Stendal l Mindestens noch dieses Jahr werden die Ermittlungen zum Milchviehbetrieb Denker andauern. Ihm waren von der Tierschutzorganisation Soko Tierschutz Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vorgeworfen worden. „Die Ermittlungen sind sehr komplex und dauern noch an“, sagte Thomas Kramer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stendal, auf Anfrage der Volksstimme.

Vorwürfe gegen Betrieb und Behörde

Wohl kaum ein Thema bewegte die Menschen im Mai in der Region so sehr wie die Geschehnisse um den Milchviehbetrieb Demker. In einer Fernsehsendung hatte die Organisation Soko Tierschutz Missstände angeprangert. Rinder sollen dort grausam misshandelt werden und „tote Tiere bis auf die blanken Knochen verwesen“. Der Landkreis hatte am Tag nach der Sendung eine Pressekonferenz einberufen. Die betreffende GbR sei zwar kein Vorzeigebetrieb, aber derartige Verstöße gegen das Tierschutzgesetz seien dort noch nicht festgestellt worden.

Der Milchviehbetrieb ging ebenfalls in die Offensive. In einer Stellungnahme hieß es, die Behauptungen der Tierschützer seien falsch. Die in dem Bericht veröffentlichten Film- und Fotoaufnahmen würden aus einer anderen Quelle stammen, seien zum größten Teil nicht authentisch. Der Verein würde der GbR massiv schaden, um an Spendengelder zu gelangen, so die Argumentation.

Die Soko Tierschutz erhöhte den Druck, warf nun nicht mehr nur dem Betrieb die Missstände, sondern auch dem Landkreis Untätigkeit vor. Der Verein präsentierte weiteres Bildmaterial, aus dem ziemlich deutlich zu erkennen war, dass es sich um Aufnahmen aus dem Demkeraner Betrieb handelte. Diesen Schluss zog jedenfalls auch der Landkreis, nachdem ihm das Material von der Soko Tierschutz übermittelt und gesichtet worden war.

Solidarität mit Grenzen

Am 31. Mai gab Landrat Carsten Wulfänger (CDU) eine Solidaritätserklärung für die Landwirte ab. Er werde sich jederzeit für sie einsetzen, da sie wichtig für die Region und die hier lebenden Menschen seien. Allerdings machte Wulfänger auch eine ganz klare Einschränkung: Betriebe, die sich nicht an die Vorschriften und Gesetze halten, fallen nicht unter diese Solidarität.

Auf der Internetseite des Landkreises (www.landkreis-stendal.de) ist ein Dossier eingerichtet worden, in dem die Nutzer über die aktuellen Vorgänge rund um den Milchviehbetrieb auf dem Laufenden gehalten werden.

Sieben Kontrollen vorgenommen

Seit Mai wurden im Betrieb sieben Kontrollen vorgenommen. Folgende Probleme wurden laut Pressestelle des Landkreises dabei erfasst: mangelnde Klauenpflege, Lahmheitsproblematik in der Kuhherde, Unstimmigkeiten in der Rinder-Datenbank, Kälberflechte bei Jungrindern, bauliche Mängel, Unregelmäßigkeiten in der Tierkörperbeseitigung und -lagerung, unvollständige Trächtigkeitsuntersuchungen, überdurchschnittliche Abgangsrate von Rindern aus dem Betrieb.

Vier Anordnungen wurden getroffen. Darin wird gefordert, tierschutzrechtliche Missstände abzustellen. Die Erfüllung der Anordnungen werde durch das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Landkreises im Rahmen von Nachkontrollen und Auswertung betriebseigener Dokumente überprüft, hieß es aus der Pressestelle.