Corona-Zwangspause

Theater der Altmark Stendal: Ensemble und Belegschaft renovieren die Räume

Am Theater der Altmark in Stendal wächst die Ungeduld. Die Spielstätte sollte längst fertig saniert sein. Derweil überbrücken die Theaterschaffenden die Zwangspause mit Arbeiten in den einzelnen Abteilungen.

Von Andreas König
Jens Hochmuth, Mitarbeiter der Maske des Theaters der Altmark Stendal, streicht die Räume der Maske im Keller des Theaters. Auch die Schauspieler legen Hand an und räumen die Ausstattungsabteilung neu ein.
Jens Hochmuth, Mitarbeiter der Maske des Theaters der Altmark Stendal, streicht die Räume der Maske im Keller des Theaters. Auch die Schauspieler legen Hand an und räumen die Ausstattungsabteilung neu ein. Foto: Andreas König

Stendal

Sägen und Hämmern statt Singen und Sprechen – Das Theater der Altmark (TdA) in Stendal befindet sich seit Monaten im Lockdown – genau wie viele Geschäfte, Unternehmen, Restaurants, Schulen und andere Einrichtungen.

Dabei trägt die Pandemie zwar die Hauptschuld an der unfreiwilligen Spielpause, aber eben nicht die alleinige. Denn der Stendaler Musentempel wird modernisiert und das dauert länger, als es den Theaterschaffenden lieb ist. Zunächst war Ende 2020 als das Ende der Arbeiten avisiert, dann verzögerte sich der Bau immer mehr.

„Wir hoffen inständig, dass die Arbeiten bis September abgeschlossen sind“, sagt Intendant Wolf E. Rahlfs. Sollte das nicht gelingen, wäre der nächste Spielplan ernsthaft in Gefahr. Zwar sei man inzwischen an überraschende Absagen und Verschiebungen gewöhnt, doch gebe es gerade angesichts einer gewissen Entspannung den berechtigten Wunsch, wieder aktiv zu werden.

Pandemiebedingte Pause wird am Theater der Altmark Stendal genutzt

Bis dahin nutzt die Belegschaft die coronabedingte Zwangspause so gut es geht. Da sind die Online-Aufführungen als künstlerische Reaktion auf die Kontaktbeschränkungen einerseits und deren Vorbereitungen andererseits. Doch es geht auch ganz profan zu am TdA, wenn beispielsweise die einzelnen Abteilungen ihre Räume neu gestalten. So geschehen in der Maske im Kellergeschoss des Theaterbaus. Mit großem Elan schwingt dort beispielsweise Jens Hochmuth den Pinsel. Der Maskenbildner weißt die Wände, auf dass in den Räumen hoffentlich bald wieder Schauspieler für ihren Auftritt vorbereitet werden können.

„Wir sind ja alle schon seit längerer Zeit in Kurzarbeit“, sagt Jens Hochmuth, zieht einen weiteren Pinselstrich und geht weiter seiner Tätigkeit nach.

„Die Kurzarbeit begleitet uns tatsächlich schon seit längerem“, sagt der Intendant, wobei die einzelnen Bereiche in unterschiedlichem Maß davon betroffen sind. Den künstlerisch Tätigen gesteht man zu, weiterhin ihre Fähigkeiten zu vervollkommnen, Texte zu lernen und zu proben. So kommen diese Mitarbeiter auf einen höheren Anteil ihres regulären Verdienstes als in anderen Branchen.

Theater der Altmark Stendal feierte drei Online-Premieren im April

Das ist schon deshalb notwendig, weil der digitale Spielbetrieb trotz Schließung des Theaters weitergeht. „Wir hatten immerhin drei Premieren im April“, sagt Wolf E. Rahlfs. „Da steckt auch jede Menge Arbeit drin. Die Resonanz sei erfreulich. Immerhin mehr als 450 kostenpflichtige Abrufe der Theater-Videos habe es gegeben. Die Interessenten kamen dabei nahezu aus ganz Deutschland: Zuschauer aus Halle, Leipzig, München, Aachen, Hamburg, Berlin und Frankfurt waren in den Chats, die parallel zu den Stücken angeboten wurden, dabei, um nur einige zu nennen. „Bei unseren bisherigen Stream-Terminen haben aber durchaus auch mehrere Personen gemeinsam vor dem heimischen Gerät gesessen“; sagt Elisa Marquardt von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des TdA. Die tatsächliche Zuschauerzahl ist wahrscheinlich etwas höher. Gezeigt wurden bisher „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“, „Das Schicksal stellt mich auf eine Nadelspitze“, „Lockdown Stendal“ und „Zigeuner-Boxer“. Im Mai werden noch „Im Theater ist nichts los“ und „Zwei Monster“ zum Online-Repertoire hinzukommen.

Theatervideos sind eine interessante Mischform

„Diese Art der Theaterarbeit ist für uns auch eine sehr interessante Mischform“, findet der Intendant. Zwar würden die Mitglieder des Ensembles spielen wie in einer Vorstellung vor Publikum, doch bleibe die direkte Reaktion aus. „Es ist ein Zwischending aus Theater und Film – das muss man erst einmal verinnerlichen“, berichtet Wolf E. Rahlfs. Wenn sich dann der Vorhang zur digitalen Premiere hebt, sind die Mitwirkenden genauso gespannt wie bei einer herkömmlichen Aufführung.

Für den morgigen Mittwoch ist ein weiterer Arbeitseinsatz geplant. Dann werden die Schauspielerinnen und Schauspieler in der Ausstattungsabteilung Regale montieren, die während des Umbaus eingelagert waren.

Und während die Arbeiten am und im Theater vorangehen, bereitet sich die Belegschaft des gesamten Hauses auf das Sommertheater vor. „75 feste Mitarbeiter gehören zur Belegschaft, hinzu kommen je nach Produktion 20 bis 30 freischaffende Mitarbeiter, von Schauspielern bis hin zu Regisseuren.