Stendal l Wenn viele Schüler in der neunten Klasse des Wort „Berufsorientierung“ hören, fangen viele an zu gähnen. Wer will sich denn mit 15 Jahren schon Gedanken darüber machen, was nach der Schulzeit auf dem Plan steht? Um den Schülern die spätere vielleicht langwierige Suche zu ersparen, setzt die Sekundarschule Adolf Diesterweg in Stendal auf eine „Berufsorientierung einmal ganz anders mit Prof. Altklug und Roboter SIT“. Initator dies Projektes ist das Schüler-Institut SITI für Technik und angewandte Informatik aus Havelberg.

In der vergangenen Woche besuchten die Projektmitarbeiter Hans-Joachim Frey und Daniel Jagieniak die neunten Klassen der Sekundarschule. Das Besondere an diesem Projekt ist, dass es sich um ein Mitmachstück handelt. Hans-Joachim Frey tritt als Professor Altklug auf, der nur für die Wissenschaft lebt, etwas verpeilt ist und mit einer Schokoladenwurfmaschine experimentiert. Um neue Forschungsgelder zu erhalten, muss er ein Berufsorientierungprojekt durchführen.

Roboter hilft bei Jobsuche

Daniel Jagieniak spielt seinen Assistenten Herr Schmittchen. Der Roboter SIT, der vom Institut selbst entwickelt wurde, wird per Video-Konferenz zugeschaltet und gibt den Schüler Tipps zur Berufsorientierung. Die Dialoge des Stücks habe sich das Institut selbst ausgedacht, erklärt Daniel Jagieniak.

Bilder

Das Projekt solle den Schülern nicht ihren Traumberuf auf dem Silbertablett servieren. Viel mehr soll es zeigen, ob man in einem Team arbeiten oder, ob man sogar ein Team führen könnte, sagt Jagieniak weiter. „Die Schüler sollen erkennen, wo ihre Stärken und Schwächen liegen.“

Um die Teamfähigkeit der Jugendlichen zu testen, wird die Klasse in vier Gruppen eingeteilt. Während des Projektes treten die Teams gegeneinander an. Die Gruppe mit den meisten Punkten gewinnt. In Quizrunden zur Berufswelt und aktiven Aufgaben sammeln die Schüler Punkte.

Corona: Puppe als Ersatz

So müssen zwei jeder Gruppe einer Puppe die korrekte Berufsbekleidung beispielsweise eines Kochs oder Polizisten richtig anziehen. „Ohne Corona würden wir einen Schüler als Puppe nehmen“, sagt Jagieniak. Auch ohne echtes Model hatten die Jugendlichen viel Spaß dabei und als Team kamen fast fehlerfreie Ergebnisse heraus.

Damit die Schüler überhaupt eine Vorstellung davon bekommen, welche Ausbildungsberuf es gibt, dürfen sie an Stationen selbst aktiv werden. So bauen sie zum Beispiel ein Luftballon-Rennauto aus Halbzeugen oder bringen ein Lego-Auto zum autonomen Fahren. „Das Lego-Auto hat drei Sensoren. Ein reales Auto hat rund 3000 Sensoren. Beide sind gleich aufgebaut“, klärt Daniel Jagieniak auf und verdeutlicht damit die Realitätsnähe der Stationen.

Projekt für ganz Sachsen-Anhalt

„Die Idee zu diesem Projekt entstand vor über fünf Jahren. Die Entwicklung dauerte mehrere Jahre“, sagt Hans-Joachim Frey. Das Team besucht heute Schulen in ganz Sachsen-Anhalt. Aber bevor die Aufgaben und Stationen ins Programm aufgenommen wurden, hätten Schüler des Gymnasiums in Havelberg als Testpersonen fungiert, so Jagieniak.

Das Schüler-Institut SITI sei nicht zum ersten Mal an der Sekundarschule in Stendal, weiß Heike Szebrat, stellvertretende Schulleiterin und Mathelehrerin. Die Schule hat sich für dieses Projekt entschieden, weil es unterhaltsam ist und den Schülern Anregungen auf spielerische Art bietet. Das positive Feedback des vergangenen Jahrgangs gab ihnen recht.„Die Schüler entwickeln Ehrgeiz bei der Praxis“, freut sich die Lehrerin.

Gerade die aktuellen neunten Klassen haben mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen. „Am Montag wären sie eigentlich ins Praktikum gegangen, aber das findet nicht statt“, bedauert Heike Szebrat. Auch die klassische Berufsberatung des Arbeitsamtes für die neunten und zehnten Klassen ist aktuell nicht möglich.

Worauf es im Leben ankommt

Durch das Projekt des Instituts sollen die Jugendlichen merken, worauf es im Leben ankommt und was die Arbeitswelt bedeutet. Sie sollen herausfinden, was sie wollen und, ob die Anforderungen des Berufes zu ihnen passen. „Auch, wenn der Schüler nicht top in der Schule war, kann er aber ein top Arbeiter sein, wenn es der richtige Beruf ist“, sagt sie.

Die Schulleitung hat vor, das Projekt in den neunten Klassen zu etablieren, aber noch zusätzlich an der klassischen Berufsberatung der Arbeitsagentur teilzunehmen.