Stendal l Kaum einer weiß, dass die Stühle des Orchesters in der Elbphilharmonie in Hamburg aus Stendal kommen. Trotz der ländlichen Region im Landkreis werden hier Stahlrohrmöbel hergestellt, die weltweit verkauft werden. Die Möbelmanufaktur L&C Stendal produziert Stühle, Tische, Garderoben und Loungemöbel. Ihr Markenzeichen sind allerdings die Bauhaus-Möbel. L&C blickt im nächsten Jahr auf eine 150-jährige Firmengeschichte zurück. Ein Grund, das Unternehmen vorzustellen.

Aktuell hat die Firma 20 Mitarbeiter, produziert ihre Möbel in Stendal und bezieht die Materialien aus Deutschland. Der Fokus liegt dabei auf Nachhaltigkeit, erklärt Armin Latussek, Mitglied der Geschäftsführung. „Wir liefern hauptsächlich in die Dach-Länder, aber auch weltweit. Beispielsweise geht monatlich mindestens ein Container nach Korea“, sagt Latussek. In diesem Monat sind es schon vier.

Gründung Möbelfabrik Stendal

Warum lässt sich eine Traditionsfirma ausgerechnet in Stendal nieder? 1871 gründete Louis Arnold zusammen mit seinem Sohn Carl die Eisenmöbelfabrik in Schorndorf in Baden-Württemberg. 1889 wurde das Werk in Stendal eröffnet. Bis heute ist es das einzig erhaltene Werk. Armin Latussek führt die Standortwahl Stendal auf die Nähe zu Berlin zurück.

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In den 20er Jahren zählten die Werke zu den führenden Stahlrohrmöbelherstellern Europas. Dort fertigten 1400 Mitarbeiter Gartenmöbel, Stahlrohrbetten und Tische. Der Bauhaus-Jungmeister und Möbeldesigner Marcel Breuer wurde durch die geografischen Nähe zu Dessau auf L&C aufmerksam, sodass 1933 die Manufaktur exklusiv für Breuer 36 Modelle produzierte. Zu größerer internationaler Bekanntheit verhalf dem Unternehmen 1936 die Herstellung der Sitzmöbel für das Luftschiff „Hindenburg“.

Stima Stendal entsteht

Nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Ende der DDR war das Unternehmen in Volkseigentum und produzierte unter dem Namen „VEB Stima“ in Stendal weiterhin Stahlrohrmöbel. „Damals hatte die Firma rund 550 Mitarbeiter. Wir haben für Ikea, die Sowjetunion und den Westen produziert“, blickt Hagen Pippel zurück. Seit 1986 arbeitet er im Werk in Stendal. Damals stattete die Firma das Bauhaus in Dessau aus.

Nach der Wende bis 1996 kam das Unternehmen durch die Treuhand zurück in den Besitz der Familie Arnold. Weitere Modelle aus der Bauhauszeit kamen 1996 auf den Markt. Schließlich wurde es an die amerikanische Firma Hillrom verkauft. Diese wollten den Standort Stendal schließen. Doch dazu kam es nicht. „Familie Müller bewahrte uns vor der Schließung“, sagt Hagen Pippel.

Bis 2018 war L&C im Besitz der Familie Müller. Im August kam es jedoch zur Insolvenz in Eigenverwaltung. „Das brachte Aufregung in der Belegschaft. Das Personal wurde wieder verkleinert, sodass auch viel Wissen ging“, erklärt Pippel. Die Insolvenz zog sich bis Januar 2020. In dieser Zeit strukturierte Gerhard Barthle aus Schwäbisch Gmünd als Prokurist die Firma um und leitete im Hintergrund die Sanierung. Er wollte, dass das Verfahren zum positiven Abschluss kam, sagt Barthle. Nachdem Abschluss der Insolvenz kaufte er die Firma und leitet sie bis heute. Als Unterstützung holte er Armin Latussek mit ins Boot. Er ist verantwortlich für die Produktion, Vertrieb und Versand.

Möbel-Produktion in Stendal

Die Corona-Krise hat die Firmenleitung nicht zur Kurzarbeit gezwungen. „Unsere internationalen Kontakte helfen uns durch die Krise“, sagt Latussek. Gerhard Barthle und Armin Latussek sind positiv gestimmt, wenn sie über die Zukunft sprechen. „Wir wollen die Firma weiter aufbauen, die Tradition erhalten und die Fertigung in Stendal aufrechterhalten“, verkündet Barthle. „Das Design, die Produktion und der Versand soll weiterhin in Stendal bleiben“, bekräftigt Latussek.

Um L&C als Marke bekannter zu machen, plant die Geschäftsführung ein umfassendes Marketing-Konzept für 2021, sagt Latussek. Passend zum 150-jährigen Jubiläum kommt im nächsten Jahr eine neue Kollektion auf den Markt. Was den Kunden erwartet, verraten die Herren nicht. Doch dem Bauhaus-Stil wird L&C treu bleiben.