Stendal l Das hätte er sich niemals träumen lassen. Tatsächlich hatte der Stendaler Nico Föhr am Sonnabendnachmittag eine lebende Vogelspinne auf der Hand. „Die ist ja ganz leicht und das ist ein gutes Gefühl“, sagte er fast schon überschwänglich. Es sei nicht so gewesen, dass er Angst vor Spinnen gehabt hätte, aber eben doch gehörigen Respekt und ein gewisses mulmiges Gefühl. Die Erfahrung, mit der auch Spinnenphobiker sich ihrer Angst stellen sollen, gehörte zur Spinnen- und Insektenausstellung „Tarantula“, die am Wochenende im Tennis-Freizeit-Center in der Industriestraße gastierte, dazu. Erinnerungsfoto inklusive.

Erste Vogelspinne mit zehn Jahren

Ausstellungsleiter Danny Pfisterer hat kein Problem mit Spinnen, nach eigenem Bekunden auch nie gehabt. „Schon im Kindergartenalter habe ich immer die Spinnen und auch Regenwürmer aus dem Garten ins Haus hereingeholt, zugegebenermaßen nicht zur Freude aller“, erinnerte er sich im Gespräch mit der Volksstimme. Sein älterer Cousin habe zu dem Zeitpunkt schon eine Vogelspinne gehabt. Als er zehn Jahre alt war, durfte er sich auch eine zulegen. „Meine Eltern hatten zwar eher mit einem Hund gerechnet, aber sie vertrauten mir“, erzählte der Bayer. Die Leidenschaft des Jungen wuchs und somit auch die Sammlung, schon drei Jahre später hatte Pfisterer 20 Tiere.

200 Tiere im Gepäck

Mittlerweile sind es in der mittelfränkischen Heimat 248 Terrarien mit über 800 lebenden Tieren, größtenteils Spinnen. In die Altmark hatte er 82 Terrarien mit 200 Tieren mitgebracht. Und eine Mission – er möchte Menschen die Angst vor Spinnen nehmen. Dafür hat er viel gelesen, recherchiert, sich mit Biologen und Psychologen unterhalte und eine Erkenntnis gewonnen: „Viel mit der Angst vor Spinnen haben die horrorhaften Darstellungen in Filmen zu tun“, meinte er. Auch die acht Beine würden viele abschrecken, das gebe es sonst in der Natur nicht so. Die Gefahr, die ihnen zugeschrieben werde, sei gar nicht so groß. „Das Gift eines Vogelspinnenbisses ist auch nicht gefährlicher als das einer Biene oder einer Wespe“, sagte er.

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Nico Föhr jedenfalls verließ die Halle nach der Begegnung mit der Vogelspinne ganz beseelt – um eine Erfahrung reicher und ein mulmiges Gefühl ärmer.