Stendal l Fragende Blicke von Passanten: Ja, wird denn nun bald gepflastert? Irrtum. Die großen weißen Plastiksäcke, gefüllt mit Granitquadern, „sind nicht für den Straßenzug Schadewachten“, sagt Michael Schmidt und klärt auf: „Das ist Material für die Mittelstraße.“ Denn auch dort sind die Mitarbeiter der Stendaler Firma Punzel tätig. „Im diesem Bereich fehlt uns jedoch der Lagerplatz“, ergänzt der Polier, der zurzeit einen erkrankten Kollegen im Schadewachten vertritt.

Projekt kostet rund 3,5 Millionen Euro

Auf der Großbaustelle im Herzen der Hansestadt schreiten die Arbeiten seit dem 17. Februar 2020 Stück für Stück voran. Zurzeit quasi von Hausanschluss zu Hausanschluss. „Damit sind wir vom Sperlingsplatz hoch zum Tangermünder Tor auf der linken Straßenseite nun bald durch“, sagt Michael Schmidt. Auch wenn es den Anschein für zahlreiche Passanten und Anwohner hat, es könnte schneller gebaut werden, das rund 3,5 Millionen teure Projekt liegt aber voll im Zeitplan. „Wir sind sogar etwas schneller“, sagt Firmenchef Christian Punzel. Der Grund sei, dass es bislang keine Behinderungen gab.

Die Witterung im Winter bis jetzt zum Sommer spielte mit. Es war weder zu kalt, zu nass noch zu heiß. Auch Corona beeinflusste das Baugeschehen nicht, sehr zur Freude im Stendaler Rathaus. Dort sei man sehr zufrieden, was die Arbeitsausführung und den Ablauf betrifft, heißt es auf Volksstimme-Nachfrage.

Problem: Bodenschicht unter Heiztrasse

Für die grundhafte Sanierung der sogenannten Prachtstraße in Stendal ist laut Planung festgelegt, dass der Tiefbau spätestens im Mai 2021 abgeschlossen sein muss. Zu dem Gemeinschaftsvorhaben von Stadt, Abwassergesellschaft und Stadtwerken gehört die Erneuerung der Gas-, Strom-, Schmutz- und Trinkwasserleitung sowie der Einbau eines Regenwasserkanals. Hinzu kommen die Erneuerung der Hausanschlüsse.

Ein Problem bereitete die Heiztrasse, die in der Mitte des 350 Meter langen Straßenzuges liegt. Da der Untergrund in einem Bereich härter als anderswo ist, musste die Materialfrage angepasst werden. „Die Schwierigkeiten sind aus der Welt geschafft“, so der Polier. Dennoch sei man vor neuen Überraschungen nie gefeit, zumal das Regenwasser in die Uchte eingeleitet werden soll. Der Kanalbau zieht sich also vom Schadewachten über die Straßenkreuzung am Tangermünder Tor bis zum Fluss.

Archäologen begleiten Bauarbeiten

Ständiger Begleiter der Tiefbauarbeiten sind Archäologen. Sie nehmen verschiedene Erdschichten auf und untersuchen diese. Sensationelle Funde sind bislang nicht zu vermelden, interessante allemal, so der zuständige Archäologe. So seien wie bereits bei Grabungen in der Rathenower Straße Knüppelwege gefunden worden, die Aufschlüsse über die Siedlungsentwicklung geben.

Schadewachten war einst ein Dorf, das Mitte des 13. Jahrhunderts als einer der ersten Orte nach Stendal eingemeindet wurde. Im 15. Jahrhundert entstand im Ortsteil Schadewachten das ehemalige Katharinenkloster, in dessen Gebäuden sich heute das Altmärkische Museum befindet.

Vom Knüppelweg zur modernen Pracht-Allee

Ob gerade in diesem historischen Bereich noch Ausgrabungen notwendig sind, die den Bauablauf beeinträchtigen, wird sich bei der Fortsetzung der Arbeiten auf der westlichen Straßenseite zeigen. „Dort haben wir das gleiche Spiel, was die Hausanschlüsse und Kanalarbeiten betrifft“, sagt Firmenchef Christian Punzel. Voraussichtlich im August, wenn der Gehwegbereich des abgeschlossenen Baufeldes mit einer Asphaltdecke überzogen ist, wird auf der rechten Straßenseite - vom Sperlingsplatz aus gesehen – begonnen.

Und sind die Stendaler Tief- und Straßenbaufirma die Arbeiten beendet, schließt sich der Straßenausbau samt einer Sanierung der Gehwege und Nebenanlagen an. Spätestens im April 2022 soll das Gesamtvorhabens abgeschlossen sein. Somit rechtzeitig zum großen Landesfest - dem Sachsen-Anhalt-Tag. Gefeiert werden soll vom 1. bis 3. Juli unter dem Motto: „Mittelalter trifft Moderne“. Dafür könnte die Straße Schadewachten ein Beispiel bieten: Knüppelweg wird moderne Pracht-Allee.

Fakten zum Bauprojekt

Die Kostenschätzung des Projekts liegt bei 3,5 Millionen Euro einschließlich Fördergeld. Ein Drittel Eigenkapital muss die Stadt Stendal investieren. Die bislang veranschlagte Bauzeit läuft von Mitte Februar 2020 bis Ende April 2022. Zum Tiefbau gehören die Erneuerung der Versorgungsleitungen für Gas, Trinkwasser und Strom sowie des Schmutzwasserkanals, der Neubau des Regenwasserkanals, die Erneuerung aller Hausanschlüsse sowie der Neubau von Hausanschlüssen, wo Flächen künftig bebaut werden könnten, um die Straße nicht nochmals öffnen zu müssen.

Nach dem Straßenausbau wird die Fahrbahn einen Bitumenbelag erhalten und nur noch 9 Meter breit sein. Beidseitig werden Radwege durch Markierungen gekennzeichnet. Das Parken soll auf beiden Straßenseiten möglich sein. Zur Begrünung der Prachtstraße gehört die Neuanpflanzung von 30 Linden im Schadewachten; außerdem die Pflanzung von 60 Bäumen im Umfeld als Ersatz für die 31 gefällten Winterlinden vor Baustart in der Straße.