Stendal l Beide Buchteile in den Händen zu halten, macht schon einmal Eindruck. Der Umfang zeigt aber auch: Stendal hatte und hat eine ganze Menge Bau- und Kunstdenkmäler zu bieten, ob als Ganzes betrachtet oder mit ihren Details. Denn für beides gibt dieser Sonderband mit insgesamt 720 Seiten, der in der Reihe „Quellen und Forschungen zur Geschichte Sachsen-Anhalts“ erschienen ist, eine sehr gute Übersicht. Die Publikation ist zweigeteilt: Es gibt einen etwas dickeren Textteil und einen dünneren Tafelteil, in dem ausschließlich bildliche Darstellungen zu finden sind, durchweg in Schwarz-Weiß. Die Architekturfotografien und Denkmalbeschreibungen stammen aus den Jahren 1928 und 1929 – allein sie haben schon einen eigenen historischen Wert.

„Lückenschluss“ in der Dokumentation

„Mit der Veröffentlichung des Bau- und Kunstdenkmalinventars der Stadt Stendal kann nach langen Jahren endlich eine Lücke der wissenschaftlichen Dokumentation der historischen Kunst- und Kulturschätze in Stendal geschlossen werden“, ordnet die herausgebende Historische Kommission für Sachsen-Anhalt, ein eingetragener Verein, die Publikation ein, die im Mitteldeutschen Verlag erschienen ist – auch mit finanzieller Unterstützung der Hansestadt Stendal.

Damit liegt endlich das Inventar der Kunstdenkmale der Stadt Stendal komplett in gedruckter Form vor – rund 100 Jahre nach Beginn der Arbeit daran. Denn bereits in den 1920er Jahren war damit begonnen worden, bis in die 1980er Jahre war das Manuskript mehrfach überarbeitet, aber nie als Ganzes publiziert worden. Ein Teil davon war 1929 unter dem Titel „Das mittelalterliche Stendal“ in der Taschenbuchreihe „Deutsche Bauten“ erschienen, herausgegeben vom damaligen Provinzialkonservator Max Ohle.

Einblicke in alte Arbeitsweisen

Die jetzt veröffentlichte Quellenedition basiert auf einem im Landesamt für Denkmalschutz und Archäologie aufbewahrten Manuskript. Auch wenn sie ein aktuelles Inventar nicht ersetzen kann, ist das umfangreiche Material für Kunsthistoriker dennoch wissenschaftlich sehr wertvoll – denn es gibt Einblicke, welche teils unterschiedlichen methodischen Ansätze es in den mehr als 60 Jahren gegeben hat, in denen am Inventar gearbeitet worden ist.

Das zu Beginn der 1980er Jahre bearbeitete Inventar beruht auf mehreren, an verschiedenen Stellen aufbewahrten und nur teilweise aktuellen Manuskripten. Seither wurde der Denkmalsbestand neu erfasst, wurden neue Forschungserkenntnisse gewonnen, sind Denkmäler hinzugekommen, die zuvor als solche nicht aufgeführt wurden, einige sind mittlerweile sogar verschwunden. Eine Fassung von 1968, die am Institut für Denkmalpflege Halle überarbeitet wurde, besitzt das Stadtarchiv Stendal.

Stadtgeschichte ausführlich erklärt

Auch wenn der Inhalt eine Momentaufnahme von vor rund 40 Jahren und der Zeit davor ist, bietet der Sonderband allen Kunst- und Kulturinteressierten, ob aus beruflichen Gründen oder aus Laienneugier an der Regionalgeschichte, eine ganze Menge Informationen. Gleich zu Beginn geht es um alte Stadtansichten, um das Stadtwappen und das Siegel, um Steinedal, Stendale und Stendell als überlieferte frühe Namen für die Siedlung an der Uchte. Etwas ausführlicher wird in die Stadtgeschichte eingeführt – in die Entstehung des Ortes, die räumliche Entwicklung, die Verfassungs- und die Wirtschaftsgeschichte sowie die Bevölkerungsentwicklung. Kirchen und Klöster, Schulen, Rathaus, Apotheken und Badestuben, das Winckelmann-Denkmal, Mühlen, Bürgerhäuser, Stadttore und das Altmärkische Museum werden behandelt, aufgeführt werden die Ortsteile Röxe und Wahrburg. In den einzelnen Beiträgen geht es um die Baugeschichte ebenso wie um Details, um Kunstwerke im Inneren oder an Fassaden, um eine historische Einordnung und die Verweise, auf welchen Quellen die Aussagen beruhen.

Auch das Verschwundene findet seinen Platz

Allein für den Dom St. Nikolai füllt die Darstellung inklusive einiger Zeichnungen 84 Seiten. Mit 80 Seiten nimmt auch die Stadt- und Ratskirche St. Marien einen großen Raum ein. So werden zum Beispiel die einzelnen Epitaphe (eine Grabinschrift oder ein Grabdenkmal für einen Verstorbenen an einer Kirchenwand oder einem Pfeiler – A.d.Red.) aufgelistet.

Zum Abschluss werden auch nicht mehr erhaltene kirchlichen Bauwerke aufgeführt, für die es Belege in historischen Quellen gibt. Genannt werden unter anderem das Elisabeth-Hospital, einst in der Rohrstraße gelegen, das St. Georgen-Hospital, nahe des Uenglinger Tores auf dem Gelände des heutigen Friedhofes gelegen, und die Johanniskapelle, die im Osten der Marienkirche auf dem Johanniskirchhof (heute Winckelmannplatz) lag.

Forschung soll erleichtert werden

Der Wunsch der Herausgeber ist, dass das nun endlich komplett veröffentlichte Bau- und Kunstdenkmalinventar der Stadt Stendal die weitere Erforschung der Kunstdenkmäler erleichtert.

„Die Kunstdenkmale der Stadt Stendal“, ISBN: 978-3-96311-259-1, Preis: 84 Euro.