Stendal l Die Verkäuferin in einem Stendaler Discounter redete nicht lange um den heißen Brei. „Bei dem, was hier alles noch kommt, habe ich mir einen kleinen Waffenschein besorgt, jetzt fehlt mir nur noch die Waffe“, sagte sie. „Was noch kommt“, damit sind die Flüchtlinge und Asylbewerber gemeint. Man höre doch so viel über Vergewaltigungen und andere Gewalttaten. Da möchte sie sich auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause ein Stück sicherer fühlen, wenn es dunkel ist.

Und die junge Frau ist kein Einzelfall. Chris Schulenburg, Leiter des Einsatzdienstes im Stendaler Polizeirevier, betont bei jeder Gelegenheit, dass sich durch die Flüchtlinge die Sicherheitslage nicht verändert habe. Dass er durch sie weder eine besorgniserregende Entwicklung noch Schwerpunkte sehe. Vielmehr warnt er vor den sozialen Medien und den dort verbreiteten angeblichen Wahrheiten: „Glauben Sie nicht alles, das gehört zur Rattenfängerstrategie Rechtsradikaler“, sagte er beispielsweise bei der ersten Integrationskonferenz. Doch offenbar haben nicht alle im Landkreis Stendal vertrauen in diese Worte. Der kleine Waffenschein berechtigt zum Führen von Gas- und Schreckschusspistolen. Kaufen kann sie jeder Volljährige unter Vorlage des Personalausweises. Und das Geschäft mit den etwa 100 bis 200 Euro teuren Waffen läuft. „Der Verkauf hat deutlich zugenommen“, sagte Jörg Werthe, der ein Waffengeschäft an der Bismarckstraße betreibt. Über die Gründe der Kunden konnte er allerdings nicht viel sagen. „Manche sagen gar nicht, warum sie eine Waffe brauchen, andere bauschen irgendetwas auf, es ist eine breite Palette“, fasste er zusammen.

Vervierfache Antragszahl

Konkreter wurde da schon Ronald Neumann von Fahrrad-Neumann in der Petrikirchstraße. „Der Hauptgrund ist die Angst vor den Asylbewerbern“, gab er an. Es gebe beispielsweise viele Männer, die auf Montage arbeiten und ihrer Frau eine Schreckschusswaffe als Sicherheit zu Hause lassen. Es werde auch viel über zunehmende Einbrüche gesprochen, das sorge zusätzlich für Unsicherheit. Ungefähr vervierfacht habe sich der Verkauf der Waffen, für die der kleine Waffenschein notwendig ist. Und nicht nur der. „Auch Pfefferspray haben wir ungefähr 300 Prozent mehr verkauft als in anderen Jahren“, fügte er hinzu.

Und die Zahlen der zuständigen Behörde sind die nüchterne Bestätigung dieses Trends. In diesem Jahr wurden bereits 32 kleine Waffenscheine vom Ordnungsamt des Landkreises erteilt. 15 weitere Anträge werden noch bearbeitet. Im vergangenen Jahr wurden zehn erteilt, 2013 waren es elf. „Die Beantragung hat drastisch zugenommen“, fasste Kreissprecherin Angela Vogel zusammen.