschäftigt und festgestellt, dass ich mit wenigen ausgewählten Lebensmitteln viel besser umgehen kann als mit Überfluss. Dann entdeckte ich, dass es im Regal Gemüse mit und ohne Verpackung, aus der Region oder von Übersee gibt. So wird die Wahrnehmung und die Konsumentscheidung immer feiner und differenzierter. Bevor ich etwas kaufe, überlege ich genau, ob ich es wirklich brauche. Wir haben viel mehr Entscheidungsfreiheit, als wir denken.

Und ist es einfach, mit wenig zu leben?

Ja, wer es unverbissen und zur eigenen Freude ausprobiert, wird immer mehr weglassen und dabei Freude empfinden. So war es jedenfalls bei mir. Durch Verzicht auf Materielles und Immaterielles gewinne ich Zeit und Zufriedenheit. Die meiste Zeit verbringen wir ja damit, etwas zu bekommen, was wir haben wollen. Wenn wir das Habenwollen weglassen, entstehen ungeahnte Kapazitäten. Weniger ist mehr.

Den vollständigen Text lesen Sie in der gedruckten Stendaler Volkstimme vom 29. Juli 2020 oder im E-Paper