Stendal l Dass in oder nahe der Altstadt Parkplätze fehlen, ist immer wieder zu hören. In ihrem Antrag spricht die Fraktion Linke/Grüne davon, „dass immer noch mehr als 200 Parkplätze in Innenstadtnähe fehlen“. Ganz so hoch würde die Stadtverwaltung die Zahl nicht ansetzen. Bei einer Erhebung im Jahr 2015 sei man auf ein Minus von etwa 100 Stellplätzen gekommen, erklärte Planungsamtsleiter Axel Achilles im Ausschuss für Stadtentwicklung. Mittlerweile seien weitere Stellplätze weggefallen, unter anderem wegen des Parkverbots auf dem Sperlingsberg oder des Hausneubaus an der Ecke Brüderstraße/Wüste Worth. „Wir schätzen darum derzeit ein Defizit von 150 bis 170 Stellplätzen“, sagte Axel Achilles.

„Wie dringend schätzen Sie den Bedarf an Parkdecks in Stendal ein?“, wandte sich CDU-Stadtrat Dirk Hofer, der stellvertretend für diese Sitzung des Ausschussvorsitz übernommen hatte, direkt an die anwesenden Vertreter der Verwaltung. „Gefühlt sehe ich den Bedarf nicht“, reagierte Georg-Wilhelm Westrum, Leiter des Amtes für Stadtumbau und Sanierung.

Dennoch warb Katrin Kunert für den Antrag ihrer Fraktion Linke/Grüne. In Köln habe sie zum Beispiel so ein Parkdeck gesehen, dass sehr gut in das Gebäudeensemble eingepasst war. Es sollte geprüft werden, ob und wo stadteigene zwei- oder mehrgeschossige Parkdecks in Innenstadtnähe gebaut werden könnten. „Aber nicht diese hässlichen, die überall an den Bahnhöfen stehen“, schränkte Katrin Kunert ein. Es könnte mit einem Parkdeck begonnen werden, bei Bedarf könnten dann weitere folgen. Die Planung für ein oder mehrere Parkdecks könnten mit der Aufstellung eines Parkraumkonzeptes verbunden werden, schlug die Stadträtin vor und plädierte für Parkdecks in Innenstadt-Randlage, „denn wir wollen den Verkehr doch nicht unbedingt direkt in der Altstadt haben“.

Fachausschuss stimmt zu

Nur wenn es der Hansestadt Stendal gelinge, „das Parkplatzproblem großzügig zu lösen“, würden sich „zukunftsfähige Planungsansätze für künftige Straßensanierungen verwirklichen lassen“, heißt es im Antrag der Fraktion, dem im Ausschuss für Stadtentwicklung alle zehn Mitglieder zugestimmt haben.

Zuvor war es in der Diskussion um konkrete Standorte gegangen und das Bemühen der Stadt, weiter einen Investor zu finden, der ein Parkhaus errichtet. „Die Stadt ist durchaus gewillt, mit Dritten ein Parkhaus zu bauen“, unterstrich der Planungsamtsleiter. Für den Parkbereich zwischen Brüderstraße und Deichstraße hatte es lange einen Interessenten gegeben, doch daraus ist nichts geworden. „Hinter der Brüderstraße können wir einen Haken machen, das wird wohl nichts mehr“, sagte Dirk Hofer.

Überlegungen seitens der Stadt gibt es zum Beispiel für den schon bestehenden Parkplatz am Nordwall, über dem ein zweites Parkdeck die Anzahl der Stellflächen verdoppeln würde – gut auch für das benachbarte Johanniter-Krankenhaus, das am Standort Wendstraße nach Fertigstellung des Neubaus unter anderem auch die Frauen- und Kinderklinik aufnimmt, die sich bisher an der Bahnhofstraße befindet.

Nordwall und Schlachthof

Der Nordwall ist also als möglicher Standort für ein Parkdeck im beantragten Prüfauftrag aufgeführt, ebenso der Parkplatz auf dem ehemaligen Schlachthofgelände (zwischen griechischem Restaurant und Parkstraße), der im vergangenen Jahr ausgebaute Parkplatz an der Lüderitzer Straße und auch der Bereich zwischen Schadewachten und Südwall (am Edeka-Parkplatz).

Dass ein Bedarf vorhanden ist, unterstrich Norbert Kammrad. „Viele Leute aus dem Umland, aus den Ortsteilen, fahren mit dem Auto in die Innenstadt“, gab der Ortsbürgermeister von Groß Schwechten seine Erfahrungen wieder. „Ein Parkhaus am Nordwall zieht mit Sicherheit keine Innenstadt-Besucher an“, zeigte sich hingegen Jürgen Schlafke skeptisch.

Der Ausschuss für Stadtentwicklung verständigte sich darauf, dass die Fraktion Linke/Grüne die Fristsetzung für die Vorstellung der Ergebnisse auf den 1. April 2019 verlängert, denn die Ursprungsfrist von Mitte Februar schien zu kurz gesetzt. Über den Prüfauftrag entscheidet der Stadtrat während seiner Sitzung am 18. Februar, drei Wochen zuvor berät der Hauptausschuss darüber.