Grobleben l „Spike“, ruft Martina Kosink ihren siebenjährigen Labrador-Rüden. Als erster kommt aber ein kleiner Wildschweinjunge angewetzt, der Hund folgt ihm auf den Fuß. Beide lassen sich das Fell kraulen, dann geht es zurück zum Toben. Schließlich beobachtet „Spike“ interessiert, wie „Schnitzel“ den Hof zum Leidwesen von Frauchen umwühlt. Aber das ist nun mal Wildschweinart. Das hatte sie vorher gewusst, ehe sie sich diese „Last“ aufbürdete.

Ende April waren die Groblebenerin und ihr Mann Klaus mit dem Auto in Richtung Stendal unterwegs, als ihnen zwei winzige Frischlinge auf der Straße entgegen kamen. Weit und breit war keine Bache zu sehen, „wir vermuten, dass sie erschossen oder überfahren wurde.“, so Martina Kosink. Im Wissen darum, dass die beiden erst zwei bis drei Tage alten kleinen Kerle ohne Mutter nicht überleben konnten, stoppte das Ehepaar sofort.

Ein Schweinchen ist entwischt, eines konnte nicht entkommen. „Es war höchstens so schwer wie zwei Stück Butter“, erinnert sich die Tierliebhaberin an die erste Begegnung mit „Schnitzel“. Sofort wurde umgekehrt und Tierchen bekam ein neues zu Hause, nachdem der zuständige Jäger seine Zustimmung gab. Die Kosinks informierten außerdem das Veterinäramt und bei der Tierseuchenkasse ist der neue Hofbewohner ebenfalls ordnungsgemäß angemeldet.

Labrador vergisst Jagdtrieb

In den ersten Tagen zeigte sich der kleine Keiler aber wenig dankbar. „Er hatte einen barbarischen Krach gemacht, wenn er die Flasche bekommen sollte“, so artina Kosink. Nach vier Wochen war aber das Eis gebrochen und noch heute besteht „Schnitzel“ auf seine Flasche mit Babynahrung und Banane, obwohl er bereits eigenständig fressen kann.

Schließlich kam der Hund ins Spiel. Ein Labrador, von Haus aus Jagdhund, ist eigentlich nicht gerade der ideale Spielkamerad für ein Wildschwein. „Spike“ stellte seine jagdliche Berufung aber zu Gunsten eines neuen Kumpels in den Hintergrund.

Zuerst durften beide nur unter Aufsicht miteinander raus. Jetzt sind sie fast unzertrennlich. Geht Herrchen mit dem Hund spazieren, hat Frauchen nun ein kleines Wildschwein an der Leine und „Schnitzel“ ist in Grobleben bereits bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“.

Ehepaar beherbergte auch Rehe

Berücksichtigt man die lateinische Redensart „nomen est omen“ (Der Name ist ein Zeichen), ist der Name „Schnitzel“ für ein jungen Wildschwein aber alles andere als vielversprechend.

Martina Kosink lacht: „Er hat sein Leben selber in der Hand. Bleibt er brav, bleibt er. Wird er böse, kommt er weg“, macht sie klar, dass es nur zwei Alternativen gibt. Schließlich haben die Kosinks Enkelkinder und denen darf nichts passieren. Vorsichtshalber wurde „Schnitzel“ aber schon kastriert.

Das Ehepaar ist in dem Dorf übrigens dafür bekannt, dass es sich verwaister Wildtieren annimmt. Anfang der 90-er Jahre machte ihre Ricke „Hansi“ bereits Schlagzeilen in der Volksstimme. Daraufhin brachten ihnen immer wieder Leute Rehe in das Haus, zum Schluss waren es sieben. Allerdings überlebten nicht alle auf Grund ihrer Verletzungen. „Hansi“ aber wurde immerhin 13 Jahre.

Und wie sieht es mit weiteren kleinen Wildschweinen aus? Angesichts der Suhlen auf dem Hof winkt Martina Kosink kategorisch ab. „Wir haben mit ihm sehr viel Spaß, er macht aber auch viel Arbeit. Ein ,Schnitzel‘ reicht!“