Stendal l Die Kreissparkasse Stendal hat vor Kurzem zahlreichen Kunden ihre langfristigen, gut verzinsten Sparverträge gekündigt. Dies bestätigte Sparkassensprecher Christian Johannsen auf Nachfrage der Volksstimme. Betroffen von den Kündigungen sind nach seinen Angaben rund 2200 Verträge des sogenannten „S-Prämiensparen flexibel“-Sparvertrags. Die betroffenen Kunden hätten unbefristete Verträge, die bereits 15 Jahre und mehr Laufzeit haben und entsprechend in der höchsten Prämienstufe sind, so Johannsen.

Niedrigzinspolitik als Auslöser genannt

„Die Marktlage zwingt uns zu dem Schritt, mit dem wir uns bestimmt nicht beliebt machen“, sagte Johannsen. Aber die dauerhafte Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bringe die Bank in diese Lage. Die unbefristeten Verträge mit den Kunden seien Dauerschuldverhältnisse, die aufgrund der Marktsituation gekündigt werden müssten. Dies lasse die Rechtsprechung zu, sagte Johannsen, der bei der Sparkasse die Vertriebssteuerung und auch die Öffentlichkeitsarbeit verantwortet.

Bei der Verbraucherzentrale in Stendal gibt es einen Ansturm, wie Beraterin Margit Schmidt sagt. Seit Anfang der Woche habe es zahlreiche verärgerte Sparkassenkunden gegeben, die bei der Verbraucherzentrale Rat gesucht hätten. Man prüfe nun die konkreten Sparverträge auf deren Kündigungsmöglichkeiten, sagte Schmidt. Die Beratungsstelle werde die betroffenen Verbraucher individuell beraten. Beratungstermine sind ab 9. Januar wieder möglich und müssen telefonisch (03931/71 54  57) abgestimmt werden.

Verbraucherzentrale klagte in anderem Fall

Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt hatte in einem ähnlichen Fall geklagt, nachdem Ende 2015 die Sparkasse Anhalt-Bitterfeld rund 2000 Kunden die Sparverträge gekündigt hatte. Mitte November entschied das Landgericht Dessau-Roßlau, dass die Sparkasse sich auf ein Kündigungsrecht berufen könne. Ein Sprecher des Gerichts betonte, dass damit kein Urteil über die Wirksamkeit einer Kündigung gefällt wurde.

Unterdessen hat die Kreissparkasse Stendal für Geschäftskunden Minuszinsen ab einem Kontostand von 100 000 Euro eingeführt. Ferner werden künftig für Bareinzahlung und Barauszahlung 1,50 Euro statt einem Euro verlangt.