Stendal l Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten, die Diskussion über die Neugestaltung des Schadewachtens im Stadtentwicklungsausschuss am Mittwochabend, 7. Novemer 2018, fast genauso lange. Ein Ergebnis indes gab es nicht. Dazu gingen die Ideen der Verwaltung und der Stadträte zu weit auseinander. „Lassen Sie uns heute für eine Variante entscheiden“, munterte Ausschussvorsitzender Wolfgang Eckhardt (CDU) das Gremium auf, gerade so wie ein Trainer seine Spieler auf den Rasen schickt. Doch die Motivation half nicht.

Planerin Daniela Süßmann hatte bereits im April die vier Varianten vorgestellt. Praktisch im Zeitraffer wollte sie die einzelnen Möglichkeiten nochmals präsentieren, dann dem Spiel seinen Lauf lassen. Die Präsentation begann nicht ohne Grund mit einem historischen Bild, das den Blick aufs Tangermünder Tor in den Mittelpunkt stellte. Auf diesen markanten Blick lege die Denkmalspflege großen Wert. Da fuhr ihr Joachim Röxe (Die Linke) in die Parade. Ob denn dem nicht die Variante 3 mit dem Parken in der Mitte im Weg stehe, wollte der Fraktionsvorsitzende wissen. Nein, das sei kein Hindernis gewesen, meinte die Planerin.

Akzent auf Aufenthaltsqualität

Ihr Ziel war es, die Aufenthaltsqualität in der Straße, die einst so etwas wie ein Prachtboulevard gewesen ist, zu erhöhen. Am nächsten kam sie ihrer Meinung nach dem Ideal, weil die parkenden Autos am weitesten weg vom Gehweg sind, eben mit Variante 3. Das sah auch die Verwaltung so, die in ihrer Beschlussvorlage einzig jene Alternative anbot. Diese Taktik stieß bei den Kommunalpolitikern allerdings auf wenig Gegenliebe.

„Die Variante 3 ist offensichtlich nicht die optimale Variante“, sagte Röxe, seine Fraktion würde für Variante 1 plädieren, mit Verbesserungen für Radfahrer. Ein Radfahrweg war bei keiner der Möglichkeiten eingeplant worden. „Das müssen wir bei Tempo 30 auch nicht“, sah sich die Planerin in der Defensive. Norbert Kammrad (CDU) sah aber dennoch eine Notwendigkeit. „Ein Schutzstreifen ist sinnvoll, vor allem für Kinder und ältere Menschen“, riet der Fahrlehrer.

Einstimmige Abstimmungen

Sonst sei man ja nicht so glücklich, wenn eine Beschlussvorlage aus dem Stadtrat wieder zurück in die Ausschüsse gehe, meinte Henning Richter-Mendau (CDU). In diesem Fall seien aus der Bevölkerung aber sehr wichtige Einwände gekommen. „Deshalb bin ich der Meinung, wir sollten Variante 3 nicht überarbeiten, sondern verwerfen“, forderte er.

Nachdem die Ablehnung der von der Verwaltung favorisierten Variante so groß war, wagte Katrin Kunert (Die Linke) einen Vorstoß. „Wir sollten alles auf Null setzen“, ging sie in die Offensive. Lieber solle der Schadewachten ein Jahr später gebaut, dafür aber ein Prachtboulevard werden. Und sie wollte die Mannschaft noch vergrößern. „Wir sollten Vorschläge von Bürgern sammeln“, schlug sie vor. Die seien nicht dümmer als die Stadträte, und es sei auch ihre Straße.

Einbahnstraßenregelung vorgeschlagen

Mit einzubringen in die neuen Vorschläge, das ergab die Diskussion in der Schlussphase, sind die Möglichkeit einer Einbahnstraße und das Konzept des „shared space“. Bei dem „geteilten Raum“, der auch als Gemeinschaftsstraße bezeichnet wird, sind die Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt, Barrieren wie beispielsweise Bordsteine, entfallen. Kammrad hatte diesen Gedanken ins Spiel gebracht. Der Schönebecker Marktplatz sei nach diesem Modell neu gestaltet und jüngst mit einem Preis ausgezeichnet worden.

Zur Einbahnstraßenregelung, die fraktionsübergreifend befürwortet wurde, muss Stendal-Bus angehört werden, ob das Unternehmen seine Buslinie auch einspurig über den Schadewachten fahren lassen kann. „Ich hoffe aber, dass das ein offenes Gespräch sein wird und nicht von vornherein schon feststeht, dass es nicht geht“, startete Dirk Hofer (CDU) noch einen Angriff gegen Bauamtsleiter Georg-Wilhelm Westrum, der Anhänger der Variante 3 ist.

Dann kam es schließlich zur Abstimmung, den Ausschussmitgliedern war die Erschöpfung deutlich anzumerken. Zunächst einmal wurde die Vorlage der Verwaltung einstimmig abgeschmettert. Dann wurde der Auftrag an die Verwaltung erteilt. Sie soll das Planungsbüro von Daniela Süßmann mit dem Erarbeiten neuer Vorschläge beauftragen, dabei die Diskussion aus dem Stadtentwicklungsausschuss und mögliche weitere Bürgervorschläge berücksichtigen. Auch diese Abstimmung viel einstimmig aus. „So eine Eintracht“, meinte Richter-Mendau. „Schlimm, was“, konterte Kunert ironisch. Es war vorbei.