Stendal l Die Forderung ist nicht neu und in anderen Kommunen schon gängige Praxis: Ehrenamtliche werden für ihren engagierten Einsatz nicht nur verbal belohnt, sondern zum Beispiel mit Vergünstigungen beim Eintritt in Freibäder, Theater, Museen und andere Einrichtungen. Das möchte nun auch die Hansestadt Stendal in Angriff nehmen. Mit dem Beschluss über den Haushalt 2020 hatte der Stadtrat im Fe­bruar auf Antrag der SPD/FDP/Ortsteile-Fraktion beschlossen, dass die Freiwilligen-Agentur Altmark die verwaltungsmäßige Abwicklung übernimmt, wenn die Ehrenamtskarte eingeführt wird. Dass diese vorbereitet werden soll, war auf Antrag der damaligen Fraktion SPD/FDP/Piraten/Ortsteile schon im April vergangenen Jahres vom Stadtrat beschlossen worden.

Freiwilligen-Agentur soll es umsetzen

Nun soll der nächste Schritt gegangen werden – mit einem Grundsatzbeschluss zur Einführung der Ehrenamtskarte zum 1. Januar 2021. Das Thema sollte schon in dieser Sitzungsrunde behandelt werden, wurde von der Stadtverwaltung aber kurzfristig von den Tagesordnungen genommen, um diese in Corona-Zeiten möglichst kurz zu halten.

Bevor sich die Freiwilligen-Agentur im Auftrag der Stadt um die Bearbeitung, Herstellung und Ausgabe der Karten sowie um die Sponsorengewinnung kümmern kann, wenn es eine Ratsmehrheit für die Einführung gibt, soll eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus allen Fraktionen und bei Bedarf weiteren Akteuren die Bedingungen für die Ausgabe der Ehrenamtskarte sowie die organisatorischen Erfordernisse definieren. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppentätigkeit münden in einer Richtlinie zur Vergabe der Ehrenamtskarte.

Als Grundlage für die anstehende Diskussion in den Stadtratsgremien hat die Stadtverwaltung zusammen mit der Freiwilligen-Agentur Altmark einen Handlungswegweiser erarbeitet und einen Entwurf für die Richtlinie. In der soll zum Beispiel festgeschrieben werden, wer einen Anspruch auf die Ehrenamtskarte hat und für welchen Zeitraum sie vergeben werden soll.

Mit Vergünstigungen in Einrichtungen der Hansestadt Stendal und bei privaten Anbietern sollen ehrenamtlich tätige Personen gewürdigt werden, die sich in „besonderem Maße“ für die Menschen im Gebiet der Hansestadt einsetzen. In der Richtlinie werden die konkreten Voraussetzungen definiert, zum Beispiel die Mindeststundenzahl pro Woche oder Jahr, in denen das Ehrenamt verrichtet wird, und das Verfahren, nach dem die Karte ausgestellt wird.

Konkret ist geplant, dass Inhabern der Ehrenamtskarte in städtischen Einrichtungen wie dem Altmärkischen Museum, der Bibliothek, dem Theater der Altmark, der Musik- und Kunstschule und der Volkshochschule Rabatte beziehungsweise Vergünstigungen gewährt werden, auch das Freizeitbad Altoa als kommunale Tochter soll einbezogen werden. Zudem sollen Gewerbetreibende, Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomen als sogenannte Akzeptanzpartner gewonnen werden.

Wunsch: Kurze Wartezeit in den Behörden

Eine Befragung der Freiwilligen-Agentur unter möglichen Kartenempfängern hat aber noch andere Wünsche aufgezeigt, über die sie sich freuen würden: kürzere Wartezeiten in der Behörde, kostenloses Parken oder kostenfreie beglaubigte Dokumente.

Um dieses Details wird es in der anstehenden Debatte ebenso gehen wie um eine Frage, die schon im vorigen Jahr aufgeworfen worden war – die, ob auch Stadträte und Feuerwehrmitglieder anspruchsberechtigt sein sollen, die für ihr Ehrenamt eine Aufwandsentschädigung bekommen.