Stendal l Es wird getuschelt, geflunkert und geflirtet was das Zeug hält. Selten haben Jugendliche auf der Theaterbühne so oft den Mittelfinger gezeigt. „So ein verficktes Leben“, tönt es aus dem Sprechchor. Und irgendwie scheint sich die ganze Zeit alles nur um Sex zu drehen. Keine Frage, bei dem neuen Musical „Frühlings Erwachen“ der Theaterjugend des Stendaler Theaters der Altmark geht es mitunter heftig zur Sache. Themen wie Homosexualität, Masturbation und Sexualität im Allgemeinen stehen immer wieder im Mittelpunkt. Nein, nicht ausufernd, sondern beeindruckend authentisch von den Jugendlichen in Szene gesetzt und mit rockiger Musik untermalt.

Bei Abtreibung gestorben

Nicht falsch verstehen, das Stück bewegt sich weitab von Pornographie. Es nimmt sogar sehr dramatische Züge an. Als das Stück von Frank Wedekind 1906 uraufgeführt wurde, war öffentliches Sprechen über Sexualität tabu. Junge Männer sammelten erste Erfahrungen in Bordellen, junge Mädchen wurden dumm gehalten. Durch diese Unwissenheit wird die 14-jährige Wendla (Lea Hoffmann/Josephine Lehmann) von Melchior (Martin Lange) schwanger. Ihre konservativ-bürgerliche Mutter verstößt sie. In ihrer Not entschließt sich Wendla zu einer Abtreibung, an der sie stirbt.

Doch auch Melchior, der aus einem liberaleren Hause stammt als Wendla, bringt sein fortschrittliches Denken in dieser Zeit in große Probleme. Am Ende wird er nicht nur seine Freundin, sondern auch seinen besten Freund Moritz (Samuel Fischer) verlieren.

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So war das vor 100 Jahren. So war das womöglich auch noch bis vor 50 Jahren. Und in einigen Teilen der Welt ist es auch heute noch so.

Skandalstück mit aktuellem Bezug

Frank Wedekind hat mit seinem Skandalstück über Pubertätsnöte ein zeitloses Stück geschaffen. Robert Grzywotz, Theaterpädagoge am Theater der Altmark, bringt es jetzt auf die Stendaler Bühne. Seit September probt er bereits mit seinem 25-köpfigen Ensemble. „Es ist nicht immer einfach bei diesem Thema“, sagt er. „Auch heute noch ist es nicht für jeden selbstverständlich, offen über Sexualität zu reden. Das merkt man dann auch auf der Bühne. Wer sich nicht traut, über Sex zu reden, kann das auch nicht spielen. Also haben wir anfangs erstmal eine ganze Weile über Sex und alles, was dazugehört, geredet. Und mittlerweile kriegen sie das auf der Bühne auch sehr professionell hin.“

Wer sich von der Schauspielkunst des jungen Laien-Ensembles überzeugen möchte: Karten für die Premiere am 21. Juni im Großen Haus des Stendaler Theaters gibt‘s unter 03931/63 57 77 oder unter besucherservice@tda-stendal.de.