Stendal l Ein Jäger spaziert sorglos durch den sonnigen Wald, das Gewehr hängt locker an der Seite. Neben ihm läuft sein Jagdhund artig. Schon jetzt freut er sich auf das Schinkenbrot in seinem Rucksack, das er auf einer kleinen Lichtung verspeisen wird. Eine richtige Aufgabe hat der Jäger nicht. Für ihn ist die Jagd sein ganz persönliches Luxushobby, dem er gerne am Wochenende nachgeht….

Dieses Klischee vom spazieren gehenden Weidmann findet die Jägerschaft Wahrburg/Röxe völlig veraltet. Sie sehen die Jagd als einen Dienst an der Allgemeinheit. Denn sie bekämpfen die Plage von Waschbären, Marderhunden und die stark anwachsenden Schwarzwildbestände.

Dabei spielen ihre Hunde eine entscheidende Rolle: Sie jagen die Marderhunde und helfen beim Nachsuchen infolge von nicht richtig platzierten Schüssen oder nach Wildunfällen. 2017 gab es immerhin 14 331 Unfälle in Sachsen-Anhalt, was einer Steigerung um 3,2 Prozent zum Vorjahr entspricht.

Hohe Kosten durch Ausbildung und Tierarzt

Besonders bei den jagdlichen Einsätzen komme es häufig vor, dass Hunde in der Folge tierärztliche Behandlungen benötigten, sagen die Jäger aus Wahburg und Röxe in einem Schreiben an den Stendaler Stadtrat. Außerdem seien die Kosten, die entstünden, bis ein Jagdhund zur Prüfung geführt werden könne, mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Daher baten sie mit Verweis auf die geänderte Hundesteuersatzung in Magdeburg darum, dass Jagdhunde von der Hundesteuer befreit werden sollten.

Während der Stadtratssitzung unterstützte Carola Radtke (Fraktion SPD/FDP/Piraten/Ortsteile) den Antrag. Nach Meinung der Ortsbürgermeisterin von Wahrburg „leisten die Jäger einen wichtigen Beitrag für die Natur“, weshalb man ihre Arbeit unterstützen solle.

Björn Eckhard Dahlke von den Grünen sieht die Jagdhunde als wichtige Nutztiere. Außerdem sei die Jagd aktiver Natur- und Tierschutz, weshalb auch er den Antrag unterstützen würde. Allerdings wolle er nicht nur Jagdhunde von der Steuer befreien, sondern auch sogenannte Gebrauchshunde. Dazu gehören beispielsweise Rettungshunde, Herdenhunde und Therapiehunde.

Marcus Schober von der CDU war der Meinung, die Hundesteuer sei historisch gesehen eine Luxussteuer. Für ihn gehöre die Jagd jedoch zum Landleben und „Jagd ohne Hund ist Schund“. Deshalb forderte er die Stadtratsmitglieder zu einem klaren Bekenntnis auf – und damit zur Abschaffung der Steuer.

Der Stadtrat unterstützte mehrheitlich die Abschaffung der Hundesteuer für Jagdhunde und schloss dabei auch die Gebrauchshunde mit ein, so wie es Björn Eckhard Dahlke vorgeschlagen hatte. Lediglich Herbert Wollmann (SPD) stimmte gegen das Ansinnen. Wann die neue Satzung fertig ausgearbeitet wird, steht noch nicht fest, wie Stadtsprecher Philipp Krüger auf Nachfrage mitteilte.

Magdeburg als Vorbild

Die Stadt Magdeburg hatte bereits im November 2018 die Steuer für geprüfte Jagdhunde gestrichen, sofern diese eine erfolgreiche Brauchbarkeitsprüfung oder Leistungs-/Verbandsprüfung vorweisen konnten und ihr Einsatz im Gebiet jedes Jahr von der Jagdbehörde bestätigt wird.

Ansonsten zahlen Hundehalter in Magdeburg 96 Euro für den ersten, 144 Euro für den zweiten und 196 Euro für den dritten Hund. In Stendal ist die Hundesteuer mit 60 Euro, 84 Euro und 120 Euro insgesamt etwas niedriger.