Stendal l Zu mancher Trauerfeier kommen ein gutes Dutzend, zu manch anderer gar weit über hundert Menschen. Da gibt es für die Familie, für Bekannte und Nachbarn, für Freunde, Betriebs- oder Vereinskollegen die Gelegenheit, sich in würdigem Rahmen vom Toten zu verabschieden, ihm gedanklich oder in Form eines Gedichts, einer Blume oder der rituellen Handvoll Erde einen letzten Gruß mitzugeben.

Manche Bestattung indes findet nur „im engsten Familienkreis“ oder „in aller Stille“ statt, wie in der Traueranzeige verkündet wird. Zu mancher Beerdigung aber kommt gar niemand – außer dem Bestatter. Nicht etwa, weil der Verstorbene von niemandem gemocht wurde, sondern vielleicht, weil einfach niemand für eine feierliche Bestattung gesorgt hat oder nichts schriftlich verfügt wurde.

Vor allem für diese Verstorbenen, die nach ihrem Tod namenlos bleiben, weil sie von Amts wegen anonym bestattet werden, aber eben auch für jene Hinterbliebenen, die keine Gelegenheit hatten, zur Beerdigung zu kommen, sich nicht dorthin trauten oder sich fehl am Platze fühlten, soll es nun eine besondere Gedenkstunde geben. Das Trauernetzwerk Altmark und die Hansestadt Stendal haben dieses Angebot gemeinsam entwickelt.

Zeremoniell offen für alle

„Wir möchten damit das Leben derer würdigen und wertschätzen, bei denen es niemanden mehr gab oder die nur sehr still bestattet wurden“, schildert Hospiz-Geschäftsführer und Krankenhausseelsorger Ulrich Paulsen den Ursprung der Idee, für die es andernorts Vorbilder gibt, zum Beispiel in Berlin-Köpenick. „Aus unserer Erfahrung in der Trauerbegleitung wissen wir, dass es oft doch noch Menschen gibt, die gern Abschied genommen hätten.“

Mit der Gedenkstunde, die am Donnerstag, 30. Januar, ab 17.30 Uhr in Stendal stattfindet, biete man Gelegenheit, dies gewissermaßen nachzuholen. Das Musikforum Katharinenkirche als säkularer Ort biete sich dafür an, das Zeremoniell ist nicht religiös eingegrenzt, sondern offen für alle.

Musik, Text, Gebet

„Wer möchte, kann uns auch am Tag selbst noch am Eingang den Namen eines Verstorbenen nennen, den wir dann mit vorlesen“, so Paulsen. Für jeden Genannten soll dann eine Kerze entzündet werden, wer von den Gedenkenden mag, kann das gern selbst tun. Aber auch an die Namenlosbleibenden soll mit einer Kerze erinnert werden.

Neben Musik und Textlesungen wird es eine kurze, allgemeine Ansprache geben, auch kirchliche Elemente wie Gebet und Psalmlesung finden sich wieder. „Es ist wie eine normale Trauerfeier, nur eben ohne Bezug zu einer bestimmten Person“, sagt Dorothee Oesemann, die als freie Trauerrednerin arbeitet. Sie ist sich sicher, „dass es eine ganze Menge Menschen gibt, die Interesse an der Veranstaltung haben könnten“.

Ort zum Trauern fehlt

Etwa 20-mal pro Jahr komme es vor, dass das Ordnungsamt anonyme Bestattungen vornimmt, weil keine Angehörigen ausfindig gemacht werden konnten oder der Verstorbene selbst nichts geregelt hatte. „Dann soll alles natürlich möglichst steuergeldsparend erfolgen“, erklärt Paulsen, „und jegliche Form der noch so kleinsten Feier zählt nicht zum Allernotwendigsten.“ Somit gebe es dann auch keinen Ort zum Trauern – der sei aber wichtig, oftmals auch noch Jahre nach dem Tod. Die Katharinenkirche soll jedoch nur für diesen Nachmittag Gedenk­ort sein, Spuren davon wird es nicht geben – nur in der Erinnerung der Anwesenden.

Kontaktstellen für Trauernde

Um Hilfs- und Beratungsangebote für Trauernde und ihre Angehörigen zu bündeln, hat sich 2014 das Trauernetzwerk Altmark gegründet. Es ist erfahren im Bereich Trauer von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen, Eltern und ist qualifiziert durch differenzierte Aus- und Weiterbildung. Die 24-Stunden-Anlaufstelle ist erreichbar unter der Hospiz-Telefonnummer: 03931/218337 (nachts nur Entgegennahme von Rückrufnummer).

Weitere Ansprechpartner sind Angelika Beyer, Tel. 03931/668300, E-Mail: angbeyer@gmail.com, Dorothee Oesemann, Tel. 0163/1397050, E-Mail: info@trauerreden-oesemann.de sowie Ulrich Paulsen, Tel. 03931/662180 bzw. 03931/218338, E-Mail: ulrich.paulsen@jksdl.de