Stendal l Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden – für Holger Stahlknecht bot sich dafür bei seinem beruflichen Stadtbummel durch Stendals Fußgängerzone eine gute Gelegenheit in der Buchhandlung Genz. Denn der Urlaub des Innenministers steht bevor, und für den hat der ehemalige Staatsanwalt gern spannende Krimis im Gepäck. Mit zweien davon, empfohlen von Geschäftsinhaberin Susanne Malzahn, verließ er den Laden. Dazu kam noch ein drittes Buch, ein Geschenk von Vize-OB Axel Kleefeldt als Erinnerung an den Stendal-Besuch: der alternative Reiseführer „In the middle of nüscht“.

Hohe Ladenmieten verschärfen Situation

Zuvor hatte die Buchhändlerin dem Gast über ihre treue Kundschaft berichtet, die dem Traditionsgeschäft, das im kommenden Jahr 30 Jahre alt wird, trotz der zeitweisen Schließung die Treue gehalten hat. „Es hat mich manchmal zu Tränen gerührt, was da an Solidarität rüberkam“, sagte Susanne Malzahn. Für die Wochen, in denen der Laden komplett geschlossen war, habe sie andere Wege gehen müssen und gefunden, zum Beispiel die Auslieferung bestellter Bücher nach Feierabend. Die Kunden seien jetzt sehr rücksichtsvoll und diszipliert, warten gern vor dem Eingang, damit nicht zu viele Kunden im Geschäft sind. Die Gelegenheit, ein Mitglied der Landesregierung zu treffen, nutzte Susanne Malzahn, um noch ein anderes Thema anzusprechen: die Zukunft der Elbfähre Grieben-Ferchland. „Solch schöne Dinge gehören hier her“, sagte die Buchhändlerin.

Für Birgit Schaar wäre in ihrem Geschäft „Ich mag Taschen“ jetzt gerade die Hauptzeit für den Verkauf von Koffern und Reisetaschen – wegen ausgefallener oder abgesagter Urlaube gehen die aber kaum über den Ladentisch. Für die angespannte Situation vieler Geschäfte macht die Gewerbetreibende nicht allein die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen verantwortlich, obwohl auch sie beobachtet hat, das einige Kunden wegen der Maskenpflicht keine Lust haben, in Ruhe die Waren anzuschauen. „Die Mieten sind einfach viel zu hoch, die Einnahmen geben das nicht her“, sagte Birgit Schaar. Darin vermutet sie die Ursache für die leeren Geschäfte in der Fußgängerzone. „Der Leerstand ist sehr beängstigend“, sagte die Geschäftsfrau und fügte hinzu: „Die Vermieter wohnen nicht in Stendal, sie haben keinen Bezug zur Stadt.“ Von den beiden „Ich mag Taschen“-Standorten in der Breiten Straße wurde vor wenigen Tagen einer geschlossen.

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Dass die Stadtratsfraktion CDU/Landgemeinden mit ihrem Antrag, bis Jahresende die Stendaler Händler und Gewerbetreibenden von der Sondernutzungsgebühr für Aufsteller und Warenauslagen vor den Geschäften zu befreien, die Betroffenen entlasten möchte, findet Birgit Schaar einen richtigen Schritt. Darum hofft nicht nur Xenia Schüßler, CDU-Stadträtin und Stendals christdemokratische Direktkandidatin für die Landtagswahl im kommenden Jahr, dass der von ihr formulierte Antrag am Montag eine Mehrheit findet. Axel Kleefeldt sieht die Verantwortung aber noch an anderer Stelle: „Das Wichtigste ist: Wenn ich nicht in den Geschäften vor Ort kaufen, habe ich bald keine Innenstadt mehr.“

Osterartikel sind noch immer eingepackt

Seine Runde durch Stendal, die Teil einer mehrtägigen Dialogtour in den Norden Sachsen-Anhalts war, hatte Holger Stahlknecht im Büro- und Schreibwarengeschäft „Alecso Büro & Schule XXL“ am Marktplatz begonnen. Firmeninhaber Thomas Eberhardt und seine Frau Marion, die als Angestellte im Geschäft mitarbeitet, berichteten darüber, dass die Soforthilfe „ein Segen war“, über die Bedeutung der Digitalisierung für den Handel und über die Osterartikel, die zum Großteil noch verpackt sind, weil der Laden vor dem Osterfest geschlossen werden musste.

„Wir hoffen, dass das nicht noch einmal passiert, denn unsere bestellten Kalender für das nächste Jahr können wir nicht einlagern“, sagte Thomas Eberhardt. Seit die Geschäfte wieder geöffnet sind, seien „die Kunden sehr zurückhaltend“, berichtete Marion Eberhardt über die vergangenen Wochen.