Stendal l Eine gut gemeinte Aktion endet mit einer Enttäuschung, „besonders für unsere Enkelkinder“, so Gisela und Günter Hamann. Mit vier Eimern voller Kastanien, die sie gemeinsam mit den Zwillingen Friedrich und Wilhelm am Sonnabend am Westwall in Stendal gesammelt hatten, mussten sie unverrichteter Dinge nach Hause ziehen. Die Abnahme im Tiergarten wurde ihnen verweigert.

Was Jahre zuvor kein Problem war, schien nun auf einmal eins zu sein, hadert Günter Hamann. Die Abweisung sei damit begründet worden, dass die Kastanien zu viel Blausäure enthalten und zudem zu schnell verschimmeln würden. Eicheln und auch Nüsse würden hingegen gern abgenommen.

Blausäure und Schimmel

Auf Nachfrage der Volksstimme bestätigt die Tiergarten-Leiterin Anne-Katrin Schulze, dass es kein Bedarf gebe, Kastanien anzunehmen. Zum einen können sie nicht auf Vorrat gelagert werden, weil sie bei der jetzigen Witterung schnell schimmeln, zum anderen würden sie als Futtermittel in Massen nicht verwendet werden. „Wir haben nur etwas mehr als ein Dutzend Damwild, das Kastanien frisst.“ Auf dessen Speiseplan stehen sie jedoch höchstens aller zwei Tage – wegen des Blausäuregehaltes. Kastanien gelten zwar als gutes Kraftfutter, aber sie seien wegen des Giftstoffes halt auch gefährlich.

Ausnahme bei Absprache

„Mufflons verschmähen Kastanien gänzlich, und unsere Wildschweine können wir damit jagen“, führt die Leiterin weiter aus. Die Schwarzkittel im Tiergarten müssten schon sehr hungrig sein, bis sie sich auf die rotbraunen Nussfrüchte stürzen. Und Hunger erleiden sie so schnell nicht, versichert Anne-Katrin Schulze, die übrigens Verständnis für die Enttäuschung der Familie Hamann habe. „Es ist nicht immer einfach zu verstehen. Wir machen höchstens eine Ausnahme, wenn Kinder mit einem Eimerchen voller Kastanien kommen oder die Abnahme im Vorfeld mit uns vereinbart wurde“, so die Tiergarten-Chefin.

Letztendlich trage sie die Entscheidung, was als Futter abgenommen werde und was nicht. In dieser Hinsicht „müssen wir zum Schutz vielen Tiere konsequent sein und lehnen Fallobst, Rasenschnitt und vieles mehr dankend ab“.

Gisela und Günter Hamann haben trotz der Enttäuschung die idyllisch gelegene Anlage am Stendaler Stadtsee mit den rund 500 tierischen Bewohnern weiter ins Herz geschlossen. Sie wollen ebenso weiter mit den Enkeln Kastanien sammeln, aus Freude. Für die Verwendung hat die Tiergartenleiterin einen Tipp für sie. Häufig würden Jäger zur Fütterung der Wildtiere Kastanien abnehmen.