Stendal l Neckisches Kichern war den ganzen Abend in den Reihen zu vernehmen. Zu Susann Kloss‘ Aufführung „Kleiderwechsel“ traf man sich in der Stendaler Stadtbibliothek. Schon bevor Susann Kloss den Saal betrat, ging ein heller Schrei durch die Räumlichkeiten der Stadtbibliothek. Die Schauspielerin eilte aufgebracht in das Zimmer, auf dem Arm ein Berg an Kleidern. „Ich habe nichts zum Anziehen“, klagte sie. Jedes der mitgebrachten Stücke erinnere sie an einen Mann, alle ihre Kleider wären Relikte aus vergangener Zeit. Die Gäste nickten zustimmend, lachten entzückt und sorgten immer wieder für tosenden Applaus.

Mit Tucholsky, Murakami und Mitchell

Die Berliner Schauspielerin nahm Platz und begann aus diversen Publikationen vorzulesen. Von Prosa und Lyrik bis Sachtexten war alles dabei. Zitiert wurden unter anderem Kurt Tucholsky, Haruki Murakami und Margaret Mitchell („Vom Winde verweht“). Eines hatten alle Texte gemeinsam: Sie handelten von der gesellschaftlichen Relevanz unserer Garderobe.

In der kurzen Pause gab es Sekt und Begegnungen auf Augenhöhe. Eine Zuschauerin erzählte: „Die Vorstellung lädt zum Nachdenken ein. Man fängt an, zu hinterfragen, warum man so viele Klamotten kauft.“ Ihre Freundin stimmte ihr zu und fügte hinzu: „Mein Kleiderschrank ist natürlich voll, aber mich von den Sachen trennen? Das kann ich nicht.“ Eine der anderen Damen war der Meinung: „Man sollte sich auch mal füreinander aufbrezeln. Es ist doch schön, wenn man auch beim Frauenabend schick aussieht.“

Stereotype und Klischees geschickt genutzt

Nach den interessanten Unterhaltungen folgte der Höhepunkt des Abends. Susann Kloss erklärte mit viel Charme und ausreichend Witz den Striptease – eine Anleitung zum erotischen Entkleiden. Die Zuschauerinnen tobten, es flossen sogar Lachtränen. Die Berlinerin nutzte für ihre Performance aus Text und Schauspiel Klischees und Geschlechterstereotype geschickt.

Die Besucher fühlten sich abgeholt und mitgerissen, so die nachträglichen Meinungen der Frauen. Susann Kloss‘ Aufführung, die reihum für köstliche Unterhaltung sorgte, fand demnach großen Anklang beim Publikum. Ach, ein Mann war übrigens anwesend. Der sicherte in der Pause die Sekt-Versorgung.