Stendal l „Ich brauche das Rad nicht neu zu erfinden, das dreht sich für uns ganz gut“, macht Martin Jurga klar, dass er den von Michael Geffers eingeschlagenen Weg weiter verfolgen möchte. „Wollte ich groß was ändern, hatte ich in den vergangenen sechs Jahren auch etwas falsch gemacht“, fügt er hinzu. Denn in dieser Zeit habe er als stellvertretender Stadwehrleiter, somit als zweiter Mann nach Geffers, „bei allen Entscheidungen die Finger mit im Spiel gehabt“.

Jurga weiß also, was auf ihn zukommt, wenn er am 1. April offiziell den Posten des Stendaler Stadtwehrleiters von Geffers, der die Truppe in den vergangenen 27 Jahren führte, übernimmt. Am 3. März hatten ihn seine Kameraden für die Nachfolge vorgeschlagen. Weitere Kandidaten gab es keine, „was ich schade finde“, so der 34-Jährige. Die Ausübung des Amtes sei eben sehr zeitaufwendig, daher wenig attraktiv. Die Verantwortung dagegen sehr hoch. „Am Ende eines jeden Tages muss ich mein Handeln vertreten können.“

Verantwortung für fast 1000 Mitglieder

Diese Verantwortung kann Jurga sehr gut in Zahlen ausdrücken. So ist er gegenüber 950 Mitgliedern in 25 Ortswehren verpflichtet. Etwa 480 dieser Männer und Frauen füllen in der Einsatzabteilung ihr Ehrenamt aus. Die anderen verteilen sich über Abteilungen wie Kinder- und Jugendwehr, Frauengruppen oder Alters- und Ehrenabteilung.

Hinter der Feuerwehr der Hansestadt Stendal stehen zudem Millionenwerte, wie rund 50 Fahrzeuge oder 26 Gerätehäuser. „Das alles muss auf einem modernen Stand gehalten werden“, nennt Jurga als Herausforderung. Haushaltsmittel müssten also sinnvoll und zielgerichtet eingesetzt werden. „Die Verhältnismäßigkeit muss stimmen, aber auch die Gleichbehandlung gewährleistet sein“, macht er klar, dass Gelder zwar nicht „mit der Gießkanne“ über den Ortswehren verteilt werden können, aber jede das bekommen soll, was sie braucht.

Die nächste Herausforderung sei personeller Natur. Nach wie vor würden ehrenamtliche Retter für den aktiven Dienst gebraucht. Speziell in vielen Dörfern sei die Personaldecke, besonders für die Einsatzbereitschaft am Tage, sehr dünn.

Auf den Dörfern kennt sich Jurga auch bestens aus. Zwar in Stendal geboren, wuchs er jedoch in Börgitz auf: „Meine Heimat, das sind die Dörfer um Uchtspringe.“ Und wie es für viele Heranwachsende in diesen Dörfern üblich war, trat er im Alter von 13 Jahren der Jugendwehr in Staats bei. Damals lockte vor allem die Kameradschaft. „Als Mitglied der Truppe ist man niemals alleine“.

Mittlerweile wurde für ihn daraus ein Leben mit, ein Leben für die Feuerwehr. Kaum in den aktiven Dienst übernommen, kletterte Jurga die Karriereleiter schnell hinauf, wurde stellvertretender Wehrleiter in Staats, und nach der Fusion mit Börgitz und Uchtspringe zur Ortsfeuerwehr Uchtetal hatte er auch dort diesen Posten sechs Jahre lang inne.

Erst Maurer, dann Berufsfeuerwehrmann

Sein zweites Hobby, den Fußball, stellte er für den Brandschutz hintan. Jurgas Wunsch war es, den Brandschutz zum Beruf zu machen. Voraussetzung dafür ist aber eine abgeschlossene Ausbildung. Er wurde Maurer. Bereits im Dienst der Hansestadt Stendal, absolvierte er zwischen 2011 und 2013 die Laufbahn- ausbildung zum Berufsfeuerwehrmann. Praktisch als Hauptgerätewart arbeitet er aktuell als Beamter mit dem beruflichen Dienstgrad Oberbrandmeister und dem ehrenamtlichen Dienstgrad Hauptbrandmeister im Sachgebiet Feuerschutz, welches dem Stendaler Ordnungsamt zugeordnet ist.

Seine Maurerausbildung war allerdings nicht umsonst. „Neben dem Angeln sind handwerkliche Tätigkeiten aller Art auf meinem Hof mein Hobby“, verrät er. Auch der Fußball soll bald wieder in einer „Altherrenmannschaft“ eine Rolle spielen.