Stendal l Für Bärbel Hornemann ist eines klar: „Dieser Schrank schreibt Stendaler Stadtgeschichte aus dem 17. Jahrhundert.“ Stadtgeschichte, die es zu erhalten gilt. Darum startete der Förderverein Glocken St. Marien Stendal, dessen Vorsitzende Bärbel Hornemann ist, im Sommer des vergangenen Jahres nach Rücksprache mit der Stadtkirchengemeinde eine Spendenaktion. Denn um diesen fast unentdeckten Schatz zu erhalten, muss er dringend restauriert werden. Die Stendaler Zimmerer-Innung spendete Geld, die Kreishandwerkerschaft Altmark und die Bau-Innung Stendal folgten, die Vereinsvorsitzende sammelte bei ihrem Geburtstag – und so kamen die benötigten 7500 Euro zusammen.

Mitte dieser Woche waren die Diplom-Holzrestauratorin Kerstin Klein und Gabriele Georgi, Restauratorin für Gemälde und Skulpturen, in Stendal, um die beiden Türen des Gildeschranks abzuholen. Für beide Frauen sind die Kunstschätze in St. Marien nichts Unbekanntes. Kerstin Klein hat über ihre Arbeit an der Orgel ihre Diplomarbeit geschrieben und hat auch den Engel an der Orgel restauriert. Gabriele Georgi hat einige der Skulpturen wiedererkannt, die sie vor vielen Jahren in Halle restauriert hatte.

Türen aus Kiefernholz

Nachdem die Türen ausgehängt und auf Tische gelegt worden waren, schauten sich die Fachfrauen den Zustand genau an, um bei Bedarf eine sogenannte Schnellsicherung vorzunehmen. In dem Fall würden ganz lose Teile für den Transport provisorisch angeklebt werden müssen. Das war nicht erforderlich, und so konnten die Türen aus Kiefernholz – jede etwa 30 Kilogramm schwer, 3,26 Meter hoch und 0,85 Meter breit – gleich mit Spezialdeckpapier, Folie und Vließ eingewickelt für den Transport werden.

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Restauriert wird nun in Kerstin Kleins Werkstatt in Halle. Die wird übrigens auf das Kirchenklima gekühlt. Unter anderem werden lose Teile mit einem Spezialkleber wieder befestigt, die gesamte Oberfläche wird gereinigt, die Metallteile (darunter ein mittelalterliches Schloss) werden behandelt, Schäden am Holz werden, wenn möglich, behoben, die Farbe retuschiert. Während der obere Teil noch gut erhalten ist, fehlen im unteren Bereich schon die Darstellungen. Die werden nicht neu gemalt. Was aber rekonstruiert werden kann, könnte nach Rücksprache mit dem Landesamt für Denkmalschutz gemacht werden. „Wir müssen immer schauen, wie weit wir beim Erhalt des Alten gehen können, ohne Neues zu schaffen“, erklärt Kerstin Klein und fügt hinzu: „Für den Betrachter soll ein harmonisches Gesamtbild entstehen.“ Ziel sei es, dass das Kunstwerk und dessen Aussage in den gemalten Arbeiten wieder auf den Betrachter wirken können, ohne dass die Fehlstellen den Eindruck zu sehr beeinflussen.

Während die Türen restauriert werden, werden in der Marienkirche die Verankerungen ausgebessert beziehungsweise erneuert. Das übernehmen Vereinsmitglieder.