Demker l Der Landkreis Stendal hat ein Haltungsverbot gegen die Betreiber des Milchviehbetriebes Demker verhängt. Pressesprecherin Angela Vogel bestätigte damit einen entsprechenden Bericht in der RTL-Sendung Stern TV vom vergangenen Mittwoch. Im Mai des vergangenen Jahres hatte die Tierschutzorganisation „Soko Tierschutz“ die Missstände mit umfangreichen Videoaufnahmen publik gemacht. Unter anderem hatte eine tote Kuh tagelang in ihrer Box gelegen.

Zu den Hintergründen des Verbotes wollte sich der Kreis am Freitag noch nicht äußern und verwies darauf, dass eine Stellungnahme am kommenden Montag erfolge. In einem offiziellen Schreiben des Referates für Vebraucherschutzes des Landesverwaltungsamtes, das der Volksstimme vorliegt, ist aber die Rede davon, dass das Kreisveterinäramt bei zahlreichen Kontrollen Misstände festgestellt hatte. Deshalb sei die Entscheidung getroffen worden, das Haltungsverbot auszusprechen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Pressestelle des Landkreises eine Mängelliste veröffentlicht: Mangelnde Klauenpflege, Lahmheitsproblematik in der Kuhherde, Unstimmigkeiten in der Rinder-Datenbank, Kälberflechte bei Jungrindern, bauliche Mängel, Unregelmäßigkeiten in der Tierkörperbeseitigung und -lagerung, unvollständige Trächtigkeitsuntersuchungen, überdurchschnittliche Abgangsrate von Rindern aus dem Betrieb.

Anzeigen erstattet

Der Landkreis hatte deshalb zwei Anzeigen gegen die Betreiber erstattet. Aber auch gegen Mitarbeiter des Landkreises waren Anzeigen eingegangen.

Die „Soko Tierschutz“ begrüßt zwar das Haltungsverbot, spart aber nicht mit Kritik an den Veterinären des Landkreises. „Dass fast eineinhalb Jahre nach unseren Veröffentlichungen und der Entscheidung vergehen mussten, spricht Bände. Ich habe außerdem den Eindruck, dass die Behörde versucht, sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen. Bei der Begründung der Entscheidung wird auf unsere Erkenntnisse kein Bezug genommen“, sagt ihr Sprecher Friedrich Mülln.

Er beklagt außerdem „eine miserable Kommunikationspoltik.“ In der Tat war die Öffentlichkeit bislang nicht über den Vorgang informiert worden. Friedrich Mülln weist ferner darauf hin, dass auf dem Gelände immer noch Rinder gehalten werden dürfen. Es müsste nur ein anderer Verwalter gefunden werden.