Stendal l Die Redaktion der Volksstimme erhielt einen Leserbrief. Die Absenderin beschwerte sich bitterlich über die Baumfällungen im Schadewachten. Im Zuge der Neugestaltung der Straße am Rande der Stendaler Innenstadt müssen 30 Winterlinden weichen. Die Volksstimme-Leserin betonte unter anderem die Schatten spendende Wirkung an heißen Tagen.

Augenscheinlich ist sie mit ihrem Unmut über die Maßnahme nicht allein. Auch bei der Stadtverwaltung sind seit dem Bekanntwerden des Plans zahlreiche Protestschreiben eingegangen. In sehr großem Umfang und in einem teilweise hoch emotionalen Tonfall, wie die Pressestelle am Mittwoch in einer Stellungnahme bekannt gab. In jenem Statement wird die Entfernung der Bäume nichtsdestotrotz verteidigt und auf die Notwendigkeit der Fällungen im Zuge der Neugestaltung der Straße hingewiesen.

Linden sind geschädigt

Die Sanierung sei lange aufgeschoben worden, werde nun aber umso dringender. Dem müsse Rechnung getragen werden. „Die Versorgungsansprüche einer modernen Stadt sind in der Vergangenheit enorm gestiegen, und auch mit Rücksicht auf die Anwohner, ist eine grundlegende Sanierung des Schadewachtens nicht länger aufzuschieben“, heißt es in dem Schreiben.

Unter anderem werden neue Leitungen für Trink- und Abwasser verlegt und die Straßenbeleuchtung erneuert. Dem Wunsch nach schnellem Internet soll ebenfalls nachgekommen werden. Eine Erneuerung der Regenwasserkanäle macht das vorgesehene Parkkonzept nötig. Viele dieser Leitungen müssen auf beiden Straßenseiten verlegt werden, um alle Gebäude angemessen zu versorgen.

Unterstützung von Naturschutzbehörde

Die Wahrscheinlichkeit, dass dabei die Linden ohnehin in Mitleidenschaft gezogen worden wären, schätzt die Stadtverwaltung als sehr hoch ein. Sie stehen nämlich zum Teil auf den Leitungen, die ersetzt werden. Die Wurzeln erstrecken sich noch wesentlich weiter. Hinzu komme: Ein Teil der Bäume weise bereits jetzt altersbedingte Schäden auf. Weitere Beeinträchtigungen hätten die Linden wohl nicht überstanden.

„Sollte sich im Verlauf der Bauarbeiten oder danach ergeben, dass die Bäume zu stark geschädigt wurden und nicht mehr standfest sind, verlängerten sich die Arbeiten um ein Vielfaches und auch die damit einhergehenden Kosten würden weiter ansteigen“, argumentiert die Stadtverwaltung. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises teilt diese Auffassung und befürwortet die Planungen.

Als Kompensationsleistung werden 30 neue Linden im Schadewachten gepflanzt und darüber hinaus 61 Bäume an unterschiedlichen Standorten in Stendal. Der konkrete Termin für die Fällungen steht noch nicht fest, wird aber in Kürze verkündet. Damit einher geht eine Vollsperrung der Straße in der ersten Novemberwoche. Die vollständige Sanierung wird im nächsten Jahr starten.